HSBC T&B – Deutsche Industrie stabilisiert sich in 2012
In der aktuellen Woche dürfte deutlich werden, wie sich die deutsche Industrie zum Jahresende
2011 hin geschlagen hat. Noch im November kam es hier zu großer Unsicherheit,
weil die Neuaufträge wegzubrechen schienen: So mussten im Betrachtungsmonat 4,8 %
weniger Orders hingenommen werden als im Vormonat. Grund war vor allem das Ausland:
Die Nachfrage aus Ländern außerhalb der Eurozone gab um satte 10,3 % nach. Mit
Blick auf die Sentimenterhebungen, die sich zuletzt wieder verbessert haben – der Einkaufsmanagerindex
für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland konnte jüngst sogar
wieder zurück in den Expansionsbereich kehren – hat sich die Auftragslage zum Jahresende
hin wohl nicht weiter verschärft. Wir rechnen mit einem soliden Monatsplus von
1,8 %. Die Produktion dürfte im Dezember allerdings nicht weiter gesteigert worden sein.
Zwar spielte das bis dahin ungewöhnlich milde Winterwetter den Bauunternehmen wohl
in die Hände. Ernüchterung bringt allerdings der Blick auf die Zahlen des Verbands der
Automobilindustrie (VDA), laut dem die PKW-Produktion Ende 2011 um satte 20 % gg.
Vm. eingebrochen ist. Wir rechnen deshalb für die Gesamtproduktion mit einem Minus
von 0,4 % gg. Vm. (Dienstag). In den kommenden Monaten sollte sich der Output aber
wieder moderat erholen können, auch weil die jüngsten ifo Exporterwartungen wieder auf
eine moderate Belebung der Auslandsnachfrage hinweisen. Dies ist auch Grund dafür,
warum der Handelsbilanzüberschuss nicht gänzlich kollabieren dürfte. Wir rechnen mit
einem Dezemberüberschuss von 11 Mrd. EUR (Mittwoch).
Die australische Notenbank dürfte in der Nacht zu Dienstag der nachlassenden heimischen
Beschäftigung entgegenwirken und den Leitzins um 25 BP auf 4,00 % senken, wenngleich
die Entscheidung wohl knapp ausfällt. Spielraum dafür besteht: Die Teuerung befand
sich im 2. Halbjahr 2011 mit 2,6 % komfortabel im Bereich des Inflationsziels der
RBA von 2 % – 3 %. Notenbankseitig dürfte der Fokus diese Woche allerdings verstärkt
auf dem Treffen des geldpolitischen Ausschusses der EZB und der Bank of England (beides
Donnerstag) liegen. Letztere wird wohl ihr Staatsanleihenkaufprogramm ausweiten.