10:16 | 18.07.2008
Aktien Europa Eröffnung: Leichter – Nachrichten aus der Finanzbranche
PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Die wichtigsten europäischen Börsen sind vor dem
Wochenende belastet von neuen negativen Nachrichten aus der Finanzbranche mit
Kursverlusten in den Handel gestartet. Der EuroSTOXX 50 verlor im
frühen Handel 0,04 Prozent auf 3.254,66 Punkte. Der STOXX 50 fiel um
0,29 Prozent auf 2.779,32 Zähler. In London gab der FTSE 100 0,23
Prozent auf 5.274,40 Punkte ab. Der CAC-40-Index büßte 0,34 Prozent
auf 4.211,78 Zähler ein.
Der nachbörslich berichtete unerwartet hohe Ergebniseinbruch von Merrill
Lynch habe die freundlichen Impulse der US-Börsen zunächst
aufgewogen, sagte ein Börsianer. Zudem denkt der angeschlagene
Hypothekenfinanzierer Freddie Mac laut einem Bericht des
“Wall Street Journal” über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 10 Milliarden
US-Dollar mittels Ausgabe neuer Aktien nach. Nach der deutlichen Kurserholung
seit Mittwochnachmittag drohten vor dem Wochenende damit Gewinnmitnahmen.
Wichtige Konjunkturdaten stehen nicht auf der Agenda. Dafür geht die
US-Berichtssaison mit Zahlen von Citigroup und Honeywell
International weiter.
Trotz der negativen Zahlen von Merrill Lynch arbeiteten
sich europäische Bankenwerte im frühen Handel ins Plus. Börsianer verwiesen auf
Schnäppchenkäufe. Nach den deutlichen Verlusten seien Finanzwerte immer wieder
gefragt. Societe Generale stiegen nach einem schwachen
Start um 0,88 Prozent auf 53,97 Euro. Royal Bank of Scotland (RBS)
legten sogar 3,84 Prozent auf 186,375 Pence zu.
In Paris verloren Aktien von L’Oreal nach enttäuschenden
Umsätzen 6,73 Prozent auf 61,84 Euro. Der weltgrößte Kosmetikkonzern hat im
zweiten Quartal weniger umgesetzt als erwartet und daraufhin seine Erwartungen
für das Gesamtjahr gekappt – wie L’Oreal am Vortag nach Börsenschluss mittelte.
Vor allem das Nord-Amerika-Geschäft entwickelte sich für den Branchenprimus
schwach. Rückschläge musste der französische Konzern aber auch in West-Europa
einstecken, seinem nach wie vor wichtigsten Markt. Einzig in den
Schwellenländern konnte L’Oreal deutlich wachsen.
Aktien der belgischen Einzelhändlers Delhaize Group
rutschten nach einer Kappung der Jahresziele um 16,27 Prozent auf 33,50 Euro ab.
Das Unternehmen verwies auf die sich abschwächende Nachfrage sowohl in Europa
als auch in den USA und senkte seine Wachstumserwartungen für Umsatz und
Nettogewinn. Analysten von Degroof setzten daraufhin ihre Bewertung und ihre
Schätzungen unter Beobachtung. Auch andere Aktien in dem Sektor wurden belastet.
So gaben Titel des niederländischen Konkurrenten Ahold 6,84
Prozent auf 7,895 Euro ab.
Europäische Lebensmittelwerte wurden von der negativen Stimmung in dem
Sektor ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Groupe Danone
verloren 3,35 Prozent auf 42,93 Euro, Nestle büßten 3,12
Prozent auf 42,92 Franken ein und Unilever gaben
2,00 Prozent auf 17,85 Euro ab. Ein Händler zählte verschiedene
Belastungsfaktoren auf. Neben den Zahlen von Coca Cola
wirkten auch die Zahlen von L’Oreal indirekt negativ auf die Branche. Andere
Börsianer verwiesen unter anderem auf eine Studie der Royal Bank of Scotland
(RBS) zu Konsumgütern als Belastung, in der Tabakwerte als
attraktiver im Vergleich zu Titeln von Lebensmittel- und Haushalts- sowie
Kosmetikherstellern bewertet wurden.
Nokia stiegen am Tag nach ihrer Zahlenvorlage um 1,41
Prozent auf 17,24 Euro. Die Analystenkommentare waren unterschiedlich
ausgefallen. Während die Credit Suisse ihre Gewinnschätzungen anhob und die
Titel mit einem Ziel von 18,50 Euro und der Einschätzung “Neutral” bestätigte,
senkte Goldam Sachs das Kursziel für die Aktien von 21 auf 20 Euro bei einer
“Neutral”-Bewertung. Die Societe Generale hob das Kursziel von 14,50 auf 15,00
Euro, blieb aber bei ihrer “Sell”-Empfehlung und Lehman Brothers beließ die
Bewertung auf “Overweight”./FX/gr/dr
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