Erst Bremer Landesbank – Bosomworth, jetzt Stiglitz – Bremer LB und IWF bei Griechenland in einem Boot
Der Euro eröffnet heute bei 1.2710 (07.35 Uhr), nachdem im heutigen asiatischen Handel die
Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.2677 markiert wurden. Der USD stellt sich
gegenüber dem JPY auf 83.45. In der Folge notiert EUR-JPY bei 106.10 während EUR-CHF bei
1.2825 oszilliert.
Es ist immer wieder erstaunlich, was einige Zeitgenossen aus der Zauberkiste „dummer Ideen“
hervorholen, um damit Zeitgeist, mindestens aber Marktideologie zu prägen.
Erinnern Sie sich an die Phase in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als die USA im Washingtoner
Budget (nie in der verfassungskonformen Darstellung) Haushaltsüberschüsse in der Clinton
Präsidentschaft hatten? Seinerzeit wurden uns in „Old Europe“ die Leviten gelesen, daß wir keine
Ahnung hätten und nicht unsere Hausaufgaben machten. Die USA glänzten ob dieser
Entwicklung!
Aktuell gibt es nur zwei Länder, die nicht ihre Hausaufgaben in der Haushaltspolitik machen, die
USA und Japan. In beiden Ländern delektiert man sich an dem Honig der „Finanzkosmetik, ohne
auch nur den Begriff Reform in Ansätzen zu strapazieren. Die halbtoten Geschäftsmodelle werden
weiter geritten, die Pferde werden gedopt! Defizite sind dazu gerade das rechte Mittel. Der aktuelle
Stand per 03.09.2010 in den USA liegt im am 30. September endenden Fiskaljahr per gestern bei
mehr als 1.525 Mrd. USD oder circa 10,5% des BIP:
Nachdem uns in Europa in der zweiten Hälfte der 90er Jahre bezüglich mangelnder
Haushaltskonsolidierung von den vermeintlichen Eliten der USA die Leviten gelesen wurden,
ergibt sich jetzt erneut eine Lektion, die Europa erteilt wird, aber mit exakt umgekehrten
Vorzeichen.
Hier ergibt sich also ein markanter Bruch der Sichtweise. Da nun verantwortungsloser
Neuverschuldung das Wort geredet wird, nehmen wir diese Einlassungen als Versuch eines
Medienspins wahr.
Herr Stiglitz , Nobelpreisträger, behauptet, daß Europa mit der Sparpolitik eine falsche Richtung
eingeschlagen hätte. Wenn wir weiter Sparanstrengungen vornehmen würden, hätte das
systemische Folgen für ganz Europa. Der Fall Irland würde beweisen, daß Sparprogramme kein
neues Vertrauen des Marktes begründen würden.
Hoppla, Herr Stiglitz. Die Bewertung der CDS Irlands sind Spielball von zum größten Teil
Spekulanten mit New Yorker oder Londoner Hintergrund. Sie Schlingel , das müßten Sie doch
gerade wissen! So weit zur aktuellen Bewertung Irlands.
Wenn Sie, Herr Stiglitz, davon sprechen, daß die Sparpolitik Europas systemische Konsequenzen
hätte, widerspreche ich Ihnen nicht. Sie hat positive systemische Konsequenzen. Eine fortgesetzte
Politik der weiteren aggressiven Verschuldung hätte negative Konsequenzen, da sie das
Potentialwachstum gefährden würde. Das müßte doch selbst ein Gewinner des Nobelpreises
kognitiv erfassen können, oder?
Der Eindruck entsteht, daß die vermeintlichen Eliten der USA eine nicht unmaßgebliche
Beliebigkeit der Argumentation pflegen, die darauf abzielt, selbst unverantwortliches finanzielles
Gebaren der USA über „Medienspin“ rein zu waschen und damit frei von Marktkonsequenzen zu
stellen.
