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12:51 | 09.02.2010
ROUNDUP 2: Heidelberger Druck verringert Quartalsverlust – Aktie legt zu

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, aktualisierter Aktienkurs,
Analystenstimmen)

HEIDELBERG (dpa-AFX) – Der Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck
hat wegen einer weiterhin schwachen Nachfrage das siebte Quartal in
Folge rote Zahlen geschrieben. Im dritten Geschäftsquartal stand unter dem
Strich ein Verlust von 11 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in
Heidelberg mitteilte. Analysten hatten indes einen höheren Verlust
einkalkuliert. Die im MDax notierte Aktie sprang zeitweise um mehr
als 5 Prozent nach oben und notierte am Mittag noch mit 1,40 Prozent im Plus bei
5,06 Euro.

Eine deutliche Trendwende in der leidenden Druckindustrie ist für
Heideldruck noch nicht abzusehen. Für das laufende Quartal rechnet der Konzern
aber mit einer leichten Erholung bei Umsatz und Aufträgen und peilt beim
operativen Ergebnis wieder schwarze Zahlen an. Die Jahresprognose bestätigte der
Vorstand. Danach soll der Umsatz deutlich unter dem des Vorjahres liegen.
Operativ rechnet Heidelberger Druck vor Sondereinflüssen mit einem Verlust
zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2008/09 hatte das
Unternehmen noch 3 Milliarden Euro umgesetzt bei einem operativen Verlust von 49
Millionen Euro.

ANALYSTEN

Die Zahlen seien “durch die Bank besser” ausgefallen, sagte ein Börsianer.
Commerzbank-Analyst Dirk Nettling hob den überraschend hohen Auftragseingang und
Fortschritte bei der Umstrukturierung hervor. Für Equinet-Analyst Holger Schmidt
sind die unerwartet guten Zahlen gar Zeichen einer Trendwende. “Der erwartete
Turnaround wird Realität.”

Zwischen Oktober und Dezember wuchs der Auftragseingang von 560 auf 609
Millionen Euro und damit auf den höchsten Stand seit fünf Quartalen. Der Umsatz
fiel auf 578 Millionen Euro nach 750 Millionen vor einem Jahr. “Vor allem in
China und Deutschland konnten wir ordentliche Geschäftserfolge erzielen”, sagte
Vorstandschef Bernhard Schreier. Da die Druckereien weltweit generell aber immer
noch zurückhaltend mit Investitionen sind, kann Schreier aber derzeit noch keine
deutliche Erholung ausmachen. In Europa, dem Mittleren Osten und in Afrika
scheine die Talsohle durchschritten. In Nordamerika sei hingegen noch keine
Verbesserung zu erkennen.

OPERATIVER VERLUST

Das Geschäft in den einzelnen Druckereisparten entwickelt sich den Angaben
zufolge sehr unterschiedlich. Bei den Werbedruckern seien die Auslastung und
damit auch der Investitionsbedarf weiterhin sehr niedrig, sagte Schreier.
Dagegen laufe das Geschäft im Verpackungsdruck stabil. Derzeit beobachtet der
Vorstand positive Signale vor allem aus Asien. Diese reichten aber nicht aus, um
die Rückgänge aus den Industrieländern zu kompensieren. In China produziert
Heideldruck standardisierte Druckmaschinen und will seinen dortigen
Mitarbeiterstab von 300 auf 600 ausbauen. Angesichts der “schwersten Absatz- und
Branchenkrise des Unternehmens” hat laut Schreier Kostendisziplin für das
Unternehmen weiter höchste Priorität. Die Kreditlinien seien bis 2012 gesichert.

Operativ verlor der Konzern im dritten Geschäftsquartal vor Sondereinflüssen
13 Millionen Euro. Einschließlich Sondereffekten, also vor allem nicht
benötigten Rückstellungen für den Personalabbau und Effekten aus dem
Sparprogramm, lag der operative Gewinn bei 17 Millionen Euro. Zum wichtigen
Thema Finanzierung gab es Neuigkeiten: Heidelberger will eine eigentlich bis
2012 laufende Wandelanleihe bereits in diesem Februar zurückzahlen. Sein
Überleben hatte der Konzern zuletzt nur durch staatliche Bürgschaften und
Kredite sichern können.

UMBAU

Heidelberger Druck trennt sich derzeit von 4.000 seiner einst 20.000
Mitarbeiter. Ein neuer Zuschnitt des Konzerns soll die Lage zusätzlich
entspannen: Der Konzern gliedert sich ab 1. April in die Sparten Produkte und
Services sowie Finanzdienstleistungen. Bislang war das Unternehmen in
Drucktechnik und Weiterverarbeitung wie Verpackungsmaschinen aufgeteilt. In
diesen Sparten wurden auch die Wartung und der Verkauf von Verbrauchsmaterialien
abgewickelt. Künftig will Heidelberger Druck ein Vertriebsnetz verstärkt für
Logistik-Dienstleistungen rund um den Druckbetrieb nutzen./stb/stw

— Von Stefan Bauer, dpa-AFX —


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