Bremer Landesbank – Die griechische Kuh ist vom Eis …. – das Thema Ratingagenturen drängt …
EUR/USD eröffnet heute bei 1.3230 (07.35 Uhr), nachdem im gestrigen US-Geschäft Tiefstkurse
der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3115 markiert wurden. Der USD notiert gegenüber dem JPY
bei 93.95. EUR-JPY stellt sich in der Folge auf 124.25, während EUR-CHF bei 1.4340 oszilliert.
Weiterhin sprudeln die Mails. Vielen Dank an dieser Stelle. Das dort anzutreffende Meinungsbild
bleibt kritisch bezüglich der Griechenlandhilfen. Nur circa 30% der Mails deckt sich in wesentlichen
Zügen mit der von mir geäußerten Bewertung. Diesen Sturm ertrage ich jedoch gerne.
Zu sehr wird das Griechenlandproblem isoliert und vor allem emotional betrachtet und nicht der
systemische und konjunkturelle Zusammenhang, der auch für die aktuelle Erholung Deutschlands
von hervorgehobener Bedeutung ist, berücksichtigt.
Um so mehr freut es mich, daß die große Politik via EZB und IWF der deutschen Politik ihre
handwerklichen Fehler aufgezeigt hat und ein abruptes Umdenken bei der deutschen Regierung
forciert hat.
Indirekt hat Trichet darauf verwiesen, daß die Zuspitzung der Krise und auch die damit jetzt
auflaufenden Kosten für die südeuropäischen Länder der deutschen Position zu verdanken sind.
Mithin tragen wir eine erhebliche Verantwortung. Das Thema politische Isolierung Deutschlands ist
nach diesem Drama auf der Agenda.
Ich halte unverändert an der Sichtweise fest, daß ein klares Bekenntnis pro Griechenland per März
die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands erhalten hätte und das jetzige Interventionsvolumen nicht
notwendig gewesen wäre.
Das aktuelle Hilfspaket ist als umfassend zu bewerten. Es lautet: Keine weiteren Experimente!
Man nimmt Griechenland in der Refinanzierung der nächsten drei Jahre vom Kapitalmarkt. Ja,
Frau Merkel, das ist teurer als ein Schwur im März und es ist auch teurer als die zuvor in Rede
stehenden gut 8 Mrd. Euro Kredit. Nicht nur im Osten kennt man ja den Ausspruch: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben ….
Mithin können jetzt die stringenten Restrukturierungsmaßnahmen für Griechenland umgesetzt
werden. Strauss-Kahn hat darauf verwiesen, daß der IWF bei derartigen Krediten noch nie Geld
verloren hätte. Das sollte die nörgelnden Deutschen, die gerne allzu schwarz sehen, ein wenig
beruhigen. Man ist gut beraten, extreme Negativszenarien nicht linear zu extrapolieren. Diese
Übung endet regelmäßig in Fehlprognosen.
Standard & Poors hat vorgestern Griechenland zu „Junk“ degradiert und Portugal um zwei Stufen
herabgesetzt. Spanien wurde gestern um eine Stufe in der Bonität reduziert.
Mit anderen Worten werden von einer der weltweit führenden Ratingagenturen derzeit die Länder
abgestraft, die das Defizitproblem adressieren. Das gilt für Griechenland. Es gilt für Portugal, das
gestern neben den ohnehin geplanten Reformen angekündigt hat, zukünftige Reformschritte in
das laufende Jahr vorzuziehen und es gilt auch für Spanien.
Damit wird in diesen Ländern der Preis, der für die Reformen gezahlt werden muß, erhöht. Die
aktuelle neue Einstufung läßt sich natürlich trefflich über die Risikospreads begründen, für die
Madame „Non“ in der jüngsten Zeit Verantwortung trägt. Ist es aber sinnvoll, Ratings an
kurzfristigem Marktbefinden zu orientieren?
Sollten Ratingagenturen nicht antizipierend ihre Urteile und Bewertungen treffen?
Hätten sie nicht vor zwölf Monaten die Bewertung aller wesentlichen Industrienationen vor dem
Hintergrund des Einbruchs der Weltkonjunktur herabsetzen müssen?
Wieso werden jetzt in der Erholung nur die Länder abgestraft, die nachhaltige Reformpolitik
betreiben?
Und noch viel entscheidender ist die Frage, wieso werden die USA und Großbritannien verschont?
In beiden Ländern wird das Thema Defizitreduzierung gar nicht erst thematisiert! Im Gegenteil!
Herr Obama hat bis 2020 eine Fortsetzung der aggressiven Verschuldungspolitik angekündigt und
die USA werden Ende 2010 bei circa 94% Verschuldung im Verhältnis zum BIP stehen. Hat
Standard & Poors einen „Homebias“? Das Verhalten von S&P hat einen strengen politischen
Geruch!
Ich stimme nicht allzu häufig mit den Konklusionen von Herrn Bofinger überein. An dieser Stelle ist
es aber wesentlich Zustimmung zu liefern. Die Macht der obwaltenden Ratingagenturen ist zu
groß. Es gilt diese Macht nachhaltig zu beschneiden!
Es gilt aber auch, daß wir in Europa ein verstärktes Selbstbewußtsein am Finanzmarkt entwickeln
müssen, um uns von denen distanzieren zu können, die in den letzten 10 Jahren systemisch
keinen Nutzen schafften, sondern Schaden produzierten.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR nach den jüngsten Ankündigungen zum
Hilfspaket für Griechenland favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.3080 –
1.3110 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Viel Erfolg!