14:39 | 03.03.2010
Börse Frankfurt-News: Für neue Hausse noch nicht reif (Markttechnik)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 3. März 2010. Charttechnikern zufolge muss
der DAX noch wichtige Hürden reißen, bis es richtig nach oben gehen kann.
Die Stimmung an den Börsen hat sich seit dem vergangenen Freitag zwar klar
verbessert, Hoffnungen auf weitere Schritte Griechenlands zur Reduzierung der
Schulden sorgen für etwas Entspannung. Das zeigt auch die aktuelle
Sentimenterhebung der Börse Frankfurt. Charttechniker warnen aber weiterhin vor
zu viel Überschwang. Sie verweisen auf wichtige Hürden, die der DAX erst noch
überwinden müsse. Viele Analysten reiben sich auch an der fehlenden Marktbreite:
Die geringen Umsätze deuteten darauf hin, dass die Zeit für eine neue
Hausse-Bewegung noch nicht reif sei, meint etwa die Commerzbank. Heute Mittag
notiert der deutsche Leitindex bei 5.763 Punkten leicht im Minus.
Staud: Zu früh für Entwarnung
Einer der technisch orientierten Analysten, die vorsichtig bleiben, ist Wieland
Staud von Staud Research: “Die Entwicklung der vergangenen Tage war zwar gut,
für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh”, meint der Analyst. DAX-Stände
über 6.000 werden seiner Einschätzung nach so schnell nicht mehr erreicht
werden. Allerdings wertet Staud die Tatsache, dass der deutsche Leitindex
gestern oberhalb der Stauzone von 5.750/5.760 Punkten aus dem Handel ging,
durchaus positiv. Damit liefen die Bären jetzt höchste Gefahr, ihr analytisch
größtes Pfand aus den Händen zu verlieren.
Uneingeschränkt optimistisch gibt sich Staud aber nicht: “Wir haben bei 5.850
Punkten eine sehr beachtliche Widerstandszone”, erklärt er. Erst wenn das
deutsche Aktienbarometer darüber klettere, könne möglicherweise erstmals über
ein Ende der Korrekturphase nachgedacht werden. Unmittelbar neue Gefahr drohe
bei einer Rückkehr unter 5.620 Zähler. Insgesamt lautet sein Motto zur
Wochenmitte “Kurzfristig verhalten optimistisch”.
Das Gröbste laut WestLB noch nicht überstanden
Christian Henke von der WestLB rechnet mittelfristig mit weiter steigenden
Kursen, allerdings nur, solange die Glättungslinie steige und der DAX sich
darüber halte. Kurzfristig ist der Charttechniker nur eingeschränkt positiv
gestimmt. “Erst oberhalb der Widerstände bei 5.760 und 5.850 Punkten sowie der
Verlaufshochs bei 6.048/6.094 Zählern wäre das Gröbste überstanden”, meint
Henke. Bis dahin ist es seiner Ansicht nach für den deutschen Leitindex aber
noch ein langer Weg.
Henke sieht den DAX seit Mitte Januar in einer Korrekturphase. “Es wäre noch
tiefer gen Süden gegangen, wenn die steigende 200-Tage-Durchschnittslinie den
Fall nicht abgebremst hätte”, urteilt er. Am 5. Februar habe der DAX mit 5.434
Punkten knapp oberhalb der Glättungslinie bei 5.402 Zählern geschlossen. Davon
sei der Index nach oben abgeprallt, ein Kursfeuerwerk wäre jedoch ausgeblieben.
Laut Henke konnte die horizontale Schiebezone bei 5.572/5.575 Punkten zwar
zurückerobert werden, nach oben versperre aber ein ganzes Widerstandsbündel den
Weg.
Bei Überwinden der Hürden Potenzial bis 6.400 Punkte
Zu den Hürden zählen Henke zufolge zum einen die Haltelinien bei 5.750 und 5.850
Zählern: “Diese Widerstände kommen sowohl auf Tages- als auch auf Wochenbasis
vor und sollten daher ernst genommen werden.” Eine weitere Hürde seien die
Jahreshochs bei 6.048/6.094 Punkten. “Sollte jedoch das Widerstandsbündel
nachhaltig eliminiert werden, trauen wir dem DAX ein Kurspotenzial bis zuerst
6.400 Punkte zu”, resümiert Henke.
Marktstimmung wieder besser
Die Marktstimmung hat sich im Übrigen wieder etwas aufgehellt, wie die aktuelle
Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren zeigt. Der
Bull/Bear-Index kletterte auf 60 Punkte. 5 Prozent mehr Anleger als in der
Vorwoche rechnen mit steigenden Kursen. , insgesamt sind es nun 45 Prozent. Das
negativ eingestellte Lager schrumpfte leicht um 3 auf 27 Prozent. Noch
deutlicher ist der Stimmungsumschwung bei den Technologiewerten: Beim TecDAX
verzeichneten die Bullen einen satten Zuwachs von 14 auf 50 Prozent, während die
Pessimisten mit 30 Prozent jetzt deutlich in der Minderheit sind. Die absolute
Marktstimmung ist mit 64,3 wieder klar positiv. Die vollständige Analyse gibt es
heute nachbörslich bei boerse-frankfurt.de/sentiment.
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© 3. März 2010/Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)
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