Gestern Bosomworth von PIMCO, heute Herr Stiglitz. Wer wird uns wohl morgen präsentiert? Die
Flut dieser angreifbaren Statements impliziert, daß es derzeit wohl gute Gründe gibt, von der
Situation in den USA abzulenken. „Food for thought!“
Es ist höchste Zeit, daß wir uns in der Eurozone nicht weiter von diesen Spindoktoren vorführen
lassen und wieder Selbstbewußtsein entwickeln und damit unsere Interessen nicht im „Outlet-
Store“ der US-Interessen verscherbeln!
Wenden wir uns dem IWF zu. es kommt nicht häufig vor, daß wir in diesem Team auf vollste
Übereinstimmung mit dem IWF verweisen können.
Zunächst möchten wir Ihnen einen Chart des IWF präsentieren. Es wird eine Prognose des
voraussichtlichen Staatsdefizits per 2015 in hellblau abgebildet. In Dunkelblau ist das nach
Berechnung des IWF mögliche maximale Potential der Staatsverschuldung dargelegt. Diese
Darstellung steht in einem diametralen Widerspruch zu den Einlassungen von Herrn Bosomworth
von Pimco. Es wird deutlich, daß Griechenland bei derzeit circa 120% Staatsverschuldung und
voraussichtlich 160% per 2015 nicht am Ende der Möglichkeiten steht. Nach unserer Ansicht
sollten die Reformen bis dahin so viel Traktion entwickeln, den Trend schon vor 2015 zu drehen!
Die Daten zu Irland und Spanien bedürfen keiner weiteren Kommentierung. Die Finanzluft ist da,
um die Reformen umzusetzen. Das Thema Staatsbankrott ist absurd! Wir haben jeden Grund in
Europa auf diese Reformen stolz zu sein.
Wir sollten uns auf keinen Fall diese Politik ausreden lassen und noch weniger sollten wir der
Spekulation aus London und New York den Raum geben, diese Reformen über Angriffe auf die
Eurozone zu unterminieren.
Fakt ist, daß wir mit diesen harten Reformen Zukunft für die kommende Generation Europas
schaffen. Jede andere Verhaltensweise wäre schlicht weg und ergreifend verantwortungslos!
Nicht nur dieser Chart des IWF ist bezüglich des Themas Staatsdefizite eine wahre Freude.
Vielmehr gibt es noch eine „IMF Staff Position Note“ vom 1. September 2010 mit dem Titel
„Defaullt in Today’s Advanced Economies: Unnecessary, Undesirable, and Unlikely”
Wir fügen dieses Papier als zusätzliche PDF-Datei bei und empfehlen die Lektüre wärmstens, um
gegenüber den Freunden aus London und New York angemessen gewappnet zu sein!
Gestern enttäuschte der Auftragseingang der deutschen Industrie per Berichtsmonat Juli. Die
Erwartungen einer Zunahme um 0,5% im Monatsvergleich konnten nicht erfüllt werden. Es kam zu
einem Rückgang um -2,2%.
Hintergrund waren Volatilitäten bei Großaufträgen. Der Vormonatswert wurde von +3,2% auf
+3,6% nach oben revidiert. Der Blick auf das Zweimonatsergebnis erscheint bezüglich des
Themas Großaufträge Sinn stiftender zu sein.
Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 17,6% nach zuvor 24,5%. In den kommenden
Monaten werden die Ergebnisse im Jahresvergleich in der Tendenz bezüglich der Basiseffekte
(Vorjahresstand/Krisenerholung) deutlich rückläufig sein.
Der Blick auf den Chart verdeutlicht, daß in dieser Zahlenreihe Volatilitäten häufiger vorkommen.
Diesbezüglich ist eine Glättung auf Zweimonatssicht eine Ziel gerichtete Methode, um das Thema
volatile Großaufträge zu nivellieren oder zu neutralisieren.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein
nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützung bei 1.2580 – 1.2610 negiert den positiven Bias .
Viel Erfolg!