EXPERTEN

12:16 | 16.03.2009
Börsevokabeln: Was versteht man unter Inflation / Deflation?

Die Analysten des Smallcap-Investors haben folgenden interessanten Bericht veröffentlicht:

 

Inflation kommt aus dem Lateinischen und heißt „das Sich-Aufblasen oder das Aufschwellen“. In der Volkswirtschaftslehre wird darunter ein andauernder, signifikanter Anstieg des Preisniveaus verstanden. Das heißt, es verändert sich das Verhältnis von Geld zu Gütern zu Lasten des Geldes. Daher wird im normalen Sprachgebrauch von Geldentwertung gesprochen.

 

Die Inflation hängt auch unmittelbar mit der Geldmenge zusammen. Unter der Geldmenge versteht man das ganze Geld, das einer Volkswirtschaft zur Verfügung steht. Die Zentralbanken steuern maßgeblich die Geldmenge und versuchen damit die Inflation und Wirtschaft zu regeln. Steigt die Geldmenge stärker als die angebotenen Produkte und Dienstleistungen, so führt das in der Regel zu steigenden Preisen und damit zu einer Inflation.

 

Die Geldmenge (M3) ist zum Beispiel im Euroraum im Dezember 2008 um 7,3 % gestiegen.

 

Schreckgespenst Deflation

 

Deflation ist genau der umgekehrte Zustand. Das heißt, es wird darunter ein anhaltender Preisrückgang verstanden. Man unterteilt dabei manchmal die Deflation in unterschiedliche Teilbereiche und zwar dann, wenn nur eine Gruppe betroffen ist. Hier ist zum Beispiel die Lohndeflation zu erwähnen, wenn durch gewisse Faktoren das Lohnniveau nicht mehr steigt oder die Vermögensdeflation, wenn es durch Kursverluste bei Aktien, Immobilien zu signifikanten Rückgängen kommt. Gerade die Vermögensdeflation dürfte den meisten Lesern in den letzten Monaten sehr gut bekannt sein. Das Schlimme an einer Deflation ist, dass wenn sie zu lange dauert, sich daraus ein Selbstläufer entwickelt. Der Konsument und Bürger wird trotz Null-Zinsen (auf Konto oder Sparbuch) seine Sparquote nicht senken,denn er geht davon aus, dass sein Geld mehr Wert wird und daher wartet er einmal ab, denn die Produkte, die er kaufen will, werden ja immer billiger. Durch das Ausbleiben der Käufe werden die Produkte in der Regel aber noch billiger, wodurch ein „Teufelskreislauf“ ausgelöst wird. Deflation ist somit viel schwerer zu bekämpfen als Inflation und damit ein „Schreckgespenst“ für jeden Notenbanker.

 

Damals in den 30ern

 

Aber auch hier gilt: eine Deflation geht in der Regel mit sinkender Geldmenge einher.

Sehr dramatisch war diese Situation damals in den 30er Jahren in der großen Depression. Damals war der US-Dollar quasi an das Gold gebunden. Durch den Börsenkrach 1929 und der anschließenden Wirtschaftskrise, sanken die Preise und lösten eine Deflation aus. Die Konsumenten und Bürger senkten jedoch aufgrund der schlechten Lage nicht die Sparquote sondern zögerten Käufe hinaus. Woraufhin der Wirtschaft immer mehr Geld entzogen wurde. Die Notenbank konnte nicht so wie jetzt mit einer expandierenden Geldpolitik dagegen arbeiten, denn durch die Goldbindung (für jeden ausgegebenen US$ musste ein gewisser Teil Gold hinterlegt sein) konnten sie nicht unbeschränkt „Geldschöpfen“ bzw. vereinfacht gesagt Geld drucken. Damit wurde die Kreditvergabe an die Unternehmen massiv erschwert, was wiederum die allgemeine Wirtschaftslage verschlechterte und zu Massenarbeitslosigkeit und Unternehmenspleiten führte. In einem derartigen Umfeld geben die Bürger und Konsumenten nicht viel Geld aus, sondern versuchen zu sparen, wo es nur geht, was wiederum die Geldmenge schrumpfen lässt. Ein Teufelskreislauf der damals durch den „New Deal“ von Franklin D. Roosevelt gemildert wurde und erst vollständig mit der Kriegsproduktion für den 2. Weltkrieg überwunden wurde.

 

Aktuelle Gefahr

 

Derzeit sehen wir eine rasch sinkende Inflation und durch den Basiseffekt ist in den nächsten Monaten sogar mit negativen Inflationszahlen also einer Deflation zu rechnen. Eine Vermögensdeflation bei Sachgütern und Vermögenswerten wie Immobilien und Aktien sehen wir ja schon seit einigen Monaten. Ein wichtiger Unterschied zu den 30er Jahren ist die ungebrochen starke Zunahme der Geldmenge. Warum steigen aber dann noch nicht die Preise? Das liegt wohl daran, dass das billige Geld der Notenbanken nicht bei den Konsumenten und Bürgern ankommt. Auch die Unternehmen können sich derzeit nicht billig refinanzieren. Das sieht man an den letzten Unternehmensanleihen die emittiert wurden. Früher oder später werden die massiven Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen aber ihr Ziel erreichen. Dies müsste dann zu einer deutlichen Beschleunigung der Inflation führen und somit die Gefahr eine Deflation bannen. Sollte dies den Notenbanken und Regierungen nicht gelingen, dann steht uns im besten Fall eine Deflation wie in den 90er Jahren in Japan bevor und im schlimmsten Fall eine Depression wie in den 30er Jahren.

 

Kurs auf

 

Ihr

Joachim Brunner

 

Achtung: Joachim Brunner ist Berater des First Junior Zertifikates (WKN LS1JEX) und des Fonds PI global one (WKN 0A0636). Es ist daher möglich, dass sich die in diesem Artikel beschriebenen Aktien im Fond/Depot bzw. dem dazugehörigen Index befinden.

 

Der Artikel unterliegt dem geistigen Eigentum des Autors bzw. des Verlages. Die Weitergabe bzw. die Veröffentlichung an Dritte (auch auszugsweise) ist ohne unsere Zustimmung nicht gestattet.

 

Bitte beachten Sie immer die Risikohinweise auf unserer Webseite www.smallcap-investor.de.

 

Diese Ausgabe wurde am  10.03.2009 an die Smallcap-Investor Premiumabonnenten versendet.

 


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