EUR/USD eröffnet heute bei 1.3640 (07.40 Uhr), nachdem gestern im US-Handel Höchstkurse
der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3679 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem
JPY auf 90.35. In der Folge notiert EUR/JPY bei 123.25, während EUR/CHF bei 1.4615 oszilliert.
Der Konjunkturlokomotive der Welt, China, boomt zu Jahresbeginn und setzt damit positive
Zeichen. Diese Signale wurden in Davos überhört, man fokussierte sich auf einen „DIP“.
Die Industrieproduktion legte in China per Berichtsmonaten Januar/Februar im Jahresvergleich um
20,7% nach zuvor 18,5% zu. Die Prognose war bei 20,0% angesiedelt.
Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten in der Zweimonatsperiode Januar/Februar einen Anstieg
um 22,1% und markierten damit den höchsten Anstieg seit Oktober 2008. Die Prognose lag bei
18,1%.
Die Investitionstätigkeit in städtischen Regionen nahm per Januar/Februar im Jahresvergleich um
26,6% nach zuvor 30,5% zu. Die Prognose war bei 30,0% angesiedelt.
Die Verbraucherpreise per Berichtsmonat Februar legten im Jahresvergleich um 2,7% nach zuvor
1,5% zu.
Die Erzeugerpreise per Berichtsmonat Februar stiegen im Jahresvergleich um 5,4% nach zuvor
4,3%.
Die Geldmenge M-2 erhöhte sich per Februar im Jahresvergleich um 25,5% nach 26% und
Höchstwerten per November bei 29,6%.
Deutlich wird an den aktuellen Daten, wie sinnvoll und notwendig der Politikansatz der
PBoC war und ist, diese äußerst positive Konjunkturentwicklung mit leichten
Zinssteigerungen und erhöhten Mindestreserveanforderungen zu begleiten, um möglichen
Blasenbildungen vorzubeugen und damit den langfristigen Wachstumstrend nicht zu
gefährden.
Mit anderen Worten sind diese Maßnahmen der PBoC Ausdruck ausgeprägter Stärke einer
Zentralbank, die Risiken sachgerecht antizipiert (das ist heute sehr selten) und nicht einer
Schwäche, wie es irrtümlich von Kollegen im Januar und Februar am internationalen
Aktienmarkt interpretiert und noch wesentlicher diskontiert wurde.
Wir freuen uns vor diesem positiven konjunkturellen Hintergrund aus Asien, daß
Bundesbankpräsident Weber mehr und mehr Anzeichen einer Erholung erkennt. „Welcome in the
club, but it is a very late arrival!“
Wir verweisen auf den Preisdruck in China, der Weltkonjunkturlokomotive, und darauf, daß
Zentralbanken besser antizipierend Zinspolitik gestalten, da Zinsmaßnahmen erst nach 12
Monaten laut Textbuch der Wirtschaft ihre volle Wirkung entfalten.
Die Art und Weise der Gestaltung der Zinspolitiken der westlichen Zentralbanken in der jüngeren
Vergangenheit liefert in der Tendenz eher eine Ähnlichkeit zur „Nacherzählung“! Das kann jeder.
Es ist die angemessene Aufgabe für Eliten, vorzudenken und nicht nur nachzudenken oder
nachzuerzählen!
Diese Kritik mag auf ersten Blick als scharf und unangemessen ins Auge stechen. Ich verweise
diesbezüglich auf die von mir massiv kritisierte Zinserhöhung der EZB von 4,00% auf 4,25% per
Sommer 2008!
Nachdem nun zunächst das Thema konjunkturelle Freude in Asien im Fokus stand, wenden wir
und nun dem letzten „Waggon“ des Konjunkturzugs zu, den USA. Schlußendlich kommt es auf ein
ausgewogenes globales Konjunkturbild an. Wer die Konjunkturlokomotive thematisiert, kommt
nicht um den letzten „Waggon“ herum.
Der erste Blick fällt auf die „Arbeitslosigkeitskarte in den USA. Dieser Blick zeigt, daß von einer
Wende am US-Arbeitsmarkt nicht gesprochen werden kann.
Das „Federal Budget“ lieferte per Februar ein Defizit in Höhe von -220,9 Mrd. USD nach -193,8
Mrd. USD im Vorjahresmonat. Die Prognose lag bei -222,0 Mrd. USD.
Mit anderen Worten hat sich die Defizitsituation trotz der konjunkturellen globalen Erholung in der
Weltwirtschaft und den USA deutlich verschärft. Das muß Realisten ernüchtern!
Diese Daten verdeutlichen, daß die USA weiter am fiskalischen Defizittopf und an der
Zinssubventionierung durch die Fed (aktuell real negativer Zins: CPI 2,7% versus Fed Funds
0,13%) hängen. Bernankes Aussagen waren dazu zuletzt eindeutig. Zinsänderungen stehen nicht
auf der Agenda.
Aus dieser Konstellation Attraktivität für den USD ableiten zu wollen, überlassen wir der Kreativität
der Investmentbankprofis aus London und New York und vereinzelt auch aus europäischen
Gefilden. In einem „gallischen Dorf“ der Ausprägung unseres Hauses dominiert dagegen
Bodenständigkeit!
Die US-Lagerbestände des Großhandels sanken per Januar überraschend um -0,2%. Die
Prognose war bei +0,2% angesiedelt. Der Vormonatswert wurde von -0,8% auf -1,0% revidiert.
Diese Zahlen ernüchtern und implizieren ein deutliches Stocken in der US-Wirtschaft.
Das Verhältnis zwischen Lagerbestand und Absatz sank von 1,12 auf 1,10 Monatsumsätze und
markierte damit den tiefsten historischen Wert in dieser Datenreihe.
Zusammenfassend bleibt das Bild, das die USA konjunkturell und strukturell abgeben, in hohem
Maße ernüchternd. Nur der Teil der US-Wirtschaft, der an der globalen Wirtschaft hängt, reüssiert.
Das entspricht einem 6-Zylinder, der auf 2 Zylindern stottert. „It is and it will be a rough ride!“
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das nach wie vor den Euro gegenüber dem USD
favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.3430-1.3450 neutralisiert den positiven Bias
des Euros.
Viel Erfolg!