KOLUMNEN

9:25 | 02.08.2010
Die Woche im China-Solar-Sektor

Die Werte aus dem chinesischen
Solar-Sektor standen diese Woche teilweise deutlich unter Druck. Das
Solactive China Solar Index Zertifikat (DB2CSL) ging im Wochenvergleich
um 9,3 Prozent nach unten auf 5,36 Euro. Der Index enthält die Aktien
von 9 großen chinesischen Solarunternehmen.

Ein unmittelbarer Anlass für die Kursschwäche war das Scheitern des
Klimaschutzgesetzes der Regierung Obama. Der ambitioniert gestaltete
Entwurf, der unter anderem Obergrenzen für die Emission von
Treibhausgasen vorsah, fand nicht genug Unterstützung im US-Senat, und
wurde deshalb vorerst auf Eis gelegt. Zwar dürfte sich dies nicht
negativ auf die bestehenden Solarförderprogramme auswirken. Vieles
spricht dafür, dass die Nutzung der Solarenergie in den USA auch ohne
das Gesetz weiter ausgebaut wird. Dennoch hätte ein Erfolg der
Initiative natürlich einen Durchbruch für die alternativen Energien
allgemein bedeutet, der auch eine entsprechende Signalwirkung gehabt hätte.

Darüber hinaus hat der amerikanische Solarriese First Solar für das
abgelaufene Quartal einen Gewinnrückgang um 12 Prozent gemeldet. Dieser
war vor allem auf niedrigere Panel-Preise und gestiegene Fixkosten
zurückzuführen, während der Umsatz um 12 Prozent auf 588 Millionen
Dollar anstieg. Das Zahlenwerk von First Solar ist für die chinesischen
Konkurrenten insofern relevant, als sich First Solar mit seiner
Dünnfilm-Technologie ebenfalls überwiegend im Niedrigpreis-Segment aufhält.

Positiv zu bewerten ist, dass sich First Solar über die künftig zu
erwartende Umsatzentwicklung recht optimistisch geäußerst hat. Das
gleiche gilt auch für den deutschen Solarkonzern Solarworld. Dieser hat
für das zweite Quartal Zahlen vorgelegt, die die Erwartungen übertroffen
hatten. Auch bei Solarworld sieht man insbesondere für 2011 eine weiter
wachsende Nachfrage, obwohl die deutsche Regierung die
Einspeisevergütung zuletzt empfindlich zusammengestrichen hat.

Der chinesische Hersteller Solarfun Power Holdings hat zwei
Lieferverträge mit Abnehmern aus Italien abgeschlossen. Insgesamt wird
das Unternehmen Module mit einer Gesamtleistung von 12 Megawatt an seine
dortigen Kunden liefern. Aus Italien wird für das zweite Halbjahr ein
erheblicher Nachfrageschub erwartet, da dort die Förderung im kommenden
Jahr zurückgehen wird. Der gleiche Effekt war in Deutschland im ersten
Halbjahr feststellbar.

ReneSola hat eine strategische Partnerschaft mit der deutschen
solarhybrid AG abgeschlossen. Für das zweite Halbjahr wurde bereits eine
erste Lieferung von Modulen mit einer Leistung von 50 Megawatt
vereinbart. Die Kooperation ist weitreichend. solarhybrid wird in
Deutschland einerseits Module unter der Marke “ReneSola” vertreiben. Zum
anderen wird ReneSola auch die Panels herstellen, die unter der
Eigenmarke “solarhybrid” demnächst umfangreich beworben werden sollen.
Das deutsche Unternehmen erklärte, dass es sich für ReneSola als Partner
nach einem aufwendigen Auswahlprozess entschieden habe. Für das
Unternehmen hätten unter anderem umfangreiche Qualitätstests, die starke
Bonität und die entsprechenden Produktionskapazitäten gesprochen.

Nach JA Solar hat jetzt auch Yingli Green Energy ein Lizenzabkommen mit
dem amerikanischen Spezialanbieter Innovalight abgeschlossen.
Innovalight ist ein Entwickler spezieller “Silizium-Tinten”, mit deren
Hilfe sich der Wirkungsgrad kristalliner Solorzellen steigern lässt.
Ohne hohe Zusatzkosten und Umrüstungen können die beiden chinesischen
Massenproduzenten somit die Wirkungsgrade, und damit den Wert ihrer
Module erhöhen.

In chinesischen Regierungskreisen ist man offenbar optimistisch, die
Kosten für Solarstrom in Zukunft noch deutlich drücken zu können. Wie
der Vizedirektor der Nationalen Energiebehörde zuletzt erklärte, werde
Solarstrom im Jahr 2020 auf das Preisniveau von Kohlestrom gefallen
sein. Dementsprechend werde die Nutzung der Solarenergie bis dahin
deutlich ausgeweitet werden. Die Gesamtkapazität werde 2020 bei 20
Gigawatt liegen, während sie bis 2015 vorerst auf 5 Gigawatt steigen werde.

China dürfte in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten
Absatzmärkte der Solarwirtschaft werden, denn der Strombedarf des Landes
steigt unaufhörlich. Die Nationale Energiebehörde geht davon aus, dass
der Gesamtverbrauch 2010 um weitere 11 Prozent anwachsen werde. Die
Maßnahmen zur Erzwingung einer höheren Energieeffizienz in der Industrie
seien ebenso wie die Drosselung des dortigen Bau-Booms bereits in dieser
Prognose berücksichtigt. Die Solarenergie nimmt dementsprechend einen
wichtigen Platz in den Planungen der chinesischen Politik ein.

Die im Solactive China Solar Index enthaltenen Einzelwerte sind:

Yingli Green Energy Holding
JA Solar Holdings
Canadian Solar
Trina Solar
Solarfun Power Holdings
ReneSola
China Sunergy
Suntech Power Holdings
LDK Solar


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