KOLUMNEN

15:18 | 31.08.2015
Family Offices, Fondsboutiquen und Fondsselektion – Talent schlägt Prozess?

„Und so wie das Wasser keine beständige Form hat, so gibt es auch im Krieg keine beständigen Bedingungen“ (Sun Zi). Die Worte eines bekannten Strategen scheinen lebensnah und nachvollziehbar – volkswirtschaftliche Rahmendaten wechseln, Märkte, Korrelationen und andere Parameter ändern sich fortlaufend. Ob Kopf, Bauch oder Maschine: Kaum ein Fondsselektor kann auf die Existenz eines „scheinbar“ systematischen, nachvollziehbaren Investmentprozess bei der Auswahl von Talenten im Fondsmanagement verzichten. Family Offices als ein Beispiel haben ihre eigene „Brille“ bei der Auswahl von Fondsboutiquen für Mandate (Due Diligence), oft ähnelt sich die Herangehensweise verschiedener Häuser. Welche Faktoren erscheinen häufig interessant beim Auswahlprozess? Welche Faktoren werden vielleicht über- bzw. unterschätzt beim Entdecken von Talenten?

Fondsselektion – weder Rocket Science noch trivial

1. „Harte“ Fakten

Wie auch bei anderen Fondsselektoren-Gruppen bedienen sich Family Offices, die im Laufe der Jahre ein ausgeprägtes Interesse an unabhängigen Asset Managern (Fondsboutiquen) entwickelt haben, vieler der gängigen Filter bei der Auswahl von Fondsmanagern, zum Beispiel: Track Record über eine Anzahl von Jahren  – Performance, eingegangenes Risiko, Verhalten in Marktphasen, Tracking Error, Kosten und Fondsgröße sind Themenfelder, die angesprochen werden. Quantitative Faktoren lassen sich zumindest zu Beginn als guter Vorfilter für weitere qualitative Betrachtungen nutzen – sowohl der Ursprungsgedanke. Benchmark oder Absolute Return? Maximaler Drawdown? Diese scheinbar „harten“ Fakten nimmt man natürlicherweise, da normierbar, messbar, vergleichbar, gut in Prozessstrukturen einzubinden bei der Due Diligence. Ein Dilemma: Performance, Korrelationen, Volatilitäten – alle Fakten durch den Rückspiegel betrachtet – die Auswahl des Managers soll jedoch eigentlich in Zukunft Erfolge produzieren.

2. „Weiche“ Wege

Managementansätze werden ebenso intensiv diskutiert wie Transparenz und systematische, nachvollziehbare Investmentprozesse. Mensch und Bauch versus Maschine? Diskretionär versus regelgebunden? „Künstlertum“, „Würfeln“ versus phantasielose Zahlenhörigkeit? Unklarheiten in den Definitionen treffen hier oft zusammen mit Vorurteilen und eigenen Vorlieben von Fondsselektoren – positiv ausgedrückt: Sollte Fondsmanagement neben Wissenschaft auch Kunst bedeuten, dann sind es vielleicht viele Wege, die nach Rom führen können. Natürlich gibt es nicht den über alle Marktzyklen erfolgreichen Managementstil. Vergessen wird zudem oft, dass Family Offices eine bestimmte Klientel vertreten und zudem aufgrund der Herkunft vieler Vermögen durchaus eine gewisse Stressresistenz bei „lebendigen“ Börsen besitzen – der Faktor Zeit ist entscheidend. Die intensiven Diskussionen über aktive, pseudo-aktive und passive Ansätze zeigen, dass viele Dinge auch in der scheinbar faktenbasierten Finanzwelt nicht immer eindeutig auf festem Boden stehen.

