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16:23 | 18.09.2009
Börse Frankfurt-News: Anleger finden Geschmack am Risiko (Anleihen)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 18. September 2009. Am Anleihenmarkt wirkt
die konjukturelle Aufhellung noch nicht treibend. Auf der Suche nach Rendite
nehmen Anleger wieder mehr Risiko in Kauf. Begehrt sind weiter
Unternehmensanleihen.

Die freundliche Stimmung der vergangenen Wochen im Rentenmarkt trübt sich
allmählich ein. Der Euro-Bund-Future gab diese Woche bis auf 120,25 nach, um
sich jetzt wieder leicht zu stabilisieren. Der Konjunkturoptimismus – beflügelt
von guten Wirtschaftsdaten aus den USA – überträgt sich auf die Aktienmärkte,
hat sich jedoch noch nicht an den Rentenmärkten in Form von höheren Renditen
durchsetzen können. Die Ursache könne nach der Meinung Arthur Brunners von ICF
Kursmakler bei der Europäischen Zentralbank EZB liegen, die den Kreditinstituten
weiterhin ausreichend billiges Geld zur Verfügung stellt.

Nächste Woche wird der Rentenmarkt in den USA einem erneuten Stresstest
unterzogen. “Wie das US-Finanzministerium gestern mitteilte, stehen insgesamt
197 Milliarden an US Staatsanleihen zur Auktion an”, berichtet der
Skontroführer. Die Analysten der HSH Nordbank gehen davon aus, dass die
Investoren im In- und Ausland die neuen Treasuries nur zu höheren Renditen
absorbieren werden. Sie erwarten, dass die US-Zinsen m langen Ende der Zinskurve
- also bei Laufzeiten von zehn Jahren und länger – zum Jahresende hin kräftig
steigen.

Auch in der Eurozone ist in diesem Laufzeitbereich mit steigenden Renditen
zurechnen. Aktuell sei die Kurvenneigung sehr hoch, erklären die Volkswirte.
“Mit rund 230 Basispunkten Differenz zwischen den Renditen zwei- und
zehnjähriger Bundesanleihen wurde ein Rekord für die Zeit seit der Einführung
des Euro gemessen.”

Der Euro-Bund-Future notiert zur Mittagszeit bei 120,76 Punkten. Eine
zehnjährige Bundesanleihe bringt eine Rendite von etwa 3,46 Prozent.

Fokus liegt auf Unternehmensanleihen

“In diesem Umfeld ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das Interesse der
Privatanleger hauptsächlich auf Unternehmensanleihen fokussiert und in den
anderen Anleihen mit Ausnahme von Stufenzinsanleihen geringe Umsätze zu sehen
sind”, kommentiert Brunner die Situation im Handel mit Anleihen an der Börse
Frankfurt. Der Reiz von Stufenzinsanleihen liege für die Anleger darin, dass sie
zunächst eine attraktive Verzinsung böten, die jedoch meist mit einem
Kündigungsrecht seitens des Anleihegläubigers erkauft werde. “Nur bei den
Neuemissionen von Unternehmensanleihen scheint der Boom ungebrochen”, weiß
Brunner. “Hier reißen sich Anleger nach wie vor um Anleihen mit hohen Kupons,
während die Unternehmen die Situation nutzen, um sich mittelfristig ausreichend
Kapital zu beschaffen.”

Hohe Zinsen – hohe Nachfrage

Um die neue Hybridanleihe der Deutschen Bank (WKN A1ALVC), die mit 9,5 Prozent
verzinst ist, reißen sich die Investoren. Das Papier steht mittlerweile bei
einem Kurswert von 108 Prozent. “Die vergleichbaren Anleihen der Deutschen Bank
(WKNs A0TU30 und A0DTY3) haben in der Folge ebenfalls im Kurs zugelegt”, melden
die Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Commerzbank gibt Staatsgarantien zurück

Von dem ursprünglichen 15 Milliarden Euro umfassenden Garantiepaket der
Bundesregierung hat die Commerzbank nun die restlichen 5 Milliarden an den Staat
zurückgegeben. Grund genug für einige Anleger, sich auch hier vermehrt den
Hybridanleihen der Tochter des Geldinstituts Eurohypo (WKN 542376 und A0DZJZ)
zuzuwenden, die kräftig im Kurs angezogen haben.

Neuemissionen stark nachgefragt

Kali und Salz wartet in dieser Woche mit einer neuen Anleihe auf, die hungrige
Investorengelüste erfüllt. Das Papier (WKN A1A6FV) läuft bis 2014 und ist mit 5
Prozent verzinst. Auch eine Fraport-Emission (WKN A1A55A) stößt auf eine aktive
Nachfrage – mit einem Kupon von 5,25 Prozent und einer Laufzeit bis 2019. Die
US-amerikanische Einzelhandelskette Wal Mart bringt ein Papier in einer
50.000er-Stückelung (WKN A1AMPU), für das sich durchaus der eine oder andere
Privatanleger zu interessieren scheint: Das Papier läuft bis 2029 und ist mit
einem Kupon von 4,875 Prozent ausgestattet.

Mit Pleitegeier im Nacken gesucht

Trotz einer angemeldeten Insolvenz werde die Anleihe des Modehauses Escada (WKN
A0EJ83) kräftig gekauft, kann Rainer Petz von Close Brothers Seydler Bank
beobachten. Das Papier stand im Juli noch bei 15,70 Prozent und notiert heute
bei 34 Prozent. ” An der Situation bei Escada hat sich bisher viel nicht
verändert, das Unternehmen steckt immer noch im Insolvenzverfahren. Käufer
scheinen vorwiegend ausländische Investoren zu sein”, sagt Petz.

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© 18. September 2009/ Dorothee Liebing

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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