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15:16 | 17.04.2009
Börse Frankfurt-News: Anleihen im Schatten der Aktien (Marktbericht zu Renten)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 17. April 2009. Frankfurt (Börse
Frankfurt). Die Nachfrage nach Anleihen zieht zwar wieder an, doch sind es nach
wie vor Aktien, die die Herzen der Anleger höher schlagen lassen. Weiterhin
gefragt sind Unternehmensanleihen, vor allem aus der Autobranche, relativ fest
zeigten sich außerdem Emerging Markets-Bonds.

Nach den eher ruhigen Tagen vor Ostern hat sich der Rentenhandel an der
Frankfurter Börse in dieser Woche wieder etwas belebt, auch wenn es insgesamt
nochmals eher “träge” zugeht, wie Klaus Stopp von der Baader Bank meint. Der
Anleihemarkt steht derzeit im Schatten des Aktienmarktes, an dem man wieder
Frühlingsluft schnuppert. Dort haben eine Reihe positiver Nachrichten für gute
Stimmung gesorgt.

Geteilte Meinung über wachsenden Optimismus

Doch nicht alle teilen den Optimismus: “Man sollte diese Signale nicht
ignorieren, sie allerdings auch nicht überbewerten”, meinen die Analysten der
HSH Nordbank. Die derzeitige Krise habe einige grundlegende Schwächen der US-
und der globalen Wirtschaft offen gelegt, die sich nicht durch einzelne Zahlen
wegdiskutieren ließen, etwa die Überschuldung der privaten Haushalte und ein
überdimensionierter Finanzsektor. Die Bank befürchtet, dass der aggressiven
Fiskal und Geldpolitik ein Kater folgen wird, wenn die Haushalte konsolidiert
werden müssen und Zinserhöhungen notwendig werden. Auch von den von IWF und
Weltbank geforderten aggressiven fiskalpolitischen Maßnahmen halten die
Analysten nichts: “Vielleicht sollte man erst einmal abwarten, was die bisher
beschlossenen Programme bewirken, bevor man noch mehr Geld in die Wirtschaft
pumpt”, urteilt die Bank.

Euro-Bund-Future etwas fester

Der für den Rentenmarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future ist im Wochenverlauf
leicht gestiegen und notiert am Freitagnachmittag bei 121,95 Punkten.
Zehnjährige Bundesanleihen bringen derzeit eine Rendite von 3,17 Prozent.

Großer Anklang für Lanxass-Anleihe

Daniel Foertsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet von einer
eher ruhigen Woche, vergleichsweise hohe Umsätze habe es aber bei deutschen
Corporate Bonds, speziell Autoanleihen, gegeben. Unter den Neuemissionen fände
eine Anleihe von Lanxess Finance (WKN A0T8NY) großen Anklang, speziell auch bei
Privatkunden. Der Bond bietet derzeit eine Rendite von 7,69 Prozent bei einer
Laufzeit bis 2014.

Reger Handel mit GM

Klaus Stopp von der Baader Bank zufolge werden auch die Anleihen von General
Motors rege gehandelt, dabei habe sich die Spanne zwischen An- und
Verkaufspreisen wegen der ungewissen Situation ausgeweitet. “Die Meinungen bei
den Börsianern gehen in punkto GM und deren Zukunft weit auseinander”, meint
Stopp: Die einen erwarteten eine Staatsbeteiligung, die anderen einen
chirurgischen Bankrott.

Emerging Markets wieder attraktiv

Gut gelaufen sind laut Daniel Foertsch in dieser Woche auch Emerging
Markets-Anleihen – sowohl die auf Euro lautenden, als auch die in heimischer
Währung notierten. Bei den Schwellenländeranleihen hatte es zuvor nur sehr
wenige Umsätze gegeben. Zu dem Interesse beigetragen hätten neben dem allgemein
aufkommenden leisen Optimismus auch die zuletzt relativ stabilen Währungen der
Schwellenländer, meint Foertsch. Gerade Türkeianleihen seien für Anleger
offenbar wieder attraktiv.

Käufe bei europäischen Renten-ETFs

Am Markt für ETFs auf Rentenindizes haben die Market Maker von der HVB in dieser
Woche vor allem Käufe in europäischen Rentenindizes beobachtet. Portfolios mit
deutschen Renten seien hingegen eher verkauft worden.

Techniker erwarten steilere Zinsstruktur

Techniker der UBS sehen bei europäischen Staatsanleihen im Übrigen erste
Anzeichen für die erneute Aufnahme einer Steepening-Bewegung, d.h. die
Zinsstrukturkurve wird steiler und die Unterschiede zwischen der Verzinsung
langfristiger und kurzfristiger Anleihen größer, “allerdings müssen noch
wichtige Widerstandsmarken auf Schlusskursbasis überschritten werden”. Die
technischen Indikatoren deuteten aber peu a peu auf eine solche Bewegung hin.
Derzeit verläuft die Zinsstruktur vergleichsweise flach. Grundsätzlich nähert
sich die Rendite dem Kupon der Anleihe mit abnehmender Restlaufzeit an. Deswegen
verläuft die Zinsstrukturkurve von niedrigeren Renditen bei kurzen
Restlaufzeiten zu höheren Renditen im langen Laufzeitbereich. Je steiler die
Strukturkurve verläuft, desto stärker steigende Zinsen erwarten die
Marktteilnehmer im Zeitverlauf.

Emissionstätigkeit wieder zugelegt

Die Ausgabe neuer Anleihen zieht seit Ostern wieder an. In den USA wurden
Geldmarkttitel im Volumen von rund 77 Milliarden US-Dollar angeboten und am
Mittwoch die bereits Ende der vergangenen Woche begebenen drei- und zehnjährigen
Anleihen zur Zahlung angewiesen. In Europa wurden mehrere Altanleihen
aufgestockt und insbesondere in Frankreich und Deutschland zweijährige Bonds
begeben. Die Bundesschatzanweisungen waren bei einer Durchschnittsrendite vom
1,35 Prozent nur 1,5-fach überzeichnet, was Händler enttäuschte.

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© 17. April 2009/Anna-Maria Borse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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