EXPERTEN

10:40 | 13.01.2012
HSBC T&B – EZB: Alles kann, nichts muss

Die beiden Notenbanksitzungen dies- und jenseits des Ärmelkanals hielten kaum Überraschungen parat.
Weder die Bank of England noch die EZB änderten die geldpolitischen Rahmenbedingungen: Beide
ließen das Leitzinsniveau unverändert bei 0,50 % bzw. 1,00 %. In Großbritannien dürfte das anvisierte
Volumen der Staatsanleihenkäufe von 275 Mrd. GBP per Anfang Februar ausgeschöpft sein. Im Oktober
2011 hatten die Währungshüter den Umfang der Gilt-Käufe um 75 Mrd. GBP aufgestockt und einen
Kaufzeitraum von vier Monaten angenommen. Aufgrund der eingetrübten Konjunkturperspektiven wird
die Bank of England im kommenden Monat wohl den Erwerb weiterer Anleihen ankündigen. In einem
ersten Schritt rechnen wir mit einem zusätzlichen Kaufvolumen von 75 Mrd. GBP – im Jahresverlauf
dürften die Anleihenkäufe einen Gesamtumfang von 425 Mrd. GBP erreichen.
Die EZB hält sich alle Optionen für einen erneuten geldpolitischen Impuls offen, ließ auf der Pressekonferenz
zur Ratsentscheidung aber klare Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Zinsschritt
vermissen. Demnach sei diesmal nicht über eine Leitzinssenkung diskutiert worden. Trotz der jüngsten
Stabilisierungstendenzen bei den Sentimentindikatoren liegen jedoch die die konjunkturellen Risiken für
die Währungshüter deutlich auf der Unterseite. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob die zuletzt
verbesserten Umfragewerte bei den Unternehmen und den privaten Haushalten eine Bestätigung
erfahren oder sich das Ganze als „Schwalbe im Winter“ entpuppt. Vor allem die weitere Entwicklung in
Griechenland wird mitentscheidend dafür sein, ob und wie stark sich die EZB auf weitere Zinssenkungen
einlässt. Per Saldo rechnen wir bis März weiterhin noch mit einer Reduzierung des Leitzinses im Umfang
von insgesamt 50 BP, allerdings könnte sich dieses Szenario auf der Zeitachse nach hinten verschieben.
Der Euro konnte – auch vor dem Hintergrund erfolgreicher Anleihen-Auktionen in Italien und Spanien –
zum US-Dollar zulegen und notiert aktuell wieder deutlich über der Marke von 1,28 USD.


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