EXPERTEN

11:11 | 13.07.2011
Bremer Landesbank – China läuft weiter rund – Moody’s kümmert sich um Irland …

Der Euro eröffnet heute Morgen bei 1.4005 (08.15 Uhr), nachdem im europäischen Handel
Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3837 markiert wurden. Der USD stellt sich
gegenüber dem JPY auf 79.50. In der Folge notiert EUR-JPY bei 111.35, während EUR-CHF bei
1.1655 oszilliert.
Werfen wir zunächst zwecks Arrondierung unserer gestrigen Einlassungen einen kurzen Blick auf
italienische Defizitdaten der letzten 12 Jahre.
Ein aufmerksamer Leser stellte uns gestern diese Datenreihe von Eurostat mundfertig zu. Dafür
bedanken wir uns herzlich bei Dr. H., wir nehmen dieses Angebot gerne an.
Italien: Klartext über Gesamtverschuldung (GS) und jährliches Staatsdefizit: (NVS):
Jahr 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
NVS -1,7% -0,8% -3,1% -2,9% -3,5% -3,5% -4,3% -3,4% -1,5% -2,7% -5,3% -4,6%
GS % 113,7 109,2 108,8 105,7 104,4 103,8 105,8 106,6 103,6 106,3 116,0 119,0

Die Verschuldungslage Italiens ist aktuell und war bei Gründung der Eurozone hoch. Eine prekäre
Beschleunigung wie in anderen Ländern, beispielsweise den USA oder dem Vereinigten
Königreich, ist nicht feststellbar.
Gerade vor dem Hintergrund der größten Krise seit 1929/32 implizieren diese Daten eine
erstaunliche Stabilität, die tendenziell ein positives Werturteil forcieren sollte, zumal jetzt im
Gegensatz zu den USA Reformen umgesetzt werden und nach unserer Kenntnislage nicht wie in
Massachusetts öffentliche Angestellte, unter anderem Polizisten und Lehrer, nicht mehr zur Arbeit
erscheinen, weil der Bundesstaat zahlungsunfähig ist.
So weit zu den Fakten.
Die aus China veröffentlichten Daten belegen einmal mehr, dass diejenigen Kräfte, die seit mehr
als zwei Jahren immer wieder einen Einbruch der chinesischen Wirtschaft herbeireden wollen, sich
weiter gedulden müssen.
Übrigens kamen und kommen diese Stimmen zumeist aus den USA und dem angelsächsischem
Beritt. „Food for thought!“
Diese verbale Verunsicherung gegenüber China in der Vergangenheit erinnert durchaus an
Verfahrensweisen, die wir derzeit in der Eurozone erfahren.
Es geht dabei nicht um Fakten, um die wir uns hier immer wieder bemühen (siehe Italien), sondern
es geht um über Finanzmedien oder auch Teile des ordnungspolitischen Rahmens provozierte
Stimmungen und Werturteile, die auf China oder die Eurozone politisch und finanzmarkttechnisch
destabilisierend wirken.
Diese Methoden, die hier zur Anwendung kommen und latent einseitige Qualitäten aufweisen, in
dem sie die USA und das UK aus dem Fokus bewegen, als Zufall zu deklarieren, fällt uns unter
professionellen Gesichtspunkten mehr als schwer.
Vielmehr drängt sich eine klare Linie auf, die eine äußerst deftigen politischen Beigeschmack hat.
Wer stellt eigentlich die Herausforderung für die Hegemonialstellung der USA und der
dominierenden Finanzzentren dar?
Wir haben hier mehrfach thematisiert, dass China anders als die USA das deutsche Stabilitätsund
Wachstumsgesetz von 1967 verstanden hat und in einer stringenten Form umsetzt.
„Chapeau!“
Kommen wir zu den Details:
Das chinesische BIP nahm per 2. Quartal im Jahresvergleich um 9,5% zu nach zuvor 9,7% per 1.
Quartal. Die Prognose lag bei 9,4%.
Die chinesische Industrieproduktion legte per Juni im Jahresvergleich um 15,1% nach zuvor
13,3% zu. Die Prognose war bei 13,1% angesiedelt.
Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Jahresvergleich per Juni um 17,7% nach zuvor 16,9%.
