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18:00 | 23.10.2008
Aktien Frankfurt Schluss: Verluste dank freundlicher US-Börsen eingedämmt

FRANKFURT (dpa-AFX) – Im Schlepptau freundlicher US-Börsen hat der deutsche
Aktienmarkt am Donnerstag seine Verluste eindämmen können. Der DAX
schloss mit minus 1,12 Prozent bei 4.519,70 Zählern. Der MDAX fiel um
1,67 Prozent auf 5.264,34 Punkte. Beim TecDAX gab es belastet vom
Verkaufsdruck bei den schwer gewichteten Solarwerten deutlichere Abschläge von
4,79 Prozent auf 505,56 Zähler.

“Unternehmensnachrichten interessieren den Markt im Moment kaum und die
Stimmung ist wegen der Ängste vor einer Rezession weiter negativ”, kommentierte
Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser, das
Börsengeschehen. Die institutionellen Anleger bräuchten derzeit Liquidität und
verkauften auch gute Aktien. Angesichts der bisher schwachen Woche könnte es am
Freitag zwar zu einer Gegenbewegung kommen, “aber die wäre nur technisch
getrieben und von kurzer Dauer”.

Die Daimler-Aktie fiel nach einer erneut gesenkten Jahresprognose
zeitweise auf ein Tief bei 21,95 Euro, erholte sich aber wieder etwas und gab zu
Handelsschluss noch 1,26 Prozent auf 23,82 Euro ab. Die negativen Aussagen des
Autobauers seien letztlich nicht überraschend gekommen, sagten Experten. Daimler
rechnet nach einem dramatischen Ergebniseinbruch im dritten Quartal für das
Gesamtjahr nur noch mit einem operativen Ergebnis von mehr als sechs Milliarden
Euro. Die ursprüngliche Prognose war zum Halbjahr bereits von 7,7 auf rund 7
Milliarden Euro reduziert worden. Zudem wurde das Aktienrückkaufprogramm
ausgesetzt.

Aktien von METRO brachen am DAX-Ende um 12,35 Prozent auf 22,85
Euro ein. Negative Studien und ein Pressebericht belasteten die Aktien. Der
“Financial Times Deutschland” (FTD) zufolge verfinstern sich die Aussichten für
den Handelskonzern. Von der Zeitung zitierte Analysten und Branchenkenner
befürchten vor allem eine Abkühlung der Konsumstimmung im Osteuropageschäft, was
METRO stark belasten würde. Morgan Stanley nahm das Kursziel wegen
Rezessionssorgen von 48 auf 25 Euro zurück und blieb beim Votum “Underweight”.
Die Societe Generale hält eine Gewinnwarnung mittlerweile aufgrund der schwachen
Konjunkturaussichten für unausweichlich und stufte die Aktie von “Hold” auf
“Sell” ab.

Siemens-Papiere verbilligten sich nach der Bilanzvorlage eines
Konkurrenten um 7,17 Prozent auf 43,52 Euro. Händler verwiesen auf die teilweise
schwachen Zahlen und einen vorsichtigen Ausblick des Schweizer Industriekonzern
ABB .

Dagegen ging es für Anteilsscheine von Bayer dank eines Artikels
und erneut aufgeflammter Übernahmespekulationen um 3,48 Prozent auf 43,17 Euro
hoch. Händlern zufolge sorgte ein Artikel des Journals über die positive Wirkung
des Antikörpers Alemtuzumab, der bereits zur Behandlung von Leukämie zugelassen
ist, gegen Multiple Sklerose (MS), für Unterstützung. Der Artikel fasst
allerdings im Kern laut Bayer-Schering-Pharma nur bereits seit gut einem Jahr
bekannte Erkenntnisse zusammen. Stützend wirke auch die Spekulation im
“Bernecker Aktionärsbrief”, derzufolge Bayer ein Übernahmekandidat sei. Als
möglicher Interessent werde immer wieder Pfizer genannt.

Praktiker-Titel sprangen mit plus 16,18 Prozent auf 5,17 Euro an
die MDAX-Spitze. Das Unternehmen setzte im dritten Quartal wegen der Schwäche im
Deutschland-Geschäft zwar weniger um als im Vorjahr, doch fanden die Zahlen und
die bestätigten Jahresprognosen positiven Anklang am Markt.

Eine weitere Gewinnwarnung erreichte den Markt durch den Rüstungskonzern
Rheinmetall . Dieser senkte seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um
zehn Prozent. Die Aktie brach daraufhin um 11,79 Prozent auf 21,70 Euro ein.
Händlern zufolge wurde am Markt bereits befürchtet, dass Rheinmetall die
Prognose kürzen muss. “Jüngst hatte das Management bereits die Zusammensetzung
des Ausblicks geändert und angedeutet, dass der Bereich Automotive nicht so
stark ist”, sagte ein Börsianer.

Im TecDAX gerieten Q-Cells-Titel mit minus 13,21 Prozent auf 27,19
Euro stark unter Druck. Es gebe einerseits mehrere Faktoren, die den gesamten
Solarsektor belasteten, sagten Händler. Offenbar lösten Umweltfonds Positionen
auf und mit dem fallenden Ölpreis verlören die Aktien der Anbieter erneuerbarer
Energien im Vergleich zu Ölwerten an Attraktivität, hieß es. Daher würden wohl
Umschichtungen vorgenommen. Andererseits wirkten bei Q-Cells wohl noch negative
Meldungen der Vortage wie etwa die Anteilsreduzierung der Fondsgesellschaft
Fidelity nach. Auch die anderen Solartitel verloren deutlich./gl/he


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