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15:11 | 02.10.2009
Börse Frankfurt-News: Anleihen: Ist die Neigung zum Risiko gesund?

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 2. Oktober 2009. Frankfurt (Börse
Frankfurt). Dem Rentenmarkt geht es prima. Doch bei den steigenden Kursen
bleiben für Renten-Neueinsteiger nur dürre Renditen. Der Griff zu lebhafteren
Depotbeigaben liegt nahe. Jedoch fürchten einige Marktteilnehmer, dass das
schief gehen könnte. Für TUI und die angeschlagene Hapag-Lloyd zeichnet sich
eine Lösung ab – zumindest spekulieren eine Investoren darauf.

Während es in den vergangen Wochen danach aussah, als ob dem Rentenmarkt die
Luft ausginge, zeigt er sich diese Woche erstaunlich robust. “Die Gründe dafür
liegen hauptsächlich bei den enttäuschenden US Konjunkturdaten”, erklärt Arthur
Brunner von der ICF Kursmakler. So sei die Zahl der Erstanträge auf
Arbeitslosenhilfe im September auf überraschend auf 551.000 angestiegen,
Analysten hätten mit 535.000 gerechnet. Auch der ISM-Index für das verarbeitende
Gewerbe und der ISM-Preisindex seien schwächer als erwartet ausgefallen.

“Vieles deutet darauf hin, dass sich der schwache Arbeitsmarkt längerfristig
negativ auf den privaten Konsum auswirken wird”, meint der Skontroführer. Die
Auswirkungen – konkret: steigende Kurse der US-Treasuries – der schwachen
US-Wirtschaftsdaten kommentieren die Analysten der HSH-Nordbank: “Die Furcht ist
groß, dass die Finanzmarktkrise doch nicht vorbei ist und dass die Kursgewinne
bei Aktien, Corporates und anderen risikobehafteten Assetklassen Blasen sind,
die jederzeit wieder platzen können.”

Der Euro-Bund-Future konnte in den vergangenen fünf Tagen nahezu zwei Punkte
gewinnen und notiert zur Mittagszeit bei 122,63 Prozent. Bundesanleihen mit
einer Restlaufzeit von zehn Jahren bringen eine Rendite von 3,3 Prozent.
Risikobereitschaft oder Sorglosigkeit

Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig beobachtet,
dass Investoren derzeit wenig Neigung haben, in Anleihen einzusteigen. “Man
erhält wenig Verzinsung für die Papiere, wenn man sich nur kurzfristig binden
will.” Bei länger laufenden Papieren müssten sich Investoren mit dem
Damoklesschwert Inflation, das über dem Markt hänge, auseinander setzen. “2010
sollte Deutschland einen Schuldenstand von 1,9 Billionen Euro erreichen. Mit
derzeitigen Neuverschuldung von 3,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegt
Deutschland über dem Wert, den der Stabilitätspakt zulässt. Die EU will ein
Strafverfahren eröffnen”, berichtet Daniel über Anzeichen für die lauernde
Inflationsgefahr. Risikoreichere Papiere – und hier vor allem die hoch
verzinsten TIER1-Anleihen und Hybrid-Anleihen der Banken ohne Laufzeitbegrenzung
- würden jedoch durchaus nachgefragt, was sich aus mit den Aussagen der Händler
der Hellwig Wertpapierhandelsbank deckt. “Angesichts der immer noch unsicheren
Situation ist das für mich ein Zeichen von Ratlosigkeit, wenn man im Rentendepot
etwas Lebhafteres haben möchte und eine Sorglosigkeit gegenüber den Risiken.

Dünne Luft bei Neuemissionen

“In einem allgemein freundlichen Umfeld am Rentenmarkt deutete sich diese Woche
am Markt für Neuemissionen an, dass die Luft dünner werden könnte”, berichtet
Brunner. Eine neue fünfjährige Anleihe von Renault über 750 Millionen Euro (WKN
A1ANEW) mit Fälligkeit im Oktober 2014 und einem Kupon von 6 Prozent, die diese
Woche platziert wurde, notiere aktuell mit 98,4 deutlich unter dem Ausgabepreis
von 99,475 Prozent. “Zukünftig werden Anleger bei der Zeichnung von Anleihen
genauer hinsehen müssen, um Verluste zu vermeiden.” Positive Beispiele seien
zwei Anleihen von Sanofi-Aventis: Die erste hat eine Laufzeit von 5 Jahren (ISIN
XS0456451938) und einen Kupon von 3,125 Prozent. Der Ausgabepreis betrug 99,877,
aktuell notiert das Papier bei 100,6. Bei der zweiten handelt es sich um eine
zehnjährige Anleihe (ISIN XS0456451771) mit einem Kupon von 4,125 Prozent. “Auch
diese notiert mit aktuell 100,65 deutlich über dem Angebotspreis”, berichtet
Brunner.

Der Emissionsmarkt, der sich derzeit sehr lebhaft präsentiert, hält für
Investoren auch noch Papiere von Heineken (WKN noch nicht bekannt) und Lagader
(WKN A1AM45) bereit.

Entspannung für TUI

Die Diskussion um eine milliardenschwere Bürgschaft für die angeschlagene
Reederei Hapag-Lloyd, die zu 43 Prozent zum Touristikkonzern TUI gehört, hält
an. Die Entscheidung vom Bund zu dieser Bürgschaft verzögert sich wegen großer
Vorbehalte gegenüber dem Rettungskonzept. Allerdings soll laut Presseberichten
die Entscheidung noch diese Woche fallen, ein Scheitern gelte als
unwahrscheinlich. Investoren wanken in dem Punkt. TUI-Anleihen quer durch die
Bank, z.B. eine bis 2011 laufende Anleihe (WKN A0A8CY), zogen im Kurs zunächst
kräftig an. Aber als die Vorbehalte der Regierung gegenüber der Bürgschaft
bekannt wurden, verlor das Papier wieder und notiert aktuell bei 93,65 Prozent.
Die Daueranleihe (WKN TUAG05) konnte seit Anfang September um gut 25 Prozent
zulegen und notiert heute zur Mittagszeit bei 68,75.

© 2. Oktober/Dorothee Liebing

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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