15:32 | 20.11.2009
Börse Frankfurt-News: Anleihen: Appetit auf Risiko (Marktbericht)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 20. November 2009. Immer rosiger werden die
Aussichten, die Rezession könnte zu Ende sein. Die florierenden Aktienmärkte
halten Anleger jedoch nicht davon ab, sich interessante Anleihen unter den Nagel
zu reißen.
Das Jahr ist weit fortgeschritten und Analysten und Marktteilnehmer blicken nach
vorn. Es sieht nicht schlecht aus. Die Konjunkturdaten ergaben in den
vergangenen Tagen keine bösen Überraschungen. Das Bruttoinlandsprodukt der
Eurozone bewegt sich zum ersten Mal seit fünf Quartalen mit einem Plus von 0,4
Prozent wieder im grünen Bereich “Die Rezession könnte somit formalistisch als
beendet interpretiert werden”, kommentiert Klaus Stopp von der Baader Bank. Die
Inflationserwartungen für 2010 geben mit 1,2 Prozent keinen großen
Handlungsbedarf seitens der Notenbank.
Die konjunkturelle Situation zeige sich jedoch gemischt, meinen die Analysten
der HSH Nordbank, denn nicht alle EWU-Staaten hätten einen Turnaround vollziehen
können. “Aus sieben der berichtenden 17 Staaten wurde eine erneute Schrumpfung
zum Vorquartal gemeldet”, schreiben die Volkswirte. Spanien steht im Schatten
mit einem Minus, auf der Sonnenseite führe die österreichische Wirtschaft mit
einem Zuwachs von 0,9 Prozent die Phalanx der Genesenden an.
Der Bund-Future konnte sich trotz des steigenden Aktienmarktes halten und
notiert am Freitag Mittag bei 122,54 Prozentpunkten. Eine zehnjährige
Bundesanleihe wirft eine Rendite von 3,22 Prozent ab.
ThyssenKrupp abgestuft
Im eher ruhigen Geschäft mit Anleihen angesichts der steigenden Aktienmärkte
gerät ThyssenKrupp in die Schlagzeilen und unter Druck. Das Stahlunternehmen
fährt den ersten Verlust seit der Fusion ein und wurde von der Rating-Agentur
Moody’s abgestuft.
Anleger hätten sich von ihren Thyssen-Anleihen getrennt. Papiere wie die bis
2016 laufende Anleihe (WKN A0T61L) oder die bis 2015 laufende Anleihe (WKN
A0EC91) haben im Kurs etwas mehr als einen Prozentpunkt verloren, berichtet ein
Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Auch die Deutsche Bank könnte es treffen
Moody’s nimmt auch auch die Deutsche Bank unter die Lupe und findet “Schwächen
im Kreditprofil”. “Anleger befürchten nun auch eine Herabstufung der Bonität der
Deutschen Bank.” Aktien des Konzens sind gegen Wochenende unter Druck. Manche
Anleger trennen sich schon mal vorsorglich von einer Hybrid-Anleihe der Bank
(WKN A1ALVC).
Otto – find’ ich gut
Den Werbeslogan des Versandhändlers aus Hamburg schreiben sich nicht wenige
Anleger in ihr Orderbuch und kaufen die neue Otto-Anleihe (WKN A1CRZZ). Das
Papier läuft bis November 2014 und ist mit 6,375 Prozent verzinst. Die Anleihe
notiert bereits über 104 Prozent und vor allem Privatanleger scheinen hier
zuzugreifen. “Die Befürchtung, dass Otto mit Quelle zusammen in eine Ecke
gestellt wird und dass sich die Anleger nicht für das Papier interessieren, hat
sich offensichtlich nicht erfüllt”, weiß Rainer Petz von Close Brothers Seydler.
“Der Risikoappetit der Investoren ist offensichtlich groß und sie steigen trotz
des hohen Kurses noch ein.”
Sie können sich kostenlos für den täglichen Newsletter per E-Mail anmelden.
Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter oder schicken Sie
uns eine E-Mail an redaktion@deutsche-boerse.com.
© 20. November 2009/Dorothee Liebing
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)
|