12:05 | 15.03.2008
Arcandor-Versand soll schneller fit für die Börse werden – Expansion
ESSEN/FÜRTH/DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Der Arcandor-Konzern will die
Auslandsexpansion seiner Versandhandelstochter Primondo vorantreiben und das
Unternehmen schneller als bisher geplant fit für die Börse machen. Bereits bis
zur Jahresmitte sollen nun die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang
abgeschlossen sein, kündigte Primondo-Vorstandschef und Arcandor
-Vorstandsmitglied Marc Sommer in einem Gespräch mit der
Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX in Düsseldorf an. Ursprünglich wollte sich
das Unternehmen dafür bis zum Herbst Zeit lassen.
Zur Primondo-Gruppe unter dem Dach des Essener Arcandor-Konzerns (früher:
KarstadtQuelle) gehören neben dem Versandhandelshaus Quelle auch zwölf
Spezialversender wie Hess Natur oder Baby Walz sowie der Tele-Shopping-Kanal
HSE24 und der in einem Joint-Venture mit Axel Springer betriebene Online-Shop
myby.
“Das heißt aber nicht, dass wir auch an die Börse gehen”, sagte Sommer. Wenn
Arcandor einen Börsengang seiner Tochtergesellschaft wünsche, habe das
Unternehmen dann dazu jedoch die Möglichkeit. Angesichts des derzeitigen
Börsenumfelds bezeichnete Sommer jedoch einen Börsengang noch in diesem Jahr als
nicht sehr wahrscheinlich.
EXPANSION NACH OSTEEUROPA, USA UND ASIEN
Der Schwerpunkt des im Ausland geplanten Wachstums von Primondo werde in
Osteuropa liegen. “In Osteuropa sind wir die Nummer Eins und wollen die Position
deutlich ausbauen”, sagte Sommer. Dort seien neben organischem Wachstum auch
Kooperationen und Übernahmen denkbar. “Wir prüfen, was der nächste Schritt im
Auslandsmarkt sein wird”, sagte Sommer. Bei Gesprächen über eine mögliche
Übernahme sei Primondo auch bereits “weit fortgeschritten”. Einzelheiten wollte
der Versandhandelschef jedoch nicht nennen. Zielrichtungen des geplanten
Wachstums seien aber auch Asien und Amerika, wo das Unternehmen in diesem Jahr
den Markteintritt plane.
Neben dem klassischen Versandhandel per Katalog wolle Primondo künftig die
Bereiche Teleshopping und vor allem E-Commerce weiter ausbauen. Damit setzte das
Unternehmen auf gleich mehrere Verkaufskanäle und wolle mit dieser Strategie in
den kommenden drei bis fünf Jahren zum führenden “Multi-Channel-Anbieter” in
Europa aufsteigen. Mit rund einer Millionen im Internet angebotenen Artikeln
zähle Quelle bereits heute zu den größten E-Commerce-Anbietern und erwirtschafte
nur noch ein Viertel seines Umsatzes mit dem traditionellen Hauptkatalog, in dem
nur etwa ein Zehntel der im Internet angebotenen Waren zu finden seien.
2007/08 WIEDER IN DER GEWINNZONE
Nach dem Abschluss der Sanierung werde Primondo im laufenden Geschäftsjahr
2007/2008 (30.9.) mit einem Ergebnis im “niedrigen zweistelligen” Millionen
Euro-Bereich wieder in die Gewinnzone zurückkehren, kündigte Sommer an. Der
Umsatz werde im gleichen Zeitraum um mehr als 10 Prozent wachsen. Im
neunmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2007 hatte das Unternehmen noch mit einem
Verlust von 72,9 Millionen Euro in den roten Zahlen gesteckt. Alle Geschäfte
wachsen wieder profitabel und zwar inklusive Quelle Deutschland, sagte Sommer.
Die Gesamtgruppe habe im Februar um 20 Prozent zugelegt.
Im Zuge der Restrukturierung habe sich Primondo in den vergangenen 18
Monaten von einem Umsatzvolumen von 1,7 Milliarden Euro getrennt, sagte Sommer.
Im Kalenderjahr 2007 hatte das Unternehmen mit mehr als 20.000 Mitarbeitern noch
einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Abgegeben wurden sieben
Spezialversender sowie die Mehrheit an Neckermann. Daneben hatte sich das
Unternehmen aus einigen Auslandsmärkten in Westeuropa zurückgezogen. Im Zuge
seiner Sanierung hatte Primondo auch rund 3.500 Stellen abgebaut.
Nach der Abgabe von 51 Prozent an Neckermann an den US-Investor Sun Capital
stehe nach der Zustimmung des Kartellamts der endgültige Abschluss des Geschäfts
unmittelbar bevor, sagte Sommer. Arcandor hatte sich von der Mehrheit an dem
Versender ohne Kaufpreis getrennt. Danach hatten im Rumpfgeschäftsjahr 2007 hohe
Abschreibungen auf Neckermann das Arcandor-Ergebnis belastet. Zusammen mit dem
für 2011 oder 2012 geplanten Ausstieg von Sun Capital bei Neckermann will sich
das Unternehmen auch von seiner Minderheitsbeteiligung trennen. “Wir halten aus
heutiger Sicht einen Erlös von 200 Millionen Euro für erreichbar”, sagte
Sommer./uk/sheDP
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