3. „Schwammige“ Prozesse

Böse Zungen behaupten, dass zu viel Kommunikation über Prozesse häuft über einen Mangel an Talent hinwegtäuschen soll. Die Geschichten  an brillianten Prozessen bei Fonds mit mehr als mittelmäßigen Ergebnissen findet man häufig. Fairerweise muss man dem aber entgegenhalten, dass es auch eine Vielzahl von scheinbar talentierten, weniger regelgebundenen Fondsmanager gibt, die auch nicht mit ihren Ergebnissen zu überzeugen vermögen. Den einen Investmentprozess, der Erfolge garantiert, scheint wohl nicht zu existieren. Unterstellt, dass es trotzdem mehr als sinnvoll sein kann, den Investmentprozess eines Managers nachvollziehen zu können, stellen sich vielleicht folgenede Fragen:

  • a) Macht der Manager wirklich das, was er in seinen Darstellungen vom Prozess behauptet?
  • b) Wissen nicht viele Fondsmanager, was Fondsselektoren unbedingt hören wollen?
  • c) Stimmt der vom Fondsmanager dargestellte Investmentprozess eigentlich mit dem Prozess überein, der in den Marketingunterlagen der Fondsgesellschaft erläutert wird?

Beim Aufwerfen solcher Fragen, die möglicherweise interessante Anknüpfungsdialoge zwischen Family Offices zum Fachdialog bieten könnten, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass die Suche nach Talenten bei spezialisierten Managern doch vielleicht eher der „Trüffelsuche“ ähneln als einem systematischen, rein quantitativ gesteuertem  Suchprozess mit jederzeit wiederholbaren Ergebnis. Solide Hausarbeit und konventionelle Trial-and-Error-Heuristik in Kombination mit Bauchgefühl, Intuition, Erfahrung etc. sind gefragt. Datenbanken zur Vorselektion sind wichtig, Research ist Kernfaktor bei Grundlagenarbeit.

Wissensmanagement

Netzwerke haben sich auch im Family Office-Bereich gebildet. Fans von Boutiquen finden zusammen. Die Praxis zeigt, dass es eine Vielzahl von begeisterten Selektoren findet, deren Herz für unabhängiges, spezialisiertes Asset Management schlägt. Spricht man mit Family Office-Vertretern in verschiedenen Ländern, zeigen sich ähnliche Strukturen: Bei starker Ähnlichkeit der Selektionsprozesse zeigt sich interessanterweise immer wieder, dass sich nicht alle Adressen über einen Kamm scheren kann: Obwohl zum Beispiel Seed Money-Geber angeblich kaum aufzufinden sind, gibt es durchaus eine Vielzahl von Adressen, die sich als „Sponsor“ für Talente betrachten. Noch überraschender: Fondsgrössen sind relativ zu sehen. Auch gibt es Häuser, für die ein Minimum-Track Record von zum Beispiel drei Jahren nicht Minimumkriterium ist, selbst Backtesting-Konzepte finden zumindest offen Ohren bei einer kleineren Anzahl von Häusern.

Ausblick

Befindet man sich im Austausch mit anderen Selektorengruppen, so fällt zumindest eine Gemeinsamkeit zu vielen Family Offices auf: Networking innerhalb der eigenen Gruppe findet man häufig, seltener scheinen die verschiedenen Gruppen im intensiven Dialog miteinander aufzutreten: Family Offices, Stiftungen, Dachfondsmanagement, Private Banking etc.  Vielleicht ist dieses Phänomen etwas auf den Mangel an Visibilität im Family Office-Bereich zurückzuführen. Gesammelt findet man häufiger den heterogenen Mix von Fondsselektoren und Analysten bei auf Fondsboutiquen spezialisierten Häusern wie Universal Investment, Axxion, Ampega und vielen anderen Anbietern. Fankreise finden zum Beispiel bei Investorenveranstaltungen zusammen, aber auch bei Events, die über den üblichen Industrie-trifft-Industrie-Rahmen hinausgehen. Kurzum: Fachlicher Gedankenaustausch in Sachen Fondsboutiquen wird geschätzt – Content vor Sales: Die Fondsgesellschaften, die hier einen Mehrwert bieten, rennen bei Boutiquen-Fans offene Türen ein!


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