AGENTURMELDUNGEN

16:22 | 07.09.2010
Börse Frankfurt-News: Fonds: Warten auf das Startsignal (Marktbericht)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 7. September 2010. Während Privatinvestoren
sich weiterhin zurückhalten, greifen Profis bei europäischen Werten schon zu.
Gewinne an chinesischen Börsen allein überzeugen nicht, positive Signale vom
US-amerikanischen Arbeitsmarkt könnten die Trendwende einläuten. Ein
Immobilientitel wertet deutlich ab und gewinnt trotzdem an Boden.

Fondsanleger warten scheinbar auf deutlichere konjunkturelle Signale, vor allem
aus den USA. Der Fondshandel an der Börse läuft weiterhin auf verhaltenem
Niveau. Alexander Scurlock, Fondmanager des Fidelity European Growth Funds,
sieht dagegen vor allem in der deutschen Wirtschaft das Zugpferd für Europa.
Deshalb erhöht er den Anteil an deutschen Titeln im Fonds auf über 20 Prozent.
Kurzer Atem

Spontanes Handeln dominiert. Nachdem sich die europäischen Börsen gerade wieder
etwas erholt hätten, würden die ersten Anteilseigner deutscher und europäischer
Fonds schon wieder Kasse machen. “Fondsanleger warten erst einmal auf den
heutigen Arbeitsmarktbericht aus den USA”, glaubt Dirk Schröder von der Baader
Bank. “Charttechnisch ist derzeit die durchschnittliche 100-Tage-Linie beim S&P
500 interessant”, erklärt der Händler. “Wird sie nach oben durchbrochen, kann
dies grundsätzlich die Trendwende bedeuten.” Insgesamt würde derzeit aber mehr
verkauft, so auch der cominvest Fondak (WKN 847101), der in deutsche
Standardwerte investiert. Die Baader Bank berichtet außerdem von Veräußerungen
beim BGF European Focus (WKN A0J2YE), der überwiegend in europäische Werte
investiert. Einige Fondsliebhaber schwimmen jedoch gegen den Strom und legen
sich Anteile am DWS Deutschland (WKN 849096) ins Depot.

Asiatische Gewinnmitnahmen

Betrachte man allein die Charttechnik, zeige sich der chinesische Leitindex
relativ stabil. Trotzdem trennten sich viele Anleger von ihren Asien-Fonds. “Der
Hang Seng konnte innerhalb der vergangenen Woche zwar deutlich zulegen und
notiert aktuell fast 1.000 Punkte besser, dennoch bleiben die Investoren
weiterhin skeptisch und nehmen erst einmal die Gewinne mit”, beobachtet
Schröder. Insgesamt sitze die Unsicherheit tief. “Investoren warten auf die
Signale der neusten Arbeitsmarktdaten aus den USA, die heute Nachmittag
veröffentlicht werden”, vermutet der Spezialist.

Veräußert wurde etwa der Templeton Asian Growth Fund (WKN 971661), der in
asiatische Werte ohne Japan investiert. Anleger trennten sich auch vom rein
chinesischen Fonds Allianz RCM China Fund (WKN 972883). Von einer erfreulichen
Nachfrage dagegen berichtet Schröder bei Aberdeen Global – Asia Pacific Equity
(WKN 972857). Der Fonds investiert primär in Aktien, die an
asiatisch-pazifischen Börsen notiert werden. Gekauft wurde auch der Baring Hong
Kong China Fund (WKN 933583), der in große Unternehmen mit Sitz in Hongkong und
China investiert.

Rückkehr des Optimismus?

Ein Immobilienfonds berichtigt den Wert seiner überwiegend gewerblichen Anlagen
um 18 Prozent nach unten und Anleger steigern ihre Nachfrage. Ivo Orlemann von
ICF Kursmakler berichtet von regem Interesse an dem Fonds Morgan Stanley P2
Value (WKN A0F6G8). “Neben der aktuellen Wertberichtigung hat Morgan Stanley
Neubewertungen von weiteren Immobilien bis Oktober angekündigt”, erklärt
Orlemann. Trotzdem finde der Fonds aktuell reißenden Absatz und schickt den Kurs
innerhalb eines Tages um knapp 15 Prozent nach oben. Morgan Stanley kündigte die
Wiedereröffnung des P2 Value an. Im Zuge hoher Mittelabflüsse wurde im Oktober
2008 die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt. Das große Interesse deute eventuell
auf die Rückkehr des Optimismus im Immobilienmarkt.

