Bremer Landesbank – Euro weiter freundlich – Staatsdefizitthema breiter aufgestellt
Der Euro eröffnet heute bei 1.3710 (07.30 Uhr), nachdem im europäischen Handel Höchstkurse
der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3758 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem
JPY auf 82.65. In der Folge notiert EUR-JPY bei 113.35 , während EUR-CHF bei 1.2960 oszilliert.
Der IWF hat seinen Report über die globale Verschuldungssituation vorgestellt. Europa steht bei
der Mittelaufnahme in Konkurrenz zu einem Volumen in Höhe von 5 Billionen USD seitens anderer
Industrienationen und Schwellenländer.
Das klingt erst einmal wie eine recht sportliche Herausforderung. Die Voraussetzungen, sich aus
europäischer Sicht erfolgreich mit anderen Staaten am Kapitalmarkt zu messen, sind ausgeprägt
im Hinblick auf die Tatsache, dass sich erkennbare Erfolge in der Restrukturierung in der
Eurozone im Gegensatz zu den USA und Japan ergeben.
Europa muss nicht ansatzweise verzagen und den Verhaltensmodus „Panik“ wählen, der 2010 in
Europa diesbezüglich bei den Finanzprofis und Experten grassierte.
Es ist schon bedauerlich, wie wenig Selbstachtung bei den Finanzprofis in Europa herrschte.
Unsere Position in diesem Format erfreute sich nicht wirklich nachhaltiger Unterstützung. Einmal
mehr folgte man dem „Market Spin“ aus London und New York, wie bereits bei der „Cash Burn
Rate“ in der neuen Marktkrise und der „Immobilien Burn Rate“ per 2006-2008. Auch zu dieser Zeit,
war unsere kritische Haltung nicht „en vogue“.
Ist dieser Mangel an Lernkurven Ausdruck einer masochistischen Grundhaltung dieses Klientel in
Europa oder lediglich Ausdruck eines oberflächlichen Opportunismus im Rahmen einer „Buddy-
Gesellschaft“? Für Antworten unserer Leserschaft sind wir dankbar.
Der IWF zeigt sich bezüglich der fiskalischen Position Brasiliens, Indiens und Chinas besorgt. Das
verwundert uns ein Stück. Sind die Verschuldungsdaten dieser Länder doch erfrischend niedrig.
China liegt bei circa 22% und Brasilien knapp über 40%. Wir nehmen das irritiert zur Kenntnis und
diskutieren intern den Begriff „Market Spin“.
Große europäischen Nationen werden 2011 laut IWF Defizite weiter reduzieren. Richtig, wir liegen
im Vergleich der Industrienationen vorne im Kampf um Zukunftsfähigkeit und
Generationengerechtigkeit. Spanien sei dabei am erfolgreichsten. Da widersprechen wir nicht
ansatzweise und senden eine freundliches „Ole“ nach Madrid.
Es sei von erheblicher Bedeutung, dass sowohl die USA als auch Japan der Kulisse der
internationalen Investoren Pläne vorstellen, wie sie mittelfristig eine Reduktion der Defizite
erreichen wollen. Das ist schon recht bescheiden vom IWF, dass nur Pläne eingefordert werden.
Sinnvoller wäre, dass zügigst Maßnahmen getroffen werden, das Fiskaldilemma sowohl in Japan
als auch in den USA zu adressieren.
Fassen wir zusammen, Europa ist das Vorzeigemodell in der Restrukturierung. Zuversicht auf
erfolgreiche Refinanzierungen bei den unverändert (zu) hohen Spreads (im Gegensatz zu den
USA und Japan) ist mehr als angemessen!
Wenden wir uns Japan zu:
Gestern wurde das Rating Japans von S&P für den Finanzmarkt überraschend von zuvor AA auf
AA- herabgestuft. Japan erhält damit die drittbeste Benotung. Gestern kam es zur ersten
Anpassung der Bewertung seit 2002. Ein Aspekt der Herabstufung sei die Tatsache, dass es
keinen glaubwürdigen Plan zur Schuldenreduktion gibt.
Derzeit liegt die Staatsverschuldung Japans bei circa 220% des BIP. Das ist der eine Elefant im
Porzellanladen. Dabei ist das Infektionsrisiko für die Weltwirtschaft jedoch gering, da nur 5% der
Staatsanleihen von ausländischen Gläubigern gehalten werden. Falls es zu einem Unfall kommt,
wird es sich bei Japan diesbezüglich tendenziell um eine Implosion und nicht um eine Explosion
handeln.
Wenden wir uns den gestrigen Veröffentlichungen zu:
Der europäische „Economic Sentiment Index“ sank unwesentlich von zuvor 106,6 auf 106,5
Punkte. Der Vormonatswert wurde von106,2 auf 106,6 Punkte revidiert. Die Prognose lag bei
107.0 Zählern.
Ein Blick auf die weiteren Indikatoren macht Sinn.
• Das „Consumer Sentiment“ verharrte bei -11.
• Das „Industrial Sentiment“ legte von 4 auf 6 Zähler zu.
• Das „Service Sentiment“ sank von 10 auf 9 Punkte.
• Der „Business Climate“ Index legte deutlich und unerwartet von 1,38 (revidiert von 1,31)
auf 1,58 Punkte zu (sieh nachfolgender Chart).
Der Chart des „Business Climate“ ist besonders aussagefähig. Das aktuelle Niveau bewegt sich
deutlich oberhalb des Hochpunktes 2007, der bei 1,41 per April 2007 markiert wurden.
Bedenkt man, dass diese Bewertung trotz der Reformen in Spanien, Portugal, Irland und
Griechenland zustande kommt, sollte das die Euroskeptiker mental in Unruhe und Bewegung
versetzen.
Goolsbee (Weißes Haus) sagte, dass die US-Wirtschaft das neue Jahr 2011 mit mehr Dynamik
beginnen. Die Wachstumsprognosen privater Anbieter seien für die USA nach oben angepasst
worden. Wir sind auch in diesem Lager.
Der Datenpotpourri aus den USA war gestern durchwachsen:
• Die Arbeitslosenerstanträge per 22.1. legten unerwartet von 403.000 auf 454.000 zu. die
Prognose lag bei 405.000. Diese Datenreihe ist volatil, das Ergebnis ist fraglos
enttäuschend.
• Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftgüter sanken unerwartet um -2,5%. Die
Prognose war bei +1,5% angesiedelt. Die leichte Revision des Vormonatswerts von
-0,3% auf -0,1% konnte das negative Bild nicht drehen. Entscheidend für den Rückgang
war der Transportsektor. Ohne diesen Sektor kam es zu einem Anstieg um 0,5% im
Monatsvergleich.
• Der „Chicago Fed National Activity Index” legte deutlich per Dezember von zuvor -0,40
(revidiert von -0,46) auf +0,03 zu. Dieser Index, der aus 85 Einzelindikatoren der USWirtschaft
komponiert ist, darf damit als Beleg der Belebung interpretiert werden.
• Der Index der anhängigen Hausverkäufe setzte per Dezember einen nachhaltigen
positiven Akzent mit einem Anstieg von zuvor 91,8 auf 93,7 Punkte.
Die negativen Entwicklungen nehmen wir zur Kenntnis. Das Gesamtbild bleibt vor dem
Hintergrund der sehr guten Entwicklung der Weltwirtschaft für die USA unter konjunkturellen
Gesichtspunkten positiv ausgeprägt.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein
Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.3210 – 1.3240 neutralisiert den positiven Bias.
Viel Erfolg!