KOLUMNEN

15:44 | 21.07.2010
Abkühlung für heiße Züge

Die deutsche Exportwirtschaft glänzt. Ganz China kauft den BMW, am liebsten mit allem Schnickschnack. Russland setzt auf Eisenbahntechnologie von Siemens. Doch lassen sich Skeptiker und Mahner nicht milder stimmen oder gar in das zuversichtliche Lager mitreißen. Nein, sie verweisen darauf, dass amerikanische und europäische Unternehmen nicht ausreichend in ihren Anlagenpark investieren und ihre Liquidität lieber horteten. Weil zudem die Konsumenten sparen, statt einzukaufen, sei es allein die staatliche Zusatznachfrage der Stimulus-Programme, die die Lücke über die letzten Quartale geschlossen habe.

Wenn die Staaten nun aber selbst ihre Budgets zurückfahren, kommt es zur Kontraktion, zur Verlangsamung des Wirtschaftsgeschehens. Stehen wir demnach trotz überragender Lagemeldungen der Industrie vor einer erneut kräftigen Abkühlung?

Es ist wohl auszuschließen, dass von der deutschen Wirtschaft ausgehende Impulse erst Europa, dann die ganze Welt vor dem Rückfall in Krise bewahren könnten. Für die Rolle der die Globalwirtschaft anschiebenden Lokomotive ist Deutschland zu klein; dahingehend hat schon Helmut Schmidt den US-Präsidenten Jimmy Carter überzeugen wollen, als ähnliche Hoffnungen, ähnliche Forderungen aufkamen. Vom Grundsätzlichen abgesehen ist gerade aktuell die Binnendynamik in Deutschland unverändert schwach – trotz der beglückend hohen Beschäftigung, der weltweit beneideten Entwicklung des Anteils der Arbeitslosen. Deutschlands Wirtschaftswachstum ist keine Größe, an der sich viele andere dranhängen können, sondern eine von der Kraft anderer Regionen abhängige Variable.

Doch keine Bange, es gibt andere Möglichkeiten des Trittbrettfahrens. China ist nicht nur ein großer Wettbewerber unserer Industrie, der eigene Hochgeschwindigkeitszüge auf hohem Technologieniveau herstellen und – wie jüngst nach Argentinien – auch an das Ausland verkaufen kann.

Das Reich der Mitte bleibt ein Partner unter Volldampf. Darüber sollten auch nicht die jüngsten Daten der Wirtschaftsleistung hinwegtäuschen, die gerade eine Abflachung signalisieren. Ja, China hat auch so viel Rohstofflager aufgebaut, also Erze und Kohle, dass die Importeure bei den aktuell sehr hohen Preisvorstellungen Australischer und Brasilianischer Minen und Zechen nicht zugreifen wollen – entsprechend sinken die Importe und die Nachfrage nach Tonnage im Massengutgeschäft. Letzteres wird in einem viel beachteten Index abgebildet, dem Baltic Dry Index, dessen zuletzt düsterer Verlauf allerdings durch ein sehr stark wachsendes Angebot an Schiffstonnage überzeichnet wird.

Des Weiteren wird uns notgedrungen, zähneknirschend der amerikanische Staat zur Seite springen. Neue Konjunkturprogramme winken bereits. Zu einem Abbau des Handelsdefizits, des gewaltigen Kapitalimports aus China wird sich die US-Regierung angesichts hoher Arbeitslosigkeit und wachsender sozialer Spannungen nicht in der Lage sehen. Das Leben auf Pump geht weiter. Das kann nicht nachhaltig sein. Aber es bedeutet, dass eine starke Abkühlung der deutschen Exportwirtschaft alles andere als eine ausgemachte Sache ist. Ergo: die Anlage in Aktien bleibt attraktiv.


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