KOLUMNEN

10:20 | 26.04.2012
US-Experte Berry: “Der Rohstoff-Supercycle wird weitergehen”

Chris Berry, anerkannter Rohstoffexperte aus den USA, war zu Gast auf der 8. Ressourcenkonferenz von CM-Equity. Seiner Ansicht nach sprechen viele Faktoren für eine langfristige Fortsetzung des Rohstoff-Supercycles. Zudem ist Berry auch weiterhin sehr optimistisch beim Gold, denn die steigenden Inflationsrisiken wirken hier auf jeden Fall stützend. Lesen Sie in diesem Interview die aktuellen Einschätzungen von Berry und seinen Ausblick für den Rohstoffmarkt.

? Es soll allgemein um den Rohstoffmarkt gehen. Wir haben zuletzt eine Korrektur bei den Rohstoffen gesehen. Erleben wir daher aktuell so etwas wie das Ende des Rohstoff-Booms?

Chris Berry: Ich glaube nicht, dass wir jetzt tatsächlich das Ende des Rohstoff-Booms sehen. Wir befinden uns vielmehr in einem übergeordneten Rohstoff-Aufwärtstrend die jetzt schon seit zehn Jahren anhält. Dabei waren die vergangenen sechs bis acht Monate tatsächlich nicht einfach. Das gilt ganz besonders für Minenaktien – ob es nun Produzenten sind oder Junior-Unternehmen.

Aber worauf wir bei unserem Research stark achten, ist die Veränderung der Lebensstandards der aufstrebenden Mittelklasse in vielen Ländern. Dabei denke ich an China, Indien aber auch Kolumbien oder Indonesien. Diese Länder haben eine sehr spannende Demographie. Diese Länder wollen auch unseren Lebensstandard erreichen. Immer mehr Menschen in diesen Ländern wollen iPhones haben, Autos fahren oder einfach nur Kühlschränke besitzen.

„Steigender Lebensstandard wird Rohstoffnachfrage weiter antreiben“

Und jede langfristige Steigerung des Lebensstandards basiert nun einmal auf dem erhöhten Verbrauch von Rohstoffen. Dabei spielen sicherlich die Edelmetalle eine Rolle. Das gilt aber auch für Industriemetalle wie Kupfer. Daher sehe ich, dass wir noch viel vor uns haben. Es ist nur eine Pause des Aufwärtstrends in dem wir uns aber immer noch befinden.

? Mit diesem Ansatz konzentrieren Sie sich auf die Nachfrageseite bei den Rohstoffen. Und es gibt verschiedene Faktoren, die die Nachfrage beeinflussen. Bis jetzt haben Sie hauptsächlich langfristige Faktoren benannt. Gibt es aber auch eher kurzfristige Faktoren, die den Rohstoffmarkt beeinflussen?

Chris Berry: Da haben Sie völlig Recht. Man sieht derzeit von beidem etwas. Wenn man sich die einzelnen Metalle anschaut, so hat fast jedes Metall ein spezielles Angebot und Nachfrage Schema und eben auch unterschiedliche Antreiber.

„Zentralbanken kaufen massiv Gold – das ist ein positives Signal für den Markt“

Wenn man sich dann also Gold anschaut und das wieder unter dem Aspekt des steigenden Lebensstandards betrachtet, dann sieht man das derzeit indische und chinesische Verbraucher aktiv Gold kaufen. Und dann gibt es noch die Zentralbanken auf der ganzen Welt, die lange Zeit als Verkäufer aktiv waren. Aber allein im Jahr 2010 haben Zentralbanken rund 55 Tonnen Gold gekauft. Im Jahr 2011 waren es schon fast 500 Tonnen.

Das gibt einen guten Eindruck davon, was Zentralbanken auf der einen Seite sagen und auf der anderen Seite tun. Dazu kann man sehr gut die US-Notenbank als ein Beispiel nehmen. So hat Fed Chef Ben Bernanke erklärt, dass die Zinsen bis 2014 erst einmal niedrig bleiben werden. Und daraus ergibt sich eine Politik des „Easy Money“ eben mit diesen niedrigen Zinsen und das ist auf jeden positiv für Gold.

Denn diese lockere Geldpolitik in den USA führt zu Inflation. Es gibt einfach ein Überangebot an Liquidität. Zu viel Geld trifft also auf zu wenige Güter. Das ist fast schon eine klassische Definition von Inflation. Und wenn genau das passiert, ist es ganz klar ein Signal, um Gold auch tatsächlich zu besitzen – ob nun in physischer Form oder auch als ETF. Zudem denke ich auch, dass dieses Umfeld auch ganz klar positiv für Goldminenaktien ist.

