KOLUMNEN

11:04 | 30.10.2013
Real Assets, Fondsboutiquen und Consulting – PowerPoint & Research vs. Praxis?

Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – Investments in Real Assets sind derzeit aufgrund des niedrigen Zinsumfelds gefragt. Die Fachpresse, Anbieter und Investoren setzen sich mit dem Thema intensiv auseinander. Finanzindustrie kommuniziert stark mit Finanzindustrie, viele Bereiche aus der Real Asset-Welt bleiben oft ausgeklammert. Verschiedene Fragen tauchen immer häufiger in der Diskussion auf. Wie im Bereich des klassischen Asset Managements – konzerngebundene und unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“) gibt es verschiedene Märkte für Expertise. Worin können Besonderheiten bei der Beurteilung von Real Asset-Projekten bestehen? Gibt es einen Consulting-Markt für jeden Bereich? Bilden sich vielleicht neue Strukturen im Consulting heraus?

Gefühl der „Unsicherheit“ bei diversen institutionellen Investoren

Obwohl die oben angeführten Themenfeldern scheinbar hochaktuell für Investoren erscheinen, ergeben sich bei der Bewertung von Investitionsobjekten von Fall zu Fall einige Stolpersteine. Welche Pensionskasse, welche Versicherung oder welches Family Office hält „Spezialisten-Teams“ für die Bewertung von Infrastrukturinvestments vor?

„Große“ haben wohl das Know-how, möglicherweise tun sich mittelgroße bis kleinere Einheiten schwerer in der Beurteilung von Direktinvestments bzw. beim Einsatz von Fondslösungen im Bereich Real Assets. Indirekt hat dies natürlich auch auf „Investitionsnetzwerke“ im Sinne von Club Deals Einfluss. Hier kann tatsächlich aufgrund fehlenden Know-hows bzw. fehlenden Netzwerks eine Form von Markteintrittsschranke für bestimmte Investoren bestehen. Woher soll eine kleine Pensionskasse oder ein kleineres Family Office Kompetenz bei der Beurteilung bestimmter Direktinvestments in Infrastruktur (Verkehr, Flugzeuge, Energie etc.) haben? Es stellt sich die Frage, ob manchmal gute Investitionsgelegenheiten nicht wahrgenommen werden können, nur weil weder Know-how noch Kapazitäten (Zeit, Personal, Budget) zeitnah greifbar sind.

Beispiele – Erneuerbare Energien & Agrarinvestments („Rohstoffe“)

Deutschland erlebte in den letzten Jahren einen Boom im Bereich der Erneuerbare Energien. Viele dieser Projekte, Direktinvestments oder Investments in Fondsmantel, wurden mit den Labeln Real Assets und Infrastruktur versehen. Im Bereich der Solar- und Windenergie hat sich eine ganze Anzahl von Projekten entwickelt, die auch aufgrund von staatlicher Förderung – gegenwärtig wird es „turbulent“ in dem Bereich – an institutionelle Investoren herangetragen wurden. Der Markt erscheint ausgereift. Im gleichen Atemzug hat sich auch eine Consulting-Industrie entwickelt. Schlägt man den Bogen zum Bereich der Biomasse („Renewables“, in Fachkreisen bekannt aufgrund der umstrittenen „Tank versus Teller“-Diskussion) scheinen sich ähnliche Strukturen zu bilden.

Interessant erscheint an dieser Stelle der fachliche Bogen zu den Bereichen Agrarinvestments bzw. zu dem Bereich Investment in Waldfläche. Flächen sind zu bepflanzen, zu bewirtschaften und gegebenenfalls mit Investitionen in Erneuerbare Energien (Blockheizkraftwerke, Kraftwerke, Windräder, Solarflächen etc.) zu kombinieren. Rohstoffmärkte sind zu beobachten und zu verstehen, Wetter spielt wieder eine Rolle bei Investments. Regulierung (Erneuerbare Energien, Einspeisevergütung etc.) fließt sozusagen in Real Asset-Investitionsentscheidung ein, Ketten wie Agrarinvestments – Biomasse – Verstromung ergeben sich, in vielen solcher Felder mit vielen Schnittstellen ist interne oder externe Feldkompetenz gefragt. Selbst „große“ Investoren (Pensionskassen, Versicherungen) betreiben engagiert Projektmanagement, um bei solchen Investitionsprojekten die richtigen Schnittstellen zu definieren und die passenden Fachleute zusammen zu bringen.

