Bremer Landesbank – US-Handelsbilanz enttäuschend – China verunsichert Märkte!
Der Euro eröffnet (07.30 Uhr) bei 1.4495, nachdem heute im asiatischen Handel Tiefstkurse der
letzten 24 Handelsstunden bei 1.4458 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY
auf 91.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.05, während EUR-CHF bei 1.4755 oszilliert.
Die chinesische Zentralbank hat gestern den Mindestreservesatz von zuvor 15,5% auf 16,0%
angehoben.
Der Blick auf den Chart verdeutlicht, daß es sich nicht um eine aggressive Gangart der PBoC
handelt, sondern um eine sachlich angemessene Anpassung hinsichtlich des Tempos der
gesamtwirtschaftlichen Expansion Chinas, die per 4. Quartal 2009 voraussichtlich bei circa 10% im
Jahresvergleich lag.
Sowohl die Schritte der PboC, bei Geldmarktpapieren den Zins um 5 Basispunkte zu erhöhen als
auch die gestrige Entscheidung, den Mindestreservesatz von 15,5% auf 16,0 anzupassen, haben
zu Nervosität und Skepsis ob der Erholung an den Märkten und in der Konjunktur beigetragen.
Fakt ist, daß die unspektakulären Maßnahmen der PBoC Ausdruck der Stärke der chinesischen Wirtschaft sind.
Es geht der PboC darum, kontraproduktive Übertreibungen in der Kreditvergabe, aber
auch zu große Spielfreude an den Aktien- und Immobilienmärkten und damit
Fehlallokationen des Produktionsfaktors Kapital zeitig und nicht abrupt zu verhindern,
um Nachhaltigkeit der Expansion zu gewährleisten. Es geht definitiv nicht darum,
Chinas Wirtschaft abzuwürgen.
Zins- und geldpolitische Maßnahmen als Reaktion auf Stärke der Wirtschaft in der
Interpretation der internationalen Finanzmärkte zu mißbrauchen, um Skepsis ob der
globalen Erholung zu schüren oder zu leben, erscheint Ausfluß einer nicht
unerheblichen „Hysterie“ oder aber nachhaltigen ökonomischen Unverständnisses zu
sein.
Wir nehmen die Verunsicherung an den Märkten zur Kenntnis und erfreuen uns nicht nur an
positiven Konjunkturdaten aus China, nein, wir verweisen auf das höchste Wachstum der
Industrieproduktion in Indien seit 25 Monaten per November 2009 mit 11,3% im Jahresvergleich.
Die Daten aus den USA lieferten gestern Bestätigung für unsere Sichtweise, daß weder die USKonjunktur
schneller wachsen wird als andere industrialisierte Länder noch die Fed als erste
Zentralbank der im G-3 Verbund aggressiv Zinsen erhöhen wird.
Wenden wir uns den Fakten zu:
• Der „ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index” sank in der Berichtswoche
unerwartet deutlich von zuvor -41 auf -47 Punkte. Der Chart belegt eine Stimmungslage,
die historisch betrachtet eine Bodenbildung auf historisch niedrigem Niveau beschreibt.
• Das Vertrauen kleiner Unternehmen sank in den USA laut der „National Federation of
Independent Business“ in Washington per November von zuvor 88,3 auf 88,0 Punkte
und markierte damit den niedrigsten Stand seit fünf Monaten.
• Die US-Handelsbilanz lieferte uns gestern per November ein unerwartet hohes Defizit in
Höhe von -36,4 Mrd. USD. Die Konsensusprognose war bei -34,8 Mrd. USD
angesiedelt. Der Vormonatswert wurde von -32,9 auf -33,2 Mrd. USD revidiert. Sowohl
Importe (+2,6%) als auch Exporte (+0,6%) legten zu. Daran wird insgesamt die
zunehmende wirtschaftliche Aktivität in den USA deutlich. Fakt ist aber auch, daß seit
dem Tiefpunkt der Defizite im Mai 2009 bei „nur“ -25,8 Mrd. USD Importe ausgehend
von einer höheren Basis bei 149,3 Mrd. USD einen Zuwachs um 16,9% zu verzeichnen
hatten, während Exporte von einer geringern Basis bei 123,5 Mrd. USD lediglich um
11,9% zulegten. Hier wird die Qualität des strukturellen Defizits nachhaltig deutlich.
Zum Abschluß erlauben wir uns, noch einmal Herrn Fisher von der Fed zu Wort kommen zu
lassen. Fed Präsident Fisher betonte, daß die USA vor diversen Herausforderungen stehen, unter
anderem zögerliche Kreditvergabe und weiter zunehmende Budgetdefizite, um nachhaltiges
Wachstum zu implementieren. Die Wirtschaft liefere aktuell gerade einmal eine „lauwarme“
Expansion. Dem stimmen wir zu!
Bezüglich des „Beige Book“ erwarten wir keine neuen Erkenntnisse aus den Reports der
regionalen Feds über die Konjunkturlage. Hinsichtlich des Federal Budgets sehen wir die
Fortsetzung der Fortsetzung des Defizitwachstums. Wir werden uns morgen dezidiert mit der
Gemengelage beschäftigen.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein
nachhaltiges Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.4370-00 dreht den Bias des Euros
auf „Neutral“.
Viel Erfolg!