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14:36 | 03.06.2009
Börse Frankfurt-News: Besser, aber noch nicht gut (Markttechnik)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 3. Juni 2009. Der deutsche Aktienmarkt legt
zur Wochenmitte eine Verschnaufpause ein und stabilisiert sich oberhalb von
5.100 DAX-Punkten. Aus technischer Sicht könnte der deutsche Leitindex schon
bald einen Anlauf in Richtung der 6.000-Marke starten. Auch beim Gold scheint
die Hausse ungebremst.

Nachdem der Leitindex DAX® am Dienstag mit 5.178 Punkten zwischenzeitlich den
höchsten Stand seit November 2008 erreicht hat, dreht das Börsenbarometer zur
Wochenmitte wieder leicht ins Minus. Die Marke von 5.100 Zählern kann bislang
aber gehalten werden. Aus technischer Sicht ist eine Trendumkehr und damit ein
Vormarsch des Index in Richtung 6.000 Punkte in den vergangenen Tagen
wahrscheinlicher geworden. Der schwache US-Dollar treibt unterdessen den
Goldpreis in neue Höhen.

Im ETF-Handel lässt sich heute keine einheitliche Tendenz ausmachen: Während die
Indextracker iShares DAX (DE) (WKN 593393) und iShares DJ EURO STOXX 50 (DE)
(WKN 593395) gefragt sind, werden die Pendants von db x-trackers DAX ETF
(DBX1DA) und DJ Euro STOXX 50 ETF (DBX1EU) nach Auskunft der zuständigen Market
Maker überwiegend verkauft. Händler berichten zudem von überwiegend kleinen
Orders durch private Investoren: “Die Institutionellen scheinen sich in den
vergangenen Tagen eher raus zu halten.”

Trendumkehr rückt näher

Nach Einschätzung von Christian Henke, technischer Analyst bei der WestLB, haben
sich die Chancen für eine Trendumkehr beim DAX zuletzt verbessert: “Der Index
hat am 1. Juni die psychologisch wichtige Marke bei 5.000 Punkten überwunden,
die zuletzt ein Voranschreiten verhindert hatte und es wurde auf Wochenbasis die
obere Trendlinie des seit Januar 2008 intakten Abwärtstrendkanals bei 5.150
Punkten erreicht. Kursnotierungen oberhalb des Widerstands würden eine
Trendumkehr einleiten”, erklärt der Techniker. Das Kursziel für den Index liege
in diesen Fall bei fast 6.000 Punkten. Allerdings sei die
200-Tage-Durchschnittslinie bislang noch in einem fallenden Trend gefangen und
eine Trendwende daher nicht in trockenen Tüchern. “Prallt der DAX von der
Durchschnittslinie nach unten ab, müsste mit einem Test der Unterstützung bei
4.680 Punkten gerechnet werden”, mahnt Henke zur Vorsicht.

Auch US-Börse weiter in wackligem Terrain

Und auch an der Wall Street können neue Rückschläge nach Einschätzung des
Analysten bislang nicht ausgeschlossen werden. “Dem Dow Jones ist am 1. Juni der
Bruch der oberen Begrenzung der Seitwärtsphase bei 8.500 Punkten gelungen und
auch die 200-Tage-Glättungslinie wurde annähernd erreicht.” Nun stehe der Index
vor Widerständen bei 8.950 und dann bei 9.190 Punkten, wo aktuell die Unterseite
des aus dem Jahr 2007 stammenden Abwärtstrendkanals verlaufe. “Wie beim DAX ist
aber auch die Wall Street noch nicht ganz aus dem Schneider. Ein Rücksetzter bis
zur überwundenen Widerstandslinie bei 8.500 Punkten oder bis zur Unterseite der
Seitwärtsphase bei 8.130 Punkten kann nicht ausgeschlossen werden.”

Gold nimmt Fahrt in Richtung 1.000 Dollar auf

Trotz der jüngsten Gewinne an den Aktienmärkten legt auch der Goldpreis weiter
zu und ist von der 1.000 US-Dollar-Marke (je Feinunze) nicht mehr weit entfernt.
Wie Jochen Stanzl, Chefredakteur des Börsenbriefs Rohstoff-Report.de, erklärt,
wird diese Bewegung vor allem durch den schwachen US-Dollar getrieben, der
zuletzt auf ein Fünfmonatstief abwertete. Außerdem sorge die Bekanntgabe der
chinesischen Regierung, große Mengen Gold zur Diversifizierung der
Währungsreserven gekauft zu haben, für immer neue Spekulationen darüber, dass
jetzt auch andere Zentralbanken Goldkäufe anstrebten. “Dies würde meiner
Einschätzung nach Sinn machen. Immerhin wächst mit den massiven
Liquiditätsspritzen seitens der Konjunkturprogramme und monetären Maßnahmen die
Gefahr deutlich höherer Inflationsraten in den kommenden Jahren.” Gold biete vor
diesem Hintergrund einen Gegenpol zum Papiergeld: “Es kann nicht beliebig
vervielfältigt werden und hat einen inneren Wert, der auf der Höhe der
durchschnittlichen Förderkosten liegt.” Passend ist aus Sicht von Stanzl in
diesem Zusammenhang auch eine Meldung des Weltgoldverbands WGC, nach der die
Investmentnachfrage nach Gold im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 248
Prozent angestiegen sei. “Dieser Zuwachs führte zu einem Anstieg der gesamten
Goldnachfrage in den ersten drei Monaten des Jahres um 38 Prozent auf 1.016
Tonnen, obwohl die Nachfrage der Schmuckindustrie um 24 Prozent und die
Industrienachfrage nach Gold um 31 Prozent zurück gegangenen ist.”

Für die laufende Gold-Ralley veranschlagt der Rohstoffexperte aktuell ein
Zwischenziel von 1.010 US-Dollar. Nach einer Konsolidierungsphase könne es dann
sogar in Richtung 1.225 US-Dollar je Unze gehen. “Wenn dieses Ziel erreicht ist,
sollte sich das Blatt aber deutlich wenden”, fügt Stanzl hinzu und rechnet
mittelfristig mit einer Halbierung der Goldnotierung.

Christian Henke erwartet, dass zumindest die Preistreiber seitens US-Dollar
vorerst weiter Bestand haben sollten. “Charttechnisch könnte die Reise bis 1,447
US-Dollar je Euro weitergehen”, lautet seine Prognose.

Zuwachs im Bullenlager

Die Anlegerstimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche deutlich verschlechtert,
zu diesem Ergebnis kommt zumindest die aktuelle Sentiment-Erhebung der Börse
Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Das Bärenlager bei den deutschen Bluechips
hat um 8 Prozent gewonnen, immerhin 7 Prozent waren in der Vorwoche noch in
DAX-Werten engagiert. Bei den Technologiewerten ist die Stimmung weniger stark
eingetrübt. Die Pessimisten haben lediglich um 3 Prozent zugelegt.

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© 3. Juni 2009 / Karoline Koch

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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