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10:11 | 08.06.2015
APA ots news: 2016 bringt Ende der vierjährigen Konjunkturschwäche

Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2015 bis 2017
vom Juni 2015

Wien (APA-ots) – Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht in ihrer
vorliegenden Prognose – wie auch schon im Dezember 2014 – von einem
Wachstum der österreichischen Wirtschaft von +0,7 % im Jahr 2015 aus.
Für das Jahr 2016 wird ein Wachstum von +1,9 % und für das Jahr 2017
von +1,8 % erwartet. Das Wachstum für 2016 wurde gegenüber der
Dezemberprognose um +0,3 Prozentpunkte nach oben revidiert. Die
HVPI-Inflation (Harmonisierter Verbraucherpreis¬index) ist im
Gesamtjahr 2015 mit einem Anstieg um +0,9 % im historischen Vergleich
sehr niedrig. 2016 und 2017 wird sie aufgrund des Anziehens der
Konjunktur und des Auslaufens der dämpfenden Wirkungen der
Energiepreise wieder auf +1,9 % bzw. +2,0 % steigen. Die
Arbeitslosenquote wird heuer aufgrund der schwachen Konjunktur und
des anhaltenden Anstiegs des Arbeitsangebots weiter auf 5,7 %
zunehmen. Erst 2017 wird sie geringfügig auf 5,5 % sinken. “Wir
erwarten im Jahr 2016 endlich ein Ende der vierjährigen
Wirtschaftsschwäche”, kommentiert OeNB-Gouverneur Univ.-Prof. Dr.
Ewald Nowotny die Prognose.

Wirtschaftserholung im Euroraum – doch Österreichs Exporteure
verlieren Marktanteile

Seit Ende 2014 profitiert der Euroraum vom im Verlauf des Jahres 2014
stark gesunkenen Erdölpreis. Das erweiterte Programm des Eurosystems
zum Ankauf von Vermögenswerten sollte zu einem Anstieg der
Inflationserwartungen und zu einer Dämpfung der Realzinsen führen.
Die Ankündigung des Programms hat bereits eine Abwertung des Euro
bewirkt, die die kurzfristige preisliche Wettbewerbsfähigkeit stützt.
Die Fiskalpolitik wirkt nicht mehr dämpfend auf das
Wirtschaftswachstum. Somit schreitet die wirtschaftliche Erholung im
Euroraum voran, das Wachstum wird sich von +0,9 % im Jahr 2014 auf
2,0 % im Jahr 2017 beschleunigen.

Österreichs Exporteure verzeichneten in den letzten Jahren eine
Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, die mit
Marktanteilsverlusten für heimische Exporte einherging. Auf dem
Kernmarkt Deutschland wurden österreichische Exporteure in wichtigen
Bereichen von Exporteuren anderer Länder verdrängt. Trotzdem wird es
aufgrund der insgesamt zunehmenden Dynamik der Exportmärkte zu einer
Beschleunigung des Exportwachstums von +2,8 % im Jahr 2015 auf
jeweils +4,8 % in den Jahren 2016 und 2017 kommen. In den kommenden
zwei Jahren wird die Konjunktur vor allem von der Inlandsnachfrage
getragen werden. Das Wachstum der Importe verstärkt sich daher
ebenfalls. 2016 und 2017 werden die Nettoexporte daher nur
geringfügig zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Investitionen erholen sich nur langsam

Die aktuelle Investitionsschwäche ist einerseits durch die geringe
gesamtwirtschaftliche Nachfrage und anderseits durch eine ausgeprägte
Unsicherheit über die zukünftige Ertragslage bedingt. Die
Investitionen werden im Jahr 2015 zwar schrumpfen (-1,9 % gegenüber
dem Vorjahr), jedoch wird bereits im zweiten Halbjahr 2015 ein
Rückgang der Unsicherheit und eine langsame Erholung der
Investitionstätigkeit erwartet. Die Investitionskonjunktur wird
hierbei vor allem von den Ausrüstungsinvestitionen getragen.

Niedrige Inflation und Steuerreform stützen privaten Konsum

Die HVPI-Inflation schwächte sich vor allem aufgrund der stark
rückläufigen Energiepreise weiter ab. Allerdings weist Österreich
bereits seit einigen Jahren eine höhere Inflationsrate als der
Euroraum auf. Die HVPI-Inflation ist im Jahr 2015 mit einem Anstieg
um +0,9 % im historischen Vergleich sehr niedrig. 2016 und 2017 wird
sie aufgrund des Anziehens der Konjunktur und des Auslaufens der
dämpfenden Wirkungen der Energiepreise wieder auf +1,9 bzw. +2,0 %
steigen.

Der wichtigste Impuls für die Entwicklung der real verfügbaren
Haushaltseinkommen kommt im Jahr 2015 von der gesunkenen Inflation
und im Jahr 2016 von der Steuerreform. Letztere wird ab dem Jahr 2016
zu einer deutlichen Entlastung der Haushalte führen und das Wachstum
der verfügbaren Haushaltseinkommen um 1,6 Prozentpunkte im ersten
Jahr und um 0,4 Prozentpunkte im darauf folgenden Jahr stärken. Damit
fällt der Zuwachs im real verfügbaren Haushaltseinkommen mit +1,8 %
(2015), +2,8 % (2016) und +1,6 % (2017) deutlich höher aus als in den
Vorjahren. Daher wird sich der private Konsum insbesondere 2016 und
2017 dynamischer entwickeln als in der jüngsten Vergangenheit.

Arbeitslosigkeit bleibt erhöht

Die Beschäftigung wird 2015 trotz schwacher Konjunktur
verhältnismäßig stark wachsen (+0,7 %). Für die beiden kommenden
Jahre wird konjunkturbedingt eine Beschleunigung des
Beschäftigungswachstums erwartet. Das Arbeitsangebot wird über den
gesamten Prognosezeitraum weiter steigen. Die Arbeitslosenquote laut
Eurostat wird im Jahr 2015 aufgrund der schwachen Konjunkturdynamik
und des anhaltenden Anstiegs des Arbeitsangebots weiter auf 5,7 %
zulegen. Erst für das Jahr 2017 wird mit einem schwachen Rückgang auf
5,5 % gerechnet.

Budgetdefizit heuer bei 1,8 %

Der gesamtstaatliche Budgetsaldo wird sich 2015 deutlich auf -1,8 %
des BIP verbessern. Dies geht insbesondere auf einen Rückgang der
Vermögenstransfers an Banken zurück, der den Effekt der schwachen
Konjunktur mehr als kompensiert. 2016 wird das Budgetdefizit nahezu
unverändert bleiben. Für 2017 wird angesichts des anhaltend guten
Wirtschaftswachstums eine weitere Verbesserung des Budgetsaldos
erwartet. Die öffentliche Schuldenquote wird 2016 eine Trendumkehr
verzeichnen und bis 2017 auf etwa 81½ % des BIP zurückgehen. Aufgrund
der anzuwendenden ESZB-Richtlinien konnte in der vorliegenden
OeNB-Prognose ein Teil der geplanten Gegenfinanzierungen (v.a.
Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung) nicht berücksichtigt werden,
wodurch das Budgetdefizit hier tendenziell überschätzt wird.

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
(+43-1) 404 20-6900
christian.gutlederer@oenb.at
www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS – WWW.OTS.AT ***

OTS0054 2015-06-08/10:05


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