KOLUMNEN

16:01 | 25.08.2011
Schnäppchenpreise bei Goldminenaktien

Während derzeit der Goldpreis von Rekord zu Rekord eilt, fallen die Notierungen der Minengesellschaften, die dadurch ihre Profite steigern. Die Ursache dieser Auseinanderentwicklung ist vor allem im Bereich der Psychologie zu suchen. Viele besorgte Anleger vertrauen nur noch auf Münzen und Barren. Sie sind skeptisch gegenüber allem anderen – auch gegenüber Goldminen. Das könnte sich ändern, wenn die Anleger wieder stärker auf die Fakten schauen. Denn gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), sind Goldminen und Explorationsunternehmen so günstig wie lange nicht mehr.

So überschritt zuletzt der Gold-Kassakurs am Spotmarkt in London die Marke von 1.700 US-Dollar. Ein Ende des Preisauftriebs ist nicht in Sicht: Angesichts der anhaltenden geopolitischen und finanzpolitischen Unsicherheiten erwarten wir, dass immer mehr Anleger in Sachwerte flüchten. Auch die Notenbanken setzen wieder verstärkt auf das Edelmetall.

Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp. Mancher der großen Anbieter hat schon jetzt Mühe, die aktuelle Produktion durch neue Funde zu ersetzen. Denn es dauert im Schnitt fünf bis acht Jahre eine neue Mine zu erschließen. Explorationsunternehmen und jüngere Minengesellschaften, die oft teuer übernommen werden, profitieren von diesem Trend.

Während sich jedoch das physische Gold verteuert, ziehen die Kurse vieler Goldminengesellschaften nicht mit. In diesem Jahr sind ihre Notierungen sogar gefallen. Der Markt ignoriert die steigenden Gewinne der Branche. Derzeit gilt: Steigt der Goldpreis um zehn Prozent, dann legen die Profite der Minengesellschaften um 24 Prozent zu. Der Grund: Wenn der Preis des Edelmetalls steigt, erhöhen sich dadurch die Förderkosten nicht. Somit verdienen die Gesellschaften pro Mengeneinheit gerechnet deutlich mehr.

So kostet es derzeit beispielsweise durchschnittlich 1.000 Dollar, eine Unze Gold zu fördern. Bei einem Preis von 1.700 Dollar pro Unze bleibt den Herstellern somit eine Marge von 700 Dollar. Die Unternehmen machen damit den größten Profit seit der Bullenmarkt des Edelmetalls begonnen hat. Der Analyst Barry Cooper von CIBC Capital hat errechnet, dass die Gewinne der großen Minengesellschaften seit 2009 um 67 Prozent gestiegen sind. Ihr Cash-Flow habe sich verdoppelt. Bei mittelgroßen Gold-Förderern hat sich der Cash-Flow sogar verdreifacht.

Dennoch stieg zwar der Goldpreis seit Jahresbeginn in Euro gerechnet um mehr als 13 Prozent, der HSBC Global Mining Index fiel hingegen um 13 Prozent. Daher sind die Aktien vieler Minengesellschaften und Goldförderer echte Schnäppchen: Zahlten Anleger für die Blue-Chips der Branche früher das 30 bis 50fache des Gewinns, sind die Titel derzeit für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 bis 20 zu haben. Bei mittelgroßen Aktien ist der Effekt noch stärker. Denn Anleger meiden derzeit das Risiko. Nach den jüngsten Kursgewittern lohnt daher der Einstieg.

So wird derzeit die Aktie der kanadischen Gesellschaft Barrick Gold mit einem KGV von 13 gehandelt. Ein Grund: Viele Anleger goutierten die Übernahme des Kupferproduzenten Equinox nicht. Der Kurs fiel. Doch dieser Effekt scheint maßlos übertrieben. Die Kupfervorkommen sind von guter Qualität und das Unternehmen erzielt sowohl beim Gold- als auch beim Kupferabbau hervorragende Ergebnisse.

Zugegeben: Auch die Kosten der Anbieter haben sich im historischen Vergleich verteuert. Das liegt einerseits an den tieferen Goldgehalten der Vorkommen, aber auch an steigenden Arbeits- und Energiekosten. Von dieser Kosteninflation sind alle Unternehmen der Branche betroffen, also Produzenten, Entwickler und Explorationsunternehmen. Doch auch hier ist die Skepsis überzogen. So ist im ersten Halbjahr der Goldpreis um rund 300 Dollar pro Unze gestiegen, die Kosten der meisten Unternehmen legten um 170 Dollar zu. Die Gewinne wachsen also. Dennoch gilt es auszuwählen: Wir nehmen vor allem Gesellschaften mit hochgradigen Vorkommen und tiefen Abbaukosten ins Portfolio. Dazu zählt beispielweise Eldorado Gold, das seine Produktion bis 2015 auf 1,5 Millionen Unzen verdoppeln will.

Goldminenaktien und Fonds, die auf solche Titel setzen, weisen unterm Strich eine beträchtliche Unterbewertung gegenüber physischem Gold auf. Noch stärker ist die Diskrepanz bei mittelgroßen Titeln. Kurzfristig ist es zwar möglich, dass sich die Schere zwischen Goldpreis und Aktienkursen weiter öffnet. Doch mittelfristig korrelieren Goldminen mit dem Goldpreis. Bis Ende des Jahres erwarte ich daher, dass Goldaktien besser abschneiden werden als das physische Gold, das ebenfalls weiter steigen könnte.


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