? Sie haben die Zentralbanken erwähnt. Diese Institutionen sind clever genug, aktuell Gold zu kaufen. Sehen Sie das auch als eine Strategie für Investoren an?

Chris Berry: Auf jeden Fall sollten sich Investoren dessen bewusst sein. Wie gesagt, Zentralbanken waren über Lange Zeit Goldverkäufer. Sie haben einfach keinen Nutzen im Gold gesehen. Aber nun hat sich das geändert. Und das gilt eben nicht nur für Notenbanken, an die wir sofort denken.

Ein Beispiel ist Venezuela. Das Land hat seine Goldreserven, die bis jetzt im Ausland lagerten, wieder ins Land zurückgeholt. Auch Kasachstan hat ein Gesetz eingeführt, was dem Staat ein Vorkaufsrecht für Gold gibt, das in Kasachstan gefördert wurde.

Grundsätzlich sieht man an solchen Entwicklungen, dass sich die Dynamik des Marktes umgestellt hat. Hinzu kommen die riesigen Schulden die wir hier im Westen angehäuft haben. Auch das ist ein weiteres positives Signal, warum man Gold besitzen sollte.

? Also haben wir beim Roshtoff-Supercycle nur eine Pause aber dieser Trend ist noch nicht vorbei.

Chris Berry: Keine Frage – er ist auf jeden Fall noch nicht vorbei. Sicherlich lässt die Wachstumsdynamik in China nach, wenn man den offiziellen Daten Glauben schenkt. Und daher schauen wir bei unserem Research verstärkt auf andere Länder, die ein Nachlassen der Rohstoffnachfrage aus China kompensieren können.

„Wenn China nachlässt, werden andere Länder die Lücke bei der Rohstoff-Nachfrage schließen“

Und wir sind dabei auf eine Vielzahl von Ländern gestoßen, die diese Lücke schließen können. So gibt es eine Gruppe von Ländern die CIVETS heißen. Dieser Begriff wurde von einem HSBC-Anbalysten schon vor einigen Jahren geprägt. Im Einzelnen sind das Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. Und dann gibt es noch eine andere Gruppe die TIMBIS heißen. Das sind Türkei, Indonesien, Mexiko, Brasilien und Indien. Dazu gehören also auch zwei der BRIC-Staaten.

„Drei Milliarden Menschen in den Emerging Marktes wollen höheren Lebensstandard“

Alle diese Länder wiesen eine sehr positive demographische Entwicklung auf. Diese Länder haben eine junge Bevölkerung und die Bevölkerung wächst und zudem breitet sich die Mittelklasse immer weiter aus. Zudem handelt es sich eher um offene Gesellschaften und sie verfügen über eine breite Wirtschaftsstruktur. Und diese Faktoren stützen auf jeden Fall eine Steigerung der Rohstoffnachfrage in der Zukunft.

? Das hört sich nicht nur gut für die nächsten Jahre an. Das ist doch eher ein langfristiger Trend auf Sicht von 30 bis 40 Jahren.

Chris Berry: Für mich ist das eine epochale Veränderung. Ich habe es schon häufiger gesagt: Der Geist ist aus der Flasche. Die drei Milliarden Menschen in den aufstrebenden Ländern wollen einen höheren Lebensstandard. Sie werden das nicht einfach vergessen. Sie sollen diese Konsumgüter und den gleichen Spaß am Leben haben, wie wir ihn hier im Westen schon so lange haben.

Ich bin auf jeden Fall weiterhin bullisch für Rohstoffe, aber es kommt schon auf den Anlagehorizont an. So bin ich sehr optimistisch für Gold und Silber auf Sicht der nächsten fünf bis zehn Jahre, weil wir noch auf Jahre hinaus mit diesem riesigen Schuldenüberhang zu kämpfen haben werden.

Und wir müssen diese Schuldenberge abbauen – vor allem auch hier in der Euro-Zone aber auch in den USA. Und wenn man sich die Daten anschaut haben wir bis jetzt noch nicht mit dem De-Leveraging begonnen.

Und es gibt Studien die besagen, dass dies ein fünf bis zehnjähriger Prozess ist – je nachdem um wie viele Schulden es dabei geht. Und ich kann an dieser Stelle ganz klar sagen, dass wir in den USA noch nicht einmal richtig damit begonnen haben. Da liegt auf jeden Fall noch ein langer Weg vor uns.

Und vor allem ausgelöst durch die Politik der Notenbanken besteht auf jeden Fall die Gefahr einer Inflation. Und das ist ohne Frage gut für Gold in der Zukunft.

Die hier angebotenen Artikel stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Artikel und Berichte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine wie immer geartete Handlungsaufforderung dar.


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