13:35 | 14.11.2008
HINTERGRUND: Börsen droht von Hedge-Fonds keine neue Verkaufswelle
FRANKFURT (dpa-AFX) – Den Aktienmärkten droht laut Experten in der
anhaltenden Finanzkrise keine neue Abwärtsspirale durch eine Verkaufswelle von
Hedge-Fonds. Hintergrund entsprechender Befürchtungen ist der Stichtag am 15.
November, der so genannte “Redemption Day”: Bis zu diesem Tag müssen die Kunden
vieler Hedge-Fonds entscheiden, ob sie ihre Mittel zum Jahresende abziehen oder
auf bessere Zeiten vertrauen. Die deutlichen Mittelabflüsse bei alternativen
Vermögensverwaltern sind in den vergangenen Wochen als einer der Hauptgründe für
die Einbrüche an den Börsen genannt worden. Genau darauf gründet aber der
Optimismus der Experten – sie glauben, dass die Hauptverkaufswelle bereits
vorbei ist.
MIT ‘REDEMPTION DAY’ KÖNNTE DRUCK NACHLASSEN
Nach Einschätzung von Experten einer US-Bank sind die meisten
Verkaufsaufträge von Hedge-Fonds bereits getätigt, weshalb der Druck auf die
Märkte von dieser Seite “zur Monatsmitte merklich nachlassen sollte”. Dazu
machen sie folgende Rechnung auf: Hedge-Fonds dürften knapp 2.000 Milliarden
US-Dollar verwalten und aus deren Kreisen sei zu hören, im letzten Quartal des
Jahres seien fast 20 Prozent des Vermögens abgezogen worden – also etwa 400
Milliarden Dollar. Lege man einen Verschuldungshebel von 1,4 zugrunde, so
müssten aus den verschiedenen Vermögensklassen Werte für ungefähr 600 Milliarden
Dollar verkauft worden sein.
Das sei eine “nicht zufällige ungefähre Übereinstimmung” mit den rund 600
Milliarden Dollar an Cash-Positionen, die Hedge-Fonds derzeit wohl hielten,
fahren die Experten fort. Sie stützen sich in ihrer Schätzung auf die jüngsten
Berichte von Dach-Fonds. Zudem warteten Hedge-Fonds mit ihren Verkäufen in der
Regel nicht bis zum letzten Tag der “Redemption”-Frist. In den anschließenden
wenigen verbliebenen Wochen bis zum Jahresende könnte der Aktienmarkt durch den
nachlassenden Verkaufsdruck daher sogar positive Impulse erhalten.
KEINE SPEKULATIONSNEIGUNG IM DERZEITIGEN UMFELD
“Ich erwarte eher nicht, dass es am 15. November zu einer außerordentlichen
Verkaufswelle kommen wird”, sagte auch Sven Ulbrich, Geschäftsführer des
Derivate-Spezialisten Oaklet. “Der Preis wird ja unabhängig vom Auftragsdatum
erst zum Rückgabetermin Ende Dezember festgezurrt und der Kunde kann über das
Geld erst danach verfügen.” Zudem sei die 45-Tages-Frist zum Jahresende zwar
eine von Hedge-Fonds häufig genutzte, aber nicht die einzige Frist für
Verkaufsaufträge. Diese Zeiträume setzten die Fonds selbst fest und 30 oder 90
Tage bis Jahresmitte oder -ende seien ebenfalls recht verbreitet.
Eine Rolle bei Kursturbulenzen könnten laut Ulbrich Fonds-Manager spielen,
die bei Verkaufsanträgen ihrer Kunden auf Zeit spielten, um einen möglichst
guten Preis zu erzielen. “Aber im derzeitigen unsicheren Umfeld wird niemand
eine Position länger als nötig halten, schon gar nicht im Dezember mit seinen
wenigen Handelstagen – das wäre Harakiri.”/gl/zb/tw
— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —
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