Deutscher Motor brummt

Für Alexander Scurlock, Fondmanager des gewichtigen Fidelity European Growth
Funds, unterscheide der Markt aktuell zu wenig zwischen europäischer Wirtschaft
und europäischen Unternehmen. Anleger begegneten vor allem dem europäischen
Aktienmarkt insgesamt immer noch sehr zurückhaltend. “Zu unrecht”, meint
Scurlock, “Vor allem Deutschland befindet sich mit über zwei Prozent
Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal dieses Jahres auf der Überholspur.”
Motoren dafür seien das Wachstum in den Schwellenländern, diverse staatliche
Konjunkturprogramme und die gute Wettbewerbsposition des Landes. “Autos aus
Deutschland stehen zum Beispiel oft ganz oben auf der Einkaufsliste der schnell
wachsenden Mittelschicht in den Ländern des Emerging Markets.” “Davon
profitieren in erster Linie Fahrzeugbauer mit einem hohen Bekanntheitsgrad und
überdurchschnittlichen Qualitätsstandards wie BMW oder Daimler.” Aber auch
Firmen anderer europäischer Länder würden durch enge Handelsbeziehungen mit der
Bundesrepublik vom deutschen Wachstum profitieren. “Viele Firmen aus den
Niederlanden und Österreich arbeiten beispielsweise sehr eng mit hiesigen Firmen
zusammen, was sie für Anleger potenziell interessant macht”, glaubt Scurlock.

Ebenfalls gut für europäische Unternehmen seien große längerfristige
Infrastrukturmaßnahmen in Schwellenländern. “Als Know-how- und Rohstofflieferant
für chinesische Großprojekte sind Unternehmen wie MAN, Linde und BASF sehr
beliebt”, erklärt der Fondsmanager.

Diese Einschätzung findet sich in der aktuellen Gewichtung des Fidelity European
Growth Fund (WKN 973270) wieder. “Mit 22,1 Prozent haben deutsche Werte einen
deutlich höheren Anteil am Fonds als der Vergleichsindex mit nur 11,8 Prozent”,
erklärt Scurlock. Der reine Aktienfonds ohne Anlagerestriktionen investiert nach
Angaben der Fondsgesellschaft hauptsächlich in Unternehmenswerte, die an
europäischen Börsen notiert sind. Scurlock engagiert sich überall dort, wo er
attraktive Gelegenheiten findet. Deshalb verfolge er weder eine
Wachstumsstrategie noch einen wertorientierten Investmentansatz. Er wende
Bewertungstechniken an, die sich auf beide Stile beziehen.

Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden.
Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter oder schicken Sie
uns eine E-Mail an redaktion@deutsche-boerse.com

© 7. September 2010/Iris Merker

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


Weitere Meldungen
23.12.2008 Börse Frankfurt-News: “Wie die Wilden” (Fonds-Marktbericht)
09.12.2008 Börse Frankfurt-News: Warten auf den großen Run (Fonds-Marktbericht)
02.12.2008 Börse Frankfurt-News: Das Ganzjahresloch (Fonds-Marktbericht)

 

NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt unseren
aktuellen Newsletter

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

11:01 Uhr | 23.05.2012
Microsoft will deutsche Städte ...


10:42 Uhr | 23.05.2012
Experten erwarten rund 100.000 ...


08:36 Uhr | 23.05.2012
Grönemeyer: "Opel-Werk Bochum ...


22:41 Uhr | 22.05.2012
SAP setzt auf die Daten-Wolke


21:06 Uhr | 22.05.2012
Quelle-Erbin reicht Klage ein