KOLUMNEN

15:49 | 07.02.2011
Bauboom in Russland – Stahlbranche profitiert

Die russische Wirtschaft war im Jahr 2009 von der Finanzkrise schwer getroffen. Die Wirtschaftsleistung sank um 7,8 Prozent, Liquidität wurde abgezogen. Zudem verdeutlichte der Rückgang der Rohstoffpreise auf den Weltmärkten auf beeindruckende Art, wie abhängig das Land von seinem Rohstoffsektor ist.

Zu den Verlierern dieser Entwicklung gehörten damals auch die Stahlkonzerne. In großem Umfang musste die Produktion gesenkt werden, zeitweise konnte man nicht einmal mehr die Energierechnungen zahlen, da die eigenen Kunden ebenfalls massive Umsatzeinbrüche zu verkraften hatten.  

Aber die Krise ist auch in Russland in weiten Teilen durchgestanden. Im Jahr 2010 wuchs das BIP um 4,5 Prozent, die Rohstoffpreise setzten zu neuen Kurssprüngen an, und die Kreditvergabe im Land wurde von der Zentralbank mit relativ billigem Geld angekurbelt.

Dies machte sich auch bei den Stahlproduzenten, allen voran Novolipetsk Steel Severstal Evraz und Mechel, durchaus positiv bemerkbar. So steigerte Evraz die Produktion von Rohstahl um 6,6 Prozent auf 16,3 Mio. Tonnen, Novolipetsk Steel konnte die Produktion um 8,8 Prozent auf 11,5 Mio. Tonnen ausweiten. Mechel Steel erhöhte seine Produktion um 11 Prozent auf 6,1 Mio. Tonnen aus. Insgesamt wurden so in Russland 2010 67 Mio. Tonnen Stahl hergestellt. Die Marktteilnehmer erwarten für das laufende Jahr 2011 einen weiteren Anstieg der Produktion auf 72 Mio. Tonnen, womit das Vorkrisenniveau erreicht wird.

Aton Capital gehen aber gleichzeitig davon aus, dass das Jahr 2011 erst den eigentlichen Beginn der Erholung in der Branche markiert. Einer der wesentlichen Gründe für diese Prognose ist der erwartete Bauboom in Russland. Die Regierung in Moskau hat angekündigt, kräftig in den Wohnungsbau zu investieren. So sollen bis 2016 jährlich 100 Mio. m²Wohnraum in Russland geschaffen werden. Bis 2020 könnte die Wachstumsrate auf 142 Mio. m²/Jahr steigen. Dies ist umso beeindruckender, als dass 55 Prozent des Stahls im Bausektor verbraucht wird. Bereits für 2011 wird deshalb ein Nachfrageanstieg bei Stahl von fünf bis acht Prozent erwartet. 

Ein weiteres Plus für die Stahlkocher sind die ambitionierten Pläne Moskaus, das marode Eisenbahnnetz des Landes auszubauen. Die Russischen Eisenbahnen haben in der vergangenen Woche angekündigt, 68 Mrd. USD in den Bau von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinien investieren zu wollen. Damit soll die notwendige Infrastruktur für die Fußball-WM im Jahr 2018 geschaffen werden. Der Baubeginn soll im Jahr 2013 erfolgen, die Fertigstellung ist für 2017 geplant. Die Planungen und Ausschreibungen befinden sich zwar erst in der Anfangsphase, Fakt aber ist, dass der Bau erfolgen wird, denn Moskau wird sich nicht die Blöße geben, Fußballfans über hunderte Kilometer auf Jahrzehnte alten Strecken durchs Land zu kutschieren. Die Planungen umfassen unter anderem den Bau einer neuen Verbindung Moskau – St. Petersburg, eine Strecke von 660 km, sowie eine Verbindung zum Ural-Gebirge, die rund 3.000 km lang sein soll. Einer Analyse von UralSib zufolge entfallen 13 Prozent des russischen Stahlbedarfs auf die Verkehrsinfrastruktur und die Autobranche.

 Wesentlich für die russischen Stahlproduzenten ist aber nicht nur das reine Stahlgeschäft. Vielmehr diversifizieren die Unternehmen verstärkt ihre Operationen in alle Bereiche des Rohstoffkomplexes. Severstal beispielsweise besitzt einige Goldminen, und führt derzeit einen Börsengang seines Tochterunternehmens Nord Gold in London durch.

Novolipetsk Steel seinerseits ist vertikal integriert und dadurch nicht nur Produzent, sondern auch Verkäufer und Lieferant der eigenen Grundstoffe. Das Unternehmen stellt die für die Stahlherstellung benötigte Kokskohle selbst her, ebenso wird bei Eisenerz verfahren.Mechel Steel hat im vergangenen Jahr die Herstellung von Kokskohlekonzentrat um 52 Prozent steigern können, womit man sogar mehr produzierte, als vor der Finanzkrise. 

Den Vorteilen für die russischen Stahlbetriebe stehen aber auch Nachteilte gegenüber. So zieht die russische Regierung in Erwägung, Eisenerz und Walzstahl mit Exportzöllen zu belegen, um die hohen heimischen Preise in den Griff zu bekommen. Auch gab es kürzlich Untersuchungen beim Automobilzulieferer Severstal Dem Unternehmen wurden vom Autobauer AvtoVaz Preismanipulationen vorgeworfen. Dies konnte aber durch die russische Antimonopolbehörde entkräftet werden.


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