EXPERTEN

9:07 | 19.06.2008
Helaba – Marktkommentar Aktien: Schwache Unternehmensdaten belasten

Indikation Handelsbreite
Dax 6.695 6.630 / 6.750
Euro Stoxx 50 3.492 3.460/ 3.550

Die US-Börsen zeigten sich gestern erneut in schwacher Verfassung. Zwischenzeitlich rutschte der Blue-Chip-Index Dow Jones Industrials sogar erstmals seit März wieder unter die Marke von 12.000 Punkten. Schwache Zahlen von FedEx und der mit Enttäuschung aufgenommene Zwischenbericht von Morgan Stanley sorgten für Abgabedruck. Das Thema Finanzkrise bleibt damit weiterhin weit oben auf der Agenda. Heute steht mit dem Philadelphia-Fed-Index ein weiterer Konjunkturindikator für den Monat Juni auf der Agenda, der ein Stimmungsbild der US-Industrie liefern wird. Nachdem dieser Index bereits in den vergangenen Monaten ein vergleichsweise niedriges Niveau erreicht hatte, ist durchaus mit einer leichten Erholung zu rechnen. Dagegen dürfte der Index der Frühindikatoren für den Monat Mai im Wesentlichen auf Vormonatsniveau verharren. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass die Daten die derzeit ausgesprochen eingetrübte Stimmung am Aktienmarkt aufhellen werden. Gleichwohl sollte der bereits ausgesprochen ausgeprägte Pessimismus verhindern, dass es zu größeren Enttäuschungen kommt. So zeigt die jüngste Umfrage unter internationalen Fondsmanagern von Merrill Lynch, dass die Stimmung am Aktienmarkt inzwischen ein Dekadentief erreicht hat. Im Sinne der Kontraindikation lässt dies zwar auf eine nahende Kurserholung hoffen. Angesichts des bevorstehenden großen Verfalltermins am Freitag ist kurzfristig kaum mit einer Trendwende zu rechnen.

Der schwache Handelsstart in den USA hat an einem ohnehin von Kaufzurückhaltung geprägten Handelstag die Kursentwicklung zusätzlich belastet. Für den DAX ging es auf breiter Front bergab: 27 DAX-Werte hatten zum Teil deutliche Abschläge hinzunehmen. Zu den größten Verlierern zählten dabei Aktien der Deutschen Post, die einen Rückgang von 3,03 % zu verbuchen hatten. Verantwortlich hierfür waren der schwache Zwischenbericht und der pessimistische Ausblick des US-Konkurrenten FedEx. Generell standen zyklische Werte und Finanztitel unter erhöhtem Abgabedruck. Gegen den Trend zulegen konnten dagegen die Versorgerwerte E.ON (+1.15 %) und RWE (+0,75 %). Neben positiven Analystenkommentaren aufgrund angehobener Strompreisprognosen profitierten Versorger von ihrem defensiven Charakter in einem von großer Unsicherheit geprägten Marktumfeld. Angesichts der an den Märkten vorherrschenden Stagflationsängste ist unter den Anlegern dies- und jenseits des Atlantiks eine ausgeprägte Risikoscheu festzustellen. Derzeit gilt das Motto: Cash is king – die Anleger halten ihr Pulver trocken. Mittelfristig ist zwar durchaus davon auszugehen, dass ein Teil dieser Barreserven wieder in den Aktienmarkt zurückfließen wird, zumal eine Reihe von Aktien auf dem gegenwärtigen Niveau durchaus attraktive Bewertungsrelationen aufweisen. Kurzfristig macht die sichtlich angeschlagene technische Verfassung jedoch noch wenig Hoffnung auf eine baldige Kurserholung. Die Indikation für den DAX zur Handelseröffnung bewegt sich bei rund 6.695 Punkten. Nachdem heute ausschließlich US-Daten anstehen, werden die europäischen Aktienmärkte bis zur Veröffentlichung der US-Zahlen ohne fundamentale Impulse auskommen müssen.


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