10:50 | 09.03.2010
ROUNDUP 2: Deutsche Post spart sich durch Krise – Aktienkurs sinkt
(neu: Kommentare von Post-Chef Frank Appel und Details)
BONN (dpa-AFX) – Bei der Deutschen Post hat die weltweite
Konjunkturkrise im vergangenen Jahr Umsatz und operativen Gewinn gedrückt.
Besonders die Express-Sparte und das Speditionsgeschäft litten stark unter dem
weltweiten Konjunktureinbruch und schrumpften beim Umsatz um knapp ein Viertel,
wie das im Dax notierte Unternehmen am Dienstag in Bonn mitteilte.
Insgesamt sank der Umsatz von 54,47 auf 46,20 Milliarden Euro. Die Bonner
steuerten mit drastischen Sparanstrengungen gegen und schraubten die Kosten um
1,1 Milliarden Euro herunter. Für 2009 schlägt die Post eine unveränderte
Dividende von 0,60 Euro vor. Künftig will das Unternehmen 40 bis 60 Prozent des
Konzerngewinns ausschütten.
Am Vormittag sank der Post-Kurs um 0,78 Prozent auf 12,705 Euro,
zwischenzeitlich hatte das Minus rund 3,5 Prozent betragen. Besonders beim
Gewinn blieben die Bonner hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Auch der
Ausblick für 2010 sei schwächer als erwartet ausgefallen. Nach der sehr guten
Kursentwicklung der Aktien in der Vorwoche komme es nun zu Gewinnmitnahmen.
APPEL: ERHOLUNGSTREND VERSTÄRKT SICH
“Wir haben uns 2009 in Anbetracht der sehr widrigen gesamtwirtschaftlichen
Umstände äußerst respektvoll geschlagen”, sagte Unternehmenschef Frank Appel.
“Das zweite Halbjahr war klar besser als das erste.” Zunächst einmal sei aber
nur der Gegenwind abgeflaut. In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres habe
sich der moderate Erholungstrend sogar noch leicht verstärkt.
Die Investitionen will Appel in diesem Jahr von 1,17 Milliarden auf 1,4
Milliarden Euro aufstocken. Hauptzweck sollen Innovationen sein – zum Beispiel
der Online-Brief, mit dem er den Umsatzrückgang im traditionellen Briefgeschäft
teilweise auffangen will. Übernahmen stehen nicht im Fokus. Allenfalls sehr
wenige kleine Zukäufe sollen kommen. Zudem soll Geld in die
Pensionsverpflichtungen und in die Stärkung des Ratings fließen. Erst danach
seien Sonderdividenden oder ein Aktienrückkauf denkbar.
OPERATIVER GEWINN SINKT
Der operative Gewinn vor Einmaleffekten schrumpfte 2009 von 2,011 auf 1,473
Milliarden Euro. Hier schlugen der Niedergang des Briefgeschäfts sowie der
konjunkturbedingte Einbruch im Speditionsgeschäft (Global Forwarding) zu Buche,
welches um knapp ein Drittel auf 272 Millionen Euro sank. Die Briefsparte trug
weiterhin mit 1,412 Milliarden Euro den Löwenanteil zum operativen Gewinn bei,
setzt aber ihren Niedergang mit einem Gewinnrückgang um 14 Prozent fort.
Allerdings verringerte der Rückzug aus dem hochdefizitären inneramerkanischen
Expressgeschäft die dortigen Verluste. 2009 fuhr die Post dort einen geringeren
operativen Verlust als vom Markt erwartet ein. Die Bonner steuerten in der Krise
gegen und schraubten mit einer drastischen Sparanstrengung die Kosten um 1,1
Milliarden Euro herunter.
Dank des Verkaufs der Postbank kam die Post unterm Strich wieder mit 644
Millionen Euro in die schwarzen Zahlen nach minus 1,688 Milliarden Euro vor
einem Jahr. Für das laufende Jahr verspricht die Post, diesen Gewinn zu
übertreffen. Dabei werde ihr helfen, dass insbesondere der Umbau in den USA
abgeschlossen sein werde. Der operative Gewinn vor Einmaleffekten soll auf 1,6
bis 1,9 Milliarden Euro steigen. Dazu soll die Briefsparte 1,0 bis 1,2
Milliarden Euro beisteuern, das DHL-Geschäft 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro.
Ausgelagerte Kosten für die Zentralbereiche schätzt die Post auf 400 Millionen
Euro.
ERHOLUNG IN AUSSICHT
Eine Umsatzprognose gab die Post nicht, stellte aber eine moderate Erholung
der weltweiten Transportmengen in Aussicht. Weitermachen will die Post mit ihrem
jetzigen Führungspersonal. Sie verlängerte die Verträge der Vorstände für
Kontraktlogistik und Spedition, Bruce Edwards und Hermann Ude, um fünf Jahre bis
2016./fn/wiz/tw
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