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10:08 | 06.11.2020
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APA ots news: Staatliche Kreditgarantien und geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom Oktober 2020 (Bank Lending Survey)

Wien (APA-ots) – Die Geldpolitik des Eurosystems und staatliche
Kreditgarantien sichern die Liquidität und günstige
Finanzierungsbedingungen während der COVID-19-Pandemie. Trotzdem
passen die Banken ihre Kreditangebotspolitik an die geänderte
Risikosituation und die unsicheren Aussichten an. Unternehmen fragen
Kredite vor allem zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und
ihres Betriebs in der aktuellen Krise nach. Der Finanzierungsbedarf
für Anlageinvestitionen ist hingegen eingebrochen. Während die
Nachfrage nach Wohnbaukrediten wieder leicht steigt, ist jene nach
Konsumkrediten zurückgegangen. Das zeigen die Ergebnisse der
vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft, in der führende
Banken im Euroraum und damit auch in Österreich nach ihren
Einschätzungen gefragt werden. Die Umfrage wurde in der zweiten
Septemberhälfte 2020 durchgeführt.

Geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe
und sichern günstige Finanzierungsbedingungen

In der aktuellen Umfragerunde über das Kreditgeschäft wurden die
Banken auch zu den Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen des
Eurosystems befragt. Die gezielten längerfristigen
Refinanzierungsgeschäfte werden von den Banken hauptsächlich aufgrund
der attraktiven Bedingungen sehr gut angenommen und wirken sich
positiv auf ihre finanzielle Situation aus – vor allem über eine
Stärkung ihrer Liquidität und ihrer Profitabilität. Auch ihre
Refinanzierungsbedingungen am Markt und ihre Fähigkeit, Anforderungen
der Bankenaufsicht und -regulierung zu erfüllen, haben sich durch die
gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte verbessert. Die
durch die Geschäfte verfügbaren Mittel werden auch für die
Kreditvergabe verwendet, was den Zielsetzungen dieses Maßnahmenpakets
entspricht.

Den Umfrageergebnissen zufolge haben die Wertpapier-Ankaufprogramme
des Eurosystems positive Auswirkungen auf Liquidität und
Finanzierungsbedingungen der österreichischen Banken, aber
nachteilige Effekte auf ihre Ertragslage. Auch der negative Zinssatz
der EZB-Einlagefazilität bringt eine Belastung der Ertragslage der
Banken mit sich. Das im Herbst 2019 eingeführte zweistufige System
für die Verzinsung von Überschussliquidität verringert diese
Belastung jedoch. Über gesunkene Kreditzinsen wirkt der negative
Zinssatz der EZB-Einlagefazilität vorteilhaft auf die
Finanzierungsbedingungen von Unternehmen und privaten Haushalten.

Staatliche Kreditgarantien federn Folgen der Krise wesentlich ab

Die Umfrage zeigt, dass staatliche Garantien für Unternehmenskredite
in der COVID-19-Krisenzeit eine wichtige Rolle spielten und spielen.
Die Garantien haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe
weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus
wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen hätten sein müssen. Das
nachgefragte Garantievolumen ist über den Sommer allerdings deutlich
zurückgegangen. Weiters betonen die Banken, dass auch bei einer
Vergabe mit Garantie die Rückzahlbarkeit des Kredits durch das
kreditnehmende Unternehmen gegeben sein muss.

Demzufolge haben die Banken bereits seit dem ersten Quartal 2020 die
Kreditbedingungen für neu vergebene Unternehmenskredite verschärft.
Kreditbedingungen sind die speziellen Konditionen des Kreditvertrags
(Margen, Nebenkosten, Erfordernisse für Sicherheiten usw.). Die
Margen wurden in den ersten drei Quartalen 2020 laufend erhöht,
besonders bei risikoreicheren Krediten. Neben den Margen wurden die
Banken zuletzt auch bei anderen Kreditbedingungen, wie den
Erfordernissen für Sicherheiten, strenger. Im dritten Quartal 2020
wurden zudem die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite
verschärft. Kreditrichtlinien sind interne Kriterien der Banken für
ihre Kreditvergabe. Die Verschärfungen ihrer Kreditangebotspolitik
begründeten die Banken vor allem mit einer geänderten
Risikoeinschätzung sowie mit ihrer Risikotoleranz.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im dritten Quartal 2020
nur mehr leicht gestiegen. In den ersten beiden Quartalen 2020 gab es
noch außergewöhnlich große Nachfragesteigerungen. Diese Anstiege sind
auf den Bedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer
Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs in der aktuellen Krise
zurückzuführen. Der Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen ist
hingegen eingebrochen.

Nachfrage nach Wohnbaukrediten leicht gestiegen

Anders als im Unternehmenskundengeschäft fallen die Auswirkungen der
COVID-19-Pandemie – gemäß den Umfrageergebnissen – im Kreditgeschäft
mit privaten Haushalten moderater aus. Die Banken haben aufgrund der
geänderten Risikosituation ihre Angebotspolitik hier hauptsächlich im
zweiten Quartal 2020 gestrafft.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2020 wieder
etwas gestiegen (im Vergleich zum zweiten Quartal 2020). Damit setzte
sich ein seit 2019 bestehender, mit dem niedrigen Zinsniveau
begründeter Trend fort. Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen
Krediten blieb im dritten Quartal 2020 weitgehend unverändert,
nachdem sie im zweiten Quartal 2020 deutlich zurückgegangen war.
Dieser Einschnitt wurde mit gesunkenem Konsumentenvertrauen und
geringeren Ausgaben für langlebige Wirtschaftsgüter begründet. Davor
hatte sich die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten von
Mitte 2017 bis zum ersten Quartal 2020 kaum verändert.

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 143 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in
Statistiken – Daten & Analysen Q4/2020 und vorab auf der OeNB-Website
veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten
zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:
www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert:
www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
(+43-1) 404 20-6900
christian.gutlederer@oenb.at
www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS – WWW.OTS.AT ***

OTS0054 2020-11-06/10:02


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