HSBC T&B – EZB-Zinssenkung nur eine Frage der Zeit
Im Fokus steht heute die Sitzung der EZB, auf der erstmals unter der Führung des neuen
Präsidenten Mario Draghi über die weitere Ausrichtung der Geldpolitik entschieden wird.
Draghi hatte jüngst die Konjunkturrisiken betont. Letztere wurden durch die gestrige Veröffentlichung
des Composite PMI für die Eurozone unterstrichen, der im Oktober auf 47,4
Punkte nachgab und damit eine Kontraktion der Wirtschaft anzeigt. Die Lage bei den Auftragseingängen
(45,4 Punkte) ist sogar noch düsterer. Alleine ein Blick auf diese Umfrage
wäre Grund genug, die Leitzinsen zu reduzieren. Ein Problem bei diesem Unterfangen
könnte die Inflation sein, die im Oktober überraschenderweise nicht nachgab, sondern
unverändert bei 3 % in der Jahresrate liegt. Über die kommenden Monate rechnen wir mit
einer fallenden Teuerung und sehen die Preisstabilität gewährleistet. Mit Blick auf die
jüngste Inflationsentwicklung ist eine Zinssenkung im November aber unwahrscheinlicher
geworden. Wenn die von uns erwartete Zinssenkung um 25 BP heute ausbleibt, sollte mit
einem solchen Schritt im Dezember zu rechnen sein. Im 1. Quartal sollte das Notstandszinsniveau
von 1,0 % wieder erreicht werden. Spannend dürfte sich die weitere Entwicklung
der EZB-Ankäufe von Staatsanleihen gestalten. Während Trichet zuletzt noch betonte,
dass das Kaufprogramm nur solange fortgesetzt wird, bis die EFSF bereit sei, diese
Aufgabe zu übernehmen, scheint sein Nachfolger Mario Draghi sich auf eine längere Phase
der Hilfe einzustellen. So hat er jüngst betont, dass die internationale Lage derzeit dramatisch
sei. Die EZB sei deshalb entschlossen, auch weiterhin unkonventionelle Maßnahmen
bereitzustellen, um mit Blick auf den gestörten Transmissionsmechanismus sicherzustellen,
dass geldpolitische Impulse der EZB tatsächlich auch in der Wirtschaft ankommen.
Zu diesen unkonventionellen Maßnahmen zählen ausdrücklich auch die Ankäufe
von Anleihen aus Krisenländern. Das Thema Griechenland sollte nach der Ankündigung
des Volksentscheids auf der Pressekonferenz ein dominierendes Thema sein. Zudem
dürfte die Notenbank der Öffentlichkeit Details zu ihrem neu aufgelegten Aufkaufprogramm
für Covered-Bonds präsentieren.