Consulting und Know-how-Netzwerke – Besonderheiten Theorie versus Praxis

Research hat bei vielen Themenfeldern seine Berechtigung als eines von vielen Mitteln, um sich Klarheit über Investitionsalternativen zu verschaffen. Ein weiterer Schritt besteht darin, sich als Investor mit bestimmten anderen Know-how-Netzwerken in Verbindung zu bringen. Investitionsobjekte oder Investitionskategorien, die nicht so stark erforscht bzw. transparent sind, lassen sich oft auf diesem Weg in kleinen Schritten näher erschließen. Der Markt für unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“) lässt sich zum Beispiel durch Kontaktieren von spezialisierten Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, AmpegaGerling oder IPConcept besser einordnen. Viele dieser Häuser beschäftigen sich mit Rohstoffen (Agrar, Wald etc.) und dem Thema Erneuerbare Energien. Auch Verbände in der Asset Management-Industrie geben Orientierung. Anbieter und Verbände im Bereich Rohstoffinvestments und Erneuerbare Energien (Solar, Wind, Biomasse etc.) sind ebenso etabliert.

Hinsichtlich der Transparenz und Entscheidungssicherheit bei Investitionen in Real Assets stellt sich aufgrund der Komplexität der Investmentopportunitäten ein spezielles Problem: Weder kann ein reiner Theorie-Consultant („PowerPoint-Consulting“, im Extrem reine Konzeptproduktion ohne Interesse an praktischer Umsetzung) in vielen Fällen direkt Hilfestellung leisten, noch ist ein reiner Finanzspezialist (Investment Banking, Strukturierer etc.) immer geeignet, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Investitionsalternativen in diesem Bereich abschließend zu beurteilen. Ein Manko, wie man es oft auch in anderen Bereichen (z. B. Sozialarbeit, Politik etc.) findet: Es fehlt die Feldkompetenz. (Konzeption hat unbestritten ihre Berechtigung und Wert, es geht an dieser Stelle nicht um „Consultant-Banking-Bashing“, sondern um maßgeschneiderte Lösungen bei der Bewertung von Investitionsalternativen in Feldern, die neben Finanz- auch starke Technologiekomponenten aufweisen).

Ausblick – Consulting auf potentiell „ideale“ Weise

Die Beurteilung von rein finanzwirtschaftlichen Kennzahlen bei der Beurteilung von Investitionsalternativen bei Real Asset-Projekten (Direktinvestments, Fonds etc.) scheint in einer Vielzahl der Fälle als „zu kurz gesprungen“. Natürlich gibt es Entscheidungssituationen bei Investoren mit professionellem Know-how, die keiner oder wenig externer Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bedürfen. Es gibt zum Beispiel viele Pensionskassen und Family Offices, die selber zu Kompetenzzentren geworden sind. Diese verfügen oft zudem national und international über exzellente Netzwerke, die bei der Due Diligence genutzt werden können. Expertise findet man auch bei vielen PE- und VC-Investoren. Sei es bei Direktinvestments oder im Fondsbereich.

Was machen kleine bis mittelgroße Investoren, die weder über große Budgets noch umfangreiche „Feedback-Netzwerke“ bei Real Asset-Investitionen verfügen? Wie sähe ein idealer Berater in diesem Bereich aus? Ideale sind schwer zu verwirklichen, aber eine Richtung können sie skizzieren. Abstriche kann man immer machen, die Anforderungen den realen Begebenheiten und Ressourcen anpassen. Real Asset-Investments umfassen Felder wie Regulierung, Konzeption, Wirtschaftlichkeitsberechnung und Projektmanagement.

Es würde nahe liegen, dass ein guter Consultant einen großen Teil der Prozesskette in einem Beratungsfeld auch praktisch „beherrscht“: Im Bereich Erneuerbare Energien kann das bedeuten, dass der Berater selber bereits in dem Bereich der zu beurteilenden Investmentobjekte (Wind, Solar, Biomasse etc.) praktisch tätig war bzw. vielleicht sogar mit eigenem Geld investiert ist. Er muss sich mit der Technologie auskennen und er muss über ein umfangreiches Netzwerk verfügen.

Gerade bei Investitionsalternativen, die nicht von größeren Beraterhäusern abgedeckt werden, kann ein weiterer Pluspunkt sein, dass der Consultant selbst Unternehmer ist oder Investments von Unternehmen tätigt (Beispiel: Family Offices). Die Consultants, die diese Fähigkeiten auch an Investoren kommunizieren können, sind im Vorteil. Spricht man mit diesen „kleinen“ Consulting-Spezialisten findet man viele Ähnlichkeiten mit dem Bereich Fondsboutiquen (Markttransparenz, Eigentümereigenschaft, Unternehmer-Mentalität). Auch ausländische Adressen werden zunehmend auf deutsche Expertise in der Beratung aufmerksam (Erneuerbare Energien). Einzelne Häuser schaffen es auf diese Weise mit langem Atem sogar zum Advisor von Fonds zu werden. Kurzum, vorteilhaft ist die „Beherrschung“ bzw. „Durchdringung“ der jeweiligen Wertschöpfungskette in Theorie und Praxis!

Quelle: www.institutional-investment.de


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