14:32 | 02.09.2008
Allianz: Experten loben Dresdner-Verkauf – Commerzbank-Anteil nicht auf Dauer
FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach dem beschlossenen Verkauf seiner Tochter Dresdner
Bank an die Commerzbank sehen Branchenexperten für den Versicherer
Allianz wieder Licht am Ende des Tunnels. “Nicht nur, dass die Allianz
künftig um ein Drittel weniger im Bankensektor engagiert ist. Auch die
Risikostruktur verbessert sich”, sagt Analyst Stephan Kalb vom Bankhaus Sal.
Oppenheim. Experten erwarten nicht, dass die Allianz langfristig mit einem
knappen Drittel an der fusionierten Dresdner-Commerzbank beteiligt bleiben will.
Positiv werten die Analysten jedenfalls, dass die Allianz überhaupt das Ende
des Dresdner-Bank-Abenteuers eingeleitet hat. “Die gefundene Lösung halten wir
im Ganzen für einen positiven Kompromiss”, lautet das Fazit des
Deutsche-Bank-Analysten Spencer Hogan. Vor allem gefällt ihm die faktische
Put-Option, die sich der Versicherer für das Bankgeschäft geschaffen hat. Statt
weiter Geld in die Tochter Dresdner Bank zu stecken und möglicherweise neu
entstehende Löcher zu stopfen, halte die Allianz künftig einen
Commerzbank-Anteil, dessen Wert nicht unter Null fallen könne.
BANK-BETEILIGUNG IST NICHT PFLICHT
Merck-Finck-Analyst Konrad Becker erwartet, dass sich die Allianz in
absehbarer Zeit nicht von ihren Commerzbank-Aktien trennt. So könne sie nach dem
Ende der Finanzkrise von einem steigenden Kurs profitieren. Nach Einschätzung
von Deutsche-Bank-Analyst Hogan wird der Versicherer seinen Anteil langfristig
reduzieren: “Wir sollten erwarten, dass eine Beteiligung zwischen fünf und zehn
Prozent auf lange Sicht annehmbar wäre.” Reduzieren kann die Allianz ihren
Anteil voraussichtlich im Jahr 2010. Denn nach dem zweiten Schritt des
Dresdner-Verkaufs, der bis Ende 2009 vollzogen sein soll, muss sie die
Commerzbank-Aktien noch ein halbes Jahr lang behalten.
Auf längere Sicht hat die große Bank-Beteiligung für den Versicherer aus
Expertensicht allerdings nicht viel Sinn. “In der Vertriebsvereinbarung zwischen
Commerzbank und Allianz gibt es keinen vertraglichen Zwang, dass der Versicherer
überhaupt an der Bank beteiligt sein muss”, schreibt Hogan.
MEHR FILIALEN UND MÖGLICHE KUNDEN
Der Verkauf von Versicherungen über den Bankschalter – Bancassurance genannt
- hat seiner Einschätzung nach in Deutschland kaum Chancen, der dominierende
Vertriebskanal zu werden. Immerhin stünden der Allianz nach der Fusion 1.200
statt der vorigen 900 Bankfilialen für den Vertrieb zur Verfügung. Die
Kundenzahl steige sogar um 75 Prozent. “Das hat sicher ein paar positive
Auswirkungen.” Diese greifen allerdings erst ab 2010, wenn die Commerzbank bei
den Versicherungen von ihrem bisherigen Partner Generali auf
Allianz-Produkte umstellt./stw/fj/tw
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