KOLUMNEN

16:06 | 29.11.2013
Family Offices, Fondsboutiquen und Investments – Due Diligence, Asset Allocation und Bäume, die nicht zum Himmel wachsen

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ – der typische Prozess bei der Prüfung von Anlagevorschlägen von Asset Managern an Family Offices erscheint oft langwierig, ganz zu schweigen vom Zugang zu dieser Investorenkategorie. Jemanden zu mystifizieren als Investorengruppe erscheint oft nicht zweckdienlich. Auch in diesem Anlagersegment gibt es verschiedene Herkünfte, Herangehensweisen und Know-how-Stände. Der Due Diligence-Prozess bei Family Offices unterscheidet sich in vielen Punkten häufig kaum von dem anderer qualifizierter Investorengruppen. Trotzdem erscheinen einige scheinbar profane Punkte einer kurzen, kommentierenden Betrachtung würdig, ohne Anspruch auf Repräsentativität – welche Faktoren könnte man diskutieren, um vielleicht Ähnlichkeiten und Unterschiede aufzuzeigen? Worin unterscheiden sich möglicherweise die Sichtweise von Investor und Produktanbieter?

Due Diligence und Risikomanagement

Das Feedback aus vielen Gesprächen mit institutionellen Investoren bezüglich der eigenen Anlagebedürfnisse lässt manchmal den Schluss zu, dass einige Anbieter ihre Hausaufgaben nicht machen. Sieht man sich bei vielen Family Offices die Familiengeschichte der Gründer an, würde man vielleicht bei einigen Produktangeboten die eigene Position überdenken. Jemand, der ein nicht unbeträchtliches Vermögen gebildet hat, will das Erreichte dann nicht mit gewissen „Casino-Wetten“ aufs Spiel setzen. Anbieter beklagen dann oft die langen Prüfprozesse oder auch das spontane Desinteresse an bestimmten Anlagestrategien. Zur Prüfungen von Konzepten zählt jedoch auch die zeitnahe Klärung, ob bestimmte Bausteine in die Anlagestrategie des Family Offices passen. Risikomanagement im Due Diligence-Prozess bedeutet hier zum Beispiel: Anbieter aussortieren nach Produktkategorie, Größe, Know-how und manchmal auch „Aufdringlichkeit“.

Herkunft und Know-how

Viele Family Offices wurden nicht im „luftleeren Raum“ gegründet, sondern sind nicht getrennt zu sehen von der Eigentümerhistorie. Der Spezialisierungsgrad bestimmter Häuser ist häufig auf diesen Sachverhalt zurückzuführen. Niemand behauptet in jedem Segment optimale Due Diligence-Prozesse aufgesetzt zu haben oder in jedem Segment intern das entsprechende Know-how vorzuhalten. Spezialisierungen in Bereiche wie Immobilien und Private Equity erscheinen nachvollziehbar. Bei zunehmender Größe der Family Offices wird häufig externes Know-how eingekauft. Konkretes Beispiel: Infrastrukturinvestments – hier existiert ein Feld, wo häufig nicht so viel Erfahrung vorliegt. Das Poolen von Know-how in Form von Club Deals – sozusagen eine gemeinsam betriebene, kooperative Form der Due Diligence bei komplexen Anlagevorhaben – gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Anlagehorizont und Investorenmentalität

Familienvermögen sind oft über Generationen gewachsen. Unabhängige Unternehmer, wie man sie vom Typus her auch häufig bei konzernunabhängigen Asset Managern findet, haben Vermögen gebildet und wollen ihr Vermögen durch ihr Family Office sichern und wachsen lassen. Das setzt Langfristdenke, unter Umständen sogar „Beschaulichkeit“, bei Due Diligence-Prozessen voraus . Unternehmerische Entscheidungen bei Investments in Family Offices mit kurzen Entscheidungswegen können schnell getroffen werden, zumeist schneller, als in etablierten Großkonzernstrukturen. Andererseits bedingt dass aber auch die Freiheit, Entscheidungen ohne kurzfristigen Ertragsdruck mit Bedacht zu treffen. Trifft Ertragsdruck-Denke auf Anbieterseite („Kurzfristdenke“), gepaart mit entsprechender verkäuferischer Aggressivität, auf diese Anlegermentalität, erscheinen Konflikte vorprogrammiert. Vielleicht ist dies auch eine der möglichen Gründe dafür, dass Family Offices gerne vom Vertrieb „nicht gefunden“ werden wollen.

Netzwerke und Investments

Für viele Family Offices stellen Know-how-Netzwerke aus dem Produktanbieterfeld in Teilen eine Bereicherung im Sinne von konstruktivem Input für Investmententscheidungen dar. Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, AmpegaGerling, Hauck & Aufhäuser und viele Häuser bieten einen guten, ersten Überblick über das Angebot an unabhängigen Asset Managern (Fondsboutiquen). Zusätzlich stoßen sie verstärkt auf Interesse, weil mittlerweile verschiedene Family Offices auch eigene Fondsprodukte aufgelegt haben bzw. auflegen wollen (Private Label Fonds). Anbieter wie Union Investment oder Deka decken andere Themenfelder fokussiert ab. National und international zeichnet sich zusätzlich immer mehr die Tendenz ab, in Sachen Due Diligence sowie Input für Ideen „Asset Allocation“ verstärkt die Allianz mit anderen Family Offices zu suchen. Gleicher Investorenkreis, ähnlich Mentalität (die Diskussion über die präzise Family Office-Definition sei an dieser Stelle ausgeklammert), ähnlicher Zeithorizont und vergleichbare Ziele führen hier zu natürlichen „Know-how-Bündnissen“.

Ausblick

Wenn man Family Office-Themen aus einer Metaperspektive betrachten würde, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass deren Themen sich bei vielen anderen Investorengruppen wiederholen. Der regulatorische Rahmen, Freiheitsgrade sowie Entscheidungswege mögen einen Unterschied begründen – die Grundproblematik bleibt bei allen Gruppen oft die gleiche: Wie lege ich Gelder profitabel und sinnvoll an? Wie finde ich passende Produkte? Wie entdecke ich interessante Produkte oder Dienstleistungen? Solange die Schnittstelle Mensch – Analyst, Entscheider, Informationsverarbeiter – nicht durch den Computer allein ersetzt werden kann, wird die Branche um Lösungen ringen: Know-how, Research, Performance, Consulting. Da in absehbarer Zeit kein perfekter Due Diligence-Prozess jeden Anleger immer vor Fehlentscheidungen schützen wird, wachsen hier die Bäume sozusagen nicht in den Himmel. Aufgrund von intensiver Kommunikation, Vernetzung und Austausch zwischen den verschiedenen Parteien, kann man vielleicht eher von Wäldern sprechen, die nach und nach zusammenwachsen!


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