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16:46 | 13.06.2008
Bauernverband rechnet mit Preisanstieg bei Butter und Quark

BERLIN (dpa-AFX) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet trotz der
Rücknahme von Milchpreiserhöhungen im Handel damit, dass Butter, Käse und Quark
nach den Protesten der Milchbauern teurer werden. “Ich gehe davon aus, dass auch
weitere Preisanhebungen in den nächsten Wochen folgen werden”, sagte der
DBV-Referatsleiter Milch, Rudolf Schmidt, am Freitag der Deutschen
Presse-Agentur dpa in Berlin. Wegen der Signalwirkung der Milch könne es auch
bei anderen Produkten wie Käse und Speisequark zu Preiserhöhungen kommen. Bei
Butter seien im Sommer ebenfalls höhere Preise denkbar. Der Bauernverband hält
neue Protestaktionen für denkbar, falls Frischmilchpreise sinken sollten.

Einige große Handelskonzerne hatten die Preiserhöhungen bei Milch und Butter
nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen. Lidl hatte während des fast zweiwöchigen
Lieferboykotts der Milchbauern zehn Cent pro Liter Milch mehr zugesagt. Nachdem
Aldi den Verbraucherpreis im scharfen Wettbewerb nur um sieben Cent erhöhte, zog
Lidl nach. Die Molkereien sollen aber 10 Cent mehr pro Liter bekommen. Lidl will
seine Zusage einhalten. “Wir haben uns für die Preiserhöhung nur entschieden, um
die Bauern zu unterstützen”, sagte Lidl- Aufsichtsratschef Klaus Gehrig der
“Financial Times Deutschland” (Freitag). Die Zusage hatte das Ende des
Lieferstopps eingeleitet.

Einige Handelsriesen hatten die Erhöhung des Butterpreises wieder
zurückgenommen. Dennoch hält der Bauernverband steigende Butterpreise für
möglich und hofft auf Branchenführer Aldi. “Wir gehen davon aus, dass nach
Ablauf der Butterkontrakte im Juni zum 1. Juli auch Preisanhebungen bei Butter
durchgeführt werden”, sagte Schmidt nach Gesprächen mit Aldi Nord. Nach seiner
Einschätzung werde auch Aldi Süd mitmachen. Der Verbraucherpreis für Trinkmilch
bleibt aus Sicht der Bauern vorerst unverändert.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hatte nach der Rücknahme der
Preiserhöhungen mit neuem Lieferstopp gedroht. Die Milchbauern fordern auch für
Butter und Käse höhere Preise. Der Bauernverband hält weitere Protestaktionen
für möglich. “Wenn der Konsummilchpreis nochmal nach unten korrigiert wird, dann
haben wir eine neue Situation, wo der Handel wieder mit Aktionen zu rechnen
hat”, sagte Milchexperte Schmidt mit Blick auf Proteste vor Molkereien.
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) plant einen Milchgipfel, um mit allen
Beteiligten dauerhafte Lösungen zu suchen.

Lidl wies im Streit um die Milchpreise auf die Marktmacht von Aldi hin. In
den vergangenen Tagen sei deutlich geworden, wie stark Aldi in Deutschland die
Preise bestimme, sagte Gehrig der Zeitung. Lidl wies den Vorwurf zurück, das
Unternehmen habe den Milchpreis nur erhöht, um von der Bespitzelungsaffäre im
Unternehmen abzulenken./vr/DP/gr


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