EXPERTEN

11:24 | 28.11.2011
Helaba – Marktkommentar Aktien: Aktienmärke vor einer Erholungsbewegung

Indikation Unterstützungen Widerstände Handelsbreite
DAX 5.575 5.424 / 5.347 5.610 / 5.680 5.480 / 5.680
EuroStoxx 50 2.120 2.092 / 2.050 2.180 / 2.211 2.070 / 2.190

Aussicht auf ein 600 Mrd. Euro schweres IWF-Hilfspaket für Italien hilft

Die neue Woche wird wohl erneut dominiert von der EWU-Schuldenkrise. Die Diskussion dreht sich immer mehr um die endgültige politische Antwort auf die Krise. Marktteilnehmer werden unseres Erachtens halbherzige Lösungsansätze kaum noch goutieren. Der große Wurf allerdings – im Sinne einer vollständigen Fiskalunion, inklusive der Übertragung von Steuerheberechten – dürfte in Kürze aber nicht zu bewerkstelligen sein. Und ob und wann die EZB bereit ist, ihr Engagement zu erhöhen, ist noch völlig offen. Fazit: Die unsicheren Tage sind noch nicht vorüber.
Datenseitig richtet sich das Interesse vermehrt in die USA. Zunächst liefern regionale Stimmungsumfragen nochmals Hinweise auf den nationalen Einkaufsmanagerindex (ISM). Bisherige Indikationen deuten eine leichte Stimmungsverbesserung an. Sollte dies vor allem vom Chicago-PMI bestätigt werden, bestehen gute Chancen, dass sich der ISM-Index oberhalb der 50er Marke halten kann. Aktuell bezweifeln wir, dass Konjunkturdaten nachhaltigen Einfluss auf das Marktgeschehen haben oder sogar zu einer Beruhigung führen. Neben der Industriestimmung in den USA ist insbesondere der Arbeitsmarktbericht von Interesse. Zuletzt waren die US-Daten von relativer Robustheit geprägt und die Tatsache, dass sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosehilfe unterhalb der 400Tsd.-Marke festzusetzen scheint, spricht für einen anhaltenden, wenngleich moderaten Beschäftigungsaufbau. Einen wichtigen Hinweis auf die am Freitag anstehenden, offiziellen Stellenzuwächse liefert der ADP-Report. Auch bei diesem werden etwas mehr als 100 Tsd. neugeschaffene Stellen erwartet. In Europa stehen die endgültigen Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes an. Wesentlich verändern wird sich das Bild gegenüber den Vorabschätzungen nicht und die Konjunktursorgen bleiben erhalten. Beachtet werden darüber hinaus die vorläufigen Inflationsdaten der Eurozone und auch die Geldmengenentwicklungen. An dieser Stelle wollen wir noch einmal auf den Vorlauf der M1-Wachtsumsrate der Eurozone zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hinweisen. In den letzten Monaten, so scheint es, hat die M1-Entwicklung einen Boden ausgebildet. Wegen des Vorlaufs von gut 3 Quartalen deutet sich somit zaghaft eine Wende zum Besseren zur Jahresmitte 2012 an.
Aktienmarkt:
Der DAX hat eine „schwarze“ Woche hinter sich gebracht und am Freitag gelang es zunächst nur mühsam die Kursniveaus des Vortags zu halten. Erst am Nachmittag setzte eine kleine Erholung ein, wodurch die seit neun Tagen andauernde Verluststrecke (die zweitlängste in der Geschichte) unterbrochen wurde. Konkretisierungen im Hinblick auf den Rettungsfonds ESM und ein anfänglich positiver Trend an der Wall Street, verbunden mit einer technischen Reaktion, verhalfen dem deutschen Leitindex zu einem moderaten Kursplus. Angesichts freundlicher Vorgaben wird sich die Erholung heute weiter fortsetzen. Im weiteren Wochenverlauf wird die Entwicklung an den Aktienmärkten auch wieder stark von den Geschehnissen der Anleihemärkte abhängen. Für eine Entspannung – vor allem bei den Italien-Bonds – könnte der IWF sorgen. Wie es hieß, plant der IWF ein Hilfspaket für das angeschlagene Land mit einem Volumen von 600 Mrd. Euro. Im Gespräch seien Zahlungen der EZB an den IWF. Die Zinsen für eine Laufzeit von 18 Monaten sollen zwischen vier und sechs Prozent liegen (bei der letzten Auktion für zweijährige Papiere musste Italien noch 7,8 % Rendite bezahlen), was eine deutliche Entspannung nach sich ziehen sollte. Weniger gut werden hingegen die Äußerungen von Moody’s ankommen. Die Ratingagentur geht davon aus, dass die Eskalation der europäischen Schuldenkrise die Bonität aller europäischen Länder gefährdet. Mit dem Tagestief von 5.366 Zählern hat sich der Dax am Freitag nahezu idealtypisch der Kurszielmarke von 5.347 Punkten angenähert. Der „Abprall“ an dieser Marke und die heute zu erwartenden Kursgewinne sorgen für eine temporäre Entspannung des sehr angeschlagenen Chartbildes des Dax. Die erste relevante Widerstandsmarke lässt sich bei 5.610 Punkten definieren. Aber weiterhin gilt, dass Erholungsbewegungen innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends nicht geeignet sind, mittel- bis langfristige Long-Positionen aufzubauen.


Weitere Meldungen
01.10.2010 Helaba – Marktkommentar Aktien: Dax mit einer deutlichen „Fahrstuhlbewegung“
08.02.2010 Helaba – Marktkommentar Aktien: Aktienmärkte vor einer Erholungsbewegung
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