Marktbeobachter hatten einen Anstieg um 17,0% unterstellt.
„Fixed Asset Investment“ verzeichnete per Juni eine Zunahme um 25,6% nach zuvor 25,8% im
Jahresvergleich.
Die Ratingagentur Moody’s hat Irlands Bonität von zuvor BAA3 auf die Stufe Ba1 und damit auf
Ramschstatus herabgestuft. Der Ausblick wurde bei negativ belassen. Wir nehmen dieses Urteil
zur Kenntnis.
• Nach unserem Kenntnisstand hat Irland bisher keine der Zusagen gegenüber IWF und
EU verfehlt.
• Laut IWF hat Irland eine Schuldentragfähigkeit von circa 250% des BIP. Die Spitze der
Verschuldung soll in den kommenden zwei Jahren im Bereich von 110% auslaufen und
dann wieder sinken.
• Irland hat die Banken rekapitalisiert. Dafür wurden 40% des BIP als neues Defizit
erforderlich. Hat sich Moody’s einmal gefragt, was bei einer späteren Privatisierung der
Banken an Staatseinnahmen zurückfließt?
• Irland hat einen produzierenden Sektor der 25% der Gesamtwirtschaft ausmacht (D
20%, USA 9%, durchschnitt Industrienationen 14%). Dieser Sektor wies ein Wachstum
in Höhe von gut 13% per 2010 aus. Er reüssiert auch jetzt weiter. Dieser Sektor ist das
Rückgrat und die Rückenmuskulatur, durch die die Problemfelder im Immobiliensektor
und Bankensektor langfristig geheilt werden.
• Irland hält eine Liquiditätsreserve von circa 30 Mrd. Euro oder circa 15% des BIP.
Uns war es wichtig der Position von Moody’s Fakten entgegenzusetzen ….
Wir „bedanken“ uns, dass durch diese „prozyklische“ Maßnahme von Moody’s der Verlauf des
Reformprogramms Irlands einmal mehr gestört wird. Denn die Folgen der Reformprogramme
gehören offensichtlich nicht in das Betrachtungsfeld der Agenturen. Diese Reformen erhöhen die
Konkurrenzfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Reformländer. Sie eröffnen erhöhtes
Potentialwachstum. Sie implizieren damit fiskalische Gesundung.
Wir sind gespannt, ob bei notwendigen Reformen in den USA auch die aktuelle Methodik der
Betrachtung greifen wird oder dann, man höre und staune, positive Erwartungswerte der
Reformen in der Bewertung der USA determinierend sein werden. Warten wir es ab … Falls die
zwingend erforderlichen Reformen in den USA nicht kommen, sind wir noch gespannter auf die
Verhaltensmuster der Agenturen.
Kommen wir damit zu den USA. Wenden wir uns der Handelsbilanz zu. Per Berichtsmonat Mai
ergab sich ein Defizit in Höhe von -50,2 Mrd. USD nach zuvor -43,6 Mrd. USD. Damit wurde das
höchste Defizit seit Oktober 2008 markiert.
Importe legten um 2,6% zu, während Exporte um 0,6% sanken. Zwei Drittel des Zuwachses des
Defizits stammen aus der Ölrechnung. Ohne die Ölrechnung kam es zu einem Anstieg des Defizits
von zuvor 31,1 Mrd. USD auf 33,3 Mrd. USD.
Nachfolgender Chart belegt die negative Tendenz der sich ausweitenden Handelsbilanzdefizite.
Dieses Thema verpassen unsere lieben Ratingagenturen. Es ist ja die positiv belegte
Konsumfreude der USA (in Südeuropa wird sie als Malus betrachtet)!
Das Defizit ist „offensichtlich“ nicht der Tatsache geschuldet, dass die USA mit einem Anteil von
nur 9% der Gesamtwirtschaft am produzierendem Gewerbe eine massive Fehlsteuerung in ihrer
Gesamtwirtschaft haben, oder?
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das nach dem Unterschreiten der Unterstützung bei
1.4050 den USD favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsfelds bei 1.4200 – 30 dreht den Bias.
Viel Erfolg!


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