KOLUMNEN

14:18 | 18.04.2011
9,7 Prozent Wachstum: China ist nicht zu bremsen

Das chinesische Wachstum ist nicht totzukriegen. Seit über einem Jahr bemüht sich die Regierung zwar, die wirtschaftliche Dynamik abzuschwächen. Die Maßnahmen zur Drosselung waren zahlreich. Der Immobilienmarkt etwa wurde stark reguliert, und die Kreditvergabe für Hauskäufer deutlich eingeschränkt. Daneben wurden die Mindestreservesätze für die Banken auf inzwischen bis zu 20,5 Prozent angehoben, um das Geldmengenwachstum zu bremsen. Der Leitzins wurde ebenfalls schon mehrmals erhöht, und befindet sich inzwischen bei über 6 Prozent.

Bisher hat alles nichts geholfen. Im ersten Quartal wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt um 9,7 Prozent. Damit lag die Zuwachsrate nur unwesentlich unter dem Niveau des Vorquartals, das sich bei 9,8 Prozent befand. Die Prognosen der meisten Volkswirte wurden deutlich übertroffen. Enorm hoch robust weiterhin etwa die Investitionstätigkeit. Bei den Sachinvestitionen ergab sich gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 25 Prozent. Daneben stieg die Industrieproduktion um 15 Prozent. Das Wachstum bei den heimischen Einzelhandelsumsätzen zog im März wieder auf 17 Prozent an.

Was beflügelt dieses einzigartige Wirtschaftswachstum in China? Es sind mehrere Faktoren, die hier momentan zusammenwirken:

Exporte: Die Erholung der globalen Konjunktur hat lange auf sich warten lassen. Das bedeutet auch, dass die Nachfrage aus dem Westen nach chinesischen Produkten erst jetzt wieder richtig anzieht. Im März etwa stiegen Chinas Exporte um überraschend hohe 35,8 Prozent, während die meisten Analysten hier eigentlich mit einem Rückgang des Anstiegs gerechnet hatten.

Modernisierung und Produktivitätssteigerungen: Chinas Industrie und die wirtschaftliche Struktur ist teilweise noch rückständig. Dies bedeutet umgekehrt aber auch, dass Modernisierungen und Investitionen in der Regel zu besonders hohen Produktivitätssteigerungen und Wohlfahrtseffekten führen.

Binnennachfrage: Der Binnenkonsum spielt eine immer wichtigere Rolle. Der chinesische Mittelstand wird größer, und die Löhne wachsen stark. Zudem ist es erklärte chinesische Regierungspolitik, die breiten Massen künftig mehr an den Früchten des Wirtschaftswachstums zu beteiligen.

Investitionen: Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren viel Geld verdient, das wieder reinvestiert wird (dies ist in der Regel nur im Inland möglich). Zugleich pumpt die Regierung gewaltige Summen in den Aufbau einer modernen Infrastruktur, um auch die armen Regionen des Landes nach vorn zu bringen. Allerdings dürfte speziell das Wachstum bei den Investitionen der Privatwirtschaft wegen steigender Zinsen in den kommenden Monaten rückläufig sein.

Die Kehrseite des hohen chinesischen Wachstums ist die Inflation. Die Verbraucherpreise stiegen im März um 5,4 Prozent. Dies war der höchste Anstieg seit über zwei Jahren, und hat die chinesischen Wirtschaftslenker entsprechend alarmiert. Peking wird weiter alles tun, um den hohen Preissteigerungen Einhalt zu gebieten – auch wenn dies auf Kosten des Wachstums geht. Es werden also weitere Drosselungsmaßnahmen kommen.

Müssen wir uns als Anleger deshalb große Sorgen machen? Nur sehr bedingt. Die meisten Börsianer gehen derzeit davon aus, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte abflachen wird. Zudem sollte der Großteil der zu erwartenden Leitzinserhöhungen und sonstigen wachstums-schädlichen Maßnahmen bereits auf dem derzeitigen Niveau eingepreist sein.

Der Shanghai Composite Index jedenfalls hat sich von dem allgemeinen Inflations-Krisen-Szenario bereits wieder gut erholt, und kletterte heute auf ein neues 5-Monats-Hoch. Im gesamt-asiatischen Vergleich gehörte der chinesische Index damit zuletzt eindeutig zu den Outperformern.

Die Entwicklung am chinesischen Aktienmarkt bleibt weiter spannend. Die inzwischen günstigen Bewertungen sind aber der Hauptgrund dafür, dass wir seit einigen Monaten bereits wieder optimistisch sind.


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