14:29 | 13.05.2011
Börse Frankfurt-News: Bundesanleihen verlieren Nimbus wieder (Renten Marktbericht)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 13. Mai 2011. Die Schuldenkrise in der
Eurozone ist zwar nach wie das wichtigste Thema, der Höhenflug des Bund-Future
der vergangenen Woche setzt sich aber nicht in gleichem Maße fort. Die
Euro-Schwäche macht Fremdwährungsanleihen beliebt.
Auch in dieser Woche bestimmt die Griechenlandkrise wieder die Schlagzeilen,
auch wenn viele Börsianer langsam genug gehört haben. “Die permanente
Beschallung mit Kommentaren zur Zukunft Griechenlands zermürbt”, kommentiert
etwa Klaus Stopp von der Baader Bank. Jedenfalls ließen Gerüchte um einen
Austritt Griechenlands aus der Eurozone die Renditen griechischer Staatsanleihen
nochmals ansteigen – trotz sofortiger Dementis. Auch die abermalige Herabstufung
der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Rating-Agentur Standard & Poor`s ließ
nicht gerade Zuversicht aufkommen.
Zwischenzeitlich waren daher Bundesanleihen und US-Treasuries an den
Rentenmärkten gefragt. Die starke Korrektur an den Rohstoffmärkten ließ Anleger
ebenfalls wieder zu sicheren Anlagen greifen. Für Entspannung bei griechischen
Anleihen sorgten dann aber Spekulationen über erneute Hilfen für Griechenland,
genannt wurde die Summe von 60 Milliarden Euro. “Das ist ein Fass ohne Boden”,
bemerkt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.
Bundesanleihen kaum fester
ach den deutlichen Kursgewinnen der Bundesanleihen in der vergangenen Woche geht
es in dieser Woche – je nach Nachrichtenlage – mal hoch, mal runter. Unter dem
Strich zeigt sich der Euro-Bund-Future gegenüber dem vergangenen Freitag nur
etwas fester bei 124,12 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen bringen aktuell 3,11
Prozent, zwischenzeitlich war die Rendite unter 3,10 Prozent gerutscht und damit
auf den tiefsten Stand seit Anfang März. “Von den Umsätzen her ist es insgesamt
sehr ruhig”, berichtet Daniel. Unterdessen sind viele Rentenhändler mit der
Umstellung des skontroführerbasierten Handels durch den Xetra-Spezialistenhandel
beschäftigt, für den der Startschuss am 23. Mai fällt.
Nicht dauerhafte “Aura der Stabilität”
Die Commerzbank erwartet nicht, dass die jüngste Beliebtheit der Bundesanleihen
von Dauer sein wird. “Geht man mit Blick auf das Ecofin-Treffen am 16. und 17.
Mai von einer Entspannung in der Griechenland-Diskussion aus, so sollten die
Bundesanleihen mit einer verringerten Verunsicherung an den Finanzmärkten die
“Aura der Stabilität” rasch wieder verlieren”, meinen Analysten. Die Zins- und
Inflationserwartungen seien in den vergangenen Tagen aufgrund sinkender
Rohstoffpreise zwar zurückgegangen.
In die gleiche Richtung habe die jüngste Wortwahl der EZB gewirkt, die als
Hinweis auf den nächsten Zinsschritt erst im Juli interpretiert wurde. “Da die
Frühindikatoren unverändert für eine stabile Konjunkturentwicklung in den USA
und gleichermaßen im Euroraum sprechen, werden die Notenbanken ihre Geldpolitik
aber weiter straffen – die Zins- und Inflationserwartungen sollten daher wieder
ansteigen.”
Neuemissionen: Solides und Hochverzinsliches
Nach der ruhigen Zeit um Ostern gibt es wieder viele Neuemissionen:
Bis heute Nachmittag kann über die Börse Frankfurt eine Anleihe des
gemeinnützigen fränkischen Wohnheimbetreibers SeniVita Sozial gGmbH gezeichnet
werden, die – mit einer anlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro – bis 2016
läuft und mit 6,5 Prozent verzinst wird. Das Unternehmen hat ein A- Rating der
Creditreform, die Nachfrage der Anleger ist bislang hoch. Ab Dienstag ist eine
Anleihe des Immobilienunternehmen DIC Asset im Handel. Das Papier, das auch in
Frankfurt gezeichnet werden konnte, läuft ebenfalls bis 2016 und wird mit 5,875
Prozent verzinst.
Gestern erstmals gehandelt wurde eine Anleihe des Schrauben-Handelsunternehmens
Würth (A1GQ5N), wie Gregor Daniel meldet. Die Anleihe im Volumen von 500
Millionen Euro läuft bis 2018 und hat einen Kupon von 3,75 Prozent, die
Stückelung ist mit 1.000 Euro privatanlegerfreundlich. Klaus Stopp von der
Baader Bank bezeichnet Würth als “sehr soliden Schuldner” und verweist auf die
gute Bonitätseinstufung von A/A-.
Ebenfalls neu am Markt ist eine Ungarn-Anleihe mit einer Laufzeit bis 2019 und
einem Kupon von 6 Prozent (WKN A1GQ11), wie Daniel außerdem meldet. Die
Mindestanlagesumme beträgt hier ebenfalls 1.000 Euro. Auch hier sieht die Walter
Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft bislang nur kleinere Umsätze.
Aus dem Bereich der hochverzinslichen Anleihen gibt es ebenfalls Neuigkeiten.
Der Rüstungskonzern Heckler & Koch (WKN A1KQ5P) wagte sich wieder einmal an den
Markt. 9,5 Prozent zahlt das Unternehmen für die Anleihe, die bis 2018 läuft.
“Ausgestattet mit den Bonitätsnoten Caa1/CCC+ ist der Bond jedoch hoch
spekulativ”, bemerkt Stopp. Aufgrund der Mindestanlagesumme von 100.000 Euro sei
die Schuldverschreibung für viele Privatanleger aber ohnehin ungeeignet.
Norwegische Kronen-Anleihen begehrt
Die anhaltende Schuldenkrise in der Eurozone und die fehlende Aussicht auf einen
baldigen zweiten Zinsschritt belasten den Euro stark. Im Rentenhandel äußert
sich das in einem besonderen Interesse an Fremdwährungsanleihen. Nachgefragt
werden etwa Anlagen in norwegischen Kronen, wie Klaus Stopp registriert. “Für
viele Anleger stellen norwegische Kronen eine attraktive Alternative zu Euro-
oder US-Dollar-Anlagen dar.” Das Land besteche durch einen soliden
Staatshaushalt, zudem zähle die norwegische Krone mittlerweile zu den stabilsten
Währungen der Welt. Daneben seien Stopp zufolge auch Anleihen in
neuseeländischen, amerikanischen und australischen Dollar sowie türkischen Lira
gesucht.
Emissionen der Autobauer im Fokus
Besonders gesucht nach den Beobachtungen von Stopp Unternehmensanleihen. “Nicht
umsonst haben etwa die beiden deutschen Autobauer Daimler und Volkswagen erst
Mitte April 2011 zwei bis 2014 laufende Bonds emittiert, die bei einem Kurs von
100,70 mit 4,00 Prozent beziehungsweise 100,60 und 4,02 Prozent rentieren”,
erklärt Stopp (WKN A1GQAA, A1GP33).
© 13. Mai 2011 / Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)
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