KOLUMNEN

14:50 | 24.11.2010
Goldpreis noch zu niedrig: Nachfrage wird weiter steigen

Der Goldkurs konsolidiert derzeit etwas die jüngste Aufwärtsbewegung, die den Preis für die Feinunze bis auf das Rekordhoch 1.414 Dollar je Feinunze klettern ließ. Neben der Inflationsgefahr und der Schwäche der bisherigen Leitwährung US-Dollar, auf die ich bereits in meiner Kolumne in der vergangenen Woche eingegangen bin, spricht auch die steigende Nachfrage nach Gold für weiter anziehende Notierungen.

Obwohl der Goldpreis bereits seit zehn Jahren kontinuierlich ansteigt, sind viele Anleger noch nicht investiert. Viele professionelle Investoren haben bereits Gold im Depot, um ihr Vermögen zu schützen. Doch es gibt auch zahlreiche Institutionen und Privatanleger, die noch nicht investiert sind. Spätestens wenn die nächste Welle der Finanzkrise Währungen und Anleihen unter Druck bringt, gibt es den nächsten Nachfrageschub.

Auch die Zentralbanken der Schwellenländer wollen kaufen. Viele asiatische Zentralbanken haben ihre Währungsreserven in Dollar-Anleihen angelegt. Gold ist unterrepräsentiert. Russland und China haben bereits angekündigt, künftig vermehrt in Gold anzulegen. Und Indien verkündete Ende vergangenen Jahres, dass es 200 Tonnen aus den Beständen des IWF gekauft hat.

Außerdem steigt die Schmucknachfrage in China und Indien. In punkto Schmuckgold ist Indien seit Jahren der größte Markt der Welt. Vor allem seit die Wirtschaft dort floriert, beeinflusst die traditionelle Hochzeitssaison alljährlich den Weltmarktpreis. Aber nicht nur in Indien, sondern auch in China steigt die Nachfrage nach dem Edelmetall kontinuierlich an.

Der steigenden Nachfrage steht allerdings ein Angebot gegenüber, das immer knapper wird, denn die Ressourcen sind begrenzt. Seit 1999 stieg der Preis pro Feinunze von 252 auf mehr als 1.400 Dollar. Obwohl Preiserhöhungen die Gewinne der Produzenten erheblich steigen lassen, hat die Minenindustrie die Produktion nicht ausgeweitet.

Als in den 80er-Jahren der Goldpreis auf 850 US-Dollar stieg, kam es sogar zu einem Rückgang beim Angebot. Aaron Regent, Chef des weltweit größten Goldunternehmens, Barrick Gold, sieht sogar eine finale Phase der Goldproduktion kommen. Viele Anbieter müssen das Edelmetall in immer tieferen Schichten abbauen, da sich die Goldvorkommen erschöpfen. Das erklärt auch den Anstieg der Rentabilitätsschwelle auf 820 US Dollar pro Unze.

Herkules-Bemühungen der Anbieter, neue Minen in entlegenen Gebieten auszumachen, reichen nicht, um das Angebot zu erhöhen. Regent geht davon aus, dass der Goldabbau ein Niveau erreicht hat, das – wie beim Erdöl – nicht mehr gesteigert werden kann.

Da westliche Notenbanken als Verkäufer ausfallen, wird das Angebot auch von dieser Seite nicht erhöht. In den vergangenen fünfzehn Jahren traten die Zentralbanken westlicher Länder massiv als Verkäufer von Gold auf. Dafür haben die Notenbanken feste Quoten vereinbart, um durch ihr Angebot den Preis nicht zu gefährden. Seit Ausbruch der Finanzkrise bringen sie jedoch kaum noch Edelmetall auf den Markt.

Viele Anleger schrecken derzeit vor dem Rekordniveau der Goldnotierungen zurück. Allerdings war der Goldpreis lange Zeit aufgrund der Einwirkung westlicher Regierungen und deren Zentralbanken auf einem viel zu niedrigen Niveau. Das Ausmaß der künstlichen Preispolitik war derart hoch, dass nun eine extreme Gegenbewegung läuft.

Zudem stimmen die Verhältnismäßigkeiten nicht. Gold ist im Verhältnis zu anderen Edelmetallen wie Platin unterbewertet. Wäre der Goldpreis ab seinem Höchststand anno 1980 entsprechend der US-Inflationsrate angestiegen, stünde er heute bei 2300 US Dollar pro Unze.

Und auch der rasant wachsende Goldmarkt sollte die Preise weiter antreiben. Bislang war der Markt relativ klein. Mittlerweile drängen aber immer mehr Investoren in diese Asset-Klasse. Dabei hat das gesamte Gold, das je gefördert wurde, lediglich einen Wert von schätzungsweise 6 Billionen Dollar. Und alle Goldminenaktien der Welt kommen zusammen auf eine Marktkapitalisierung in der Größenordnung des US-Einzelhändlers Walmart.


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