15:45 | 01.09.2010
Börse Frankfurt-News: Markttechnik: Risiken noch nicht vom Tisch
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 1. September 2010. Trotz aktuell fester
Tendenz könnte der September nach Ansicht technischer Analysten seinem
schlechten Ruf gerecht werden. Dass wichtige Marken auch weiterhin nicht nach
unten durchbrochen werden, ist für sie noch nicht ausgemacht.
Fundamental orientierte Analysten blicken derzeit wie gebannt über den Atlantik
und erhoffen sich von den US-Konjunkturdaten Aufschluss über die weitere
Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Signale sind meist ernüchternd. “Zunehmend
gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed nicht in der Lage ist, die
Konjunktur ausreichend zu unterstützen”, meint etwa die Commerzbank. Technische
Analysten sind auch nicht optimistischer, im Gegenteil. Viele erwarten
allenfalls eine kurzfristige Erholung. Am Nachmittag notiert der DAX bei 5.994
Punkten gut 1,4 Prozent im Plus.
Die Anleger sind unterdessen wieder viel optimistischer, wie die aktuelle
Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren ausweist: Bei
den DAX- und auch den Technologie-Werten liegt der Bull/Bear-Index jetzt wieder
klar im bullishen Bereich.
Salomon: Aufhellung erst oberhalb von 6.000 Punkten
Laut Stefan Salomon, freier technischer Analyst (u.a. auf candlestick.de), sind
die Abwärtsrisiken noch nicht vom Tisch. “Erst ein Tagesschlusskurs deutlich
über der 6.000er Marke würde eine Aufhellung der Chart-Situation andeuten”,
kommentiert er. Ihm zufolge sind die Marktteilnehmer weiterhin uneins: “Die
Verunsicherung über die weitere Entwicklung zeigt sich in schnellen
Richtungswechseln innerhalb der zurückliegenden Handelstage sowie in abwechselnd
schwarz-weißen Tageskerzen.”
Ein Ausbruch nach unten aus der Handelsspanne zwischen etwa 5.837 und 5.975
Punkten würde deutliche Abgaben nach sich ziehen, da dann auch der seit August
2009 laufende Aufwärtstrend bei aktuell etwa 5.800 Punkten gebrochen werden
könnte. “Nach oben dagegen behindert sowohl eine sogenannte Kurslücke zwischen
5.975 bis 5.995 Punkten als auch die gebrochene 200-Tagelinie die Bullen, die
hier auf kräftigen Widerstand treffen”, führt er weiter aus.
Staud Research sieht DAX in kurzer Erholungsphase
Nach Einschätzung von Markus Metz von Staud Research hat sich der DAX in den
vergangenen Tagen zwar angeschickt, “etwas in Richtung eines zumindest
kurzfristigen Boden Gehendes zu basteln”. Auch die Mehrzahl der Tagesindikatoren
hätten die neuen Tiefs nicht mehr nachvollzogen und stünden nun an der Schwelle
zu Kaufsignalen. “Von einer grundlegenden Bereinigung der Lage beziehungsweise
der Risiken zu sprechen wäre freilich überzogen”, urteilt Metz. Die vorläufigen
Erwartungen beschränkten sich auf die Schließung des Gaps zwischen 5.975 und
5.995 Zählern.
Die Gefahr eines Einbruchs ist Metz zufolge noch nicht gebannt, er sieht
weiterhin Konsolidierungspotenzial bis auf 5.795 Zähler. “Nach wie vor drohen
diese – im Anschluss an ein etwaiges Erholungsintermezzo – von den Bären
getestet zu werden”, befürchtet der Analyst und verweist auf den überlagernden
Abwärtstrend.
Fast die Hälfte der Anleger bei DAX positiv
Die Anleger sind wieder deutlich optimistischer, das ergibt zumindest die
aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Satte
12 Prozent der befragten Anleger haben ihre bislang bearishe oder neutrale
Haltung zu DAX-Aktien aufgegeben und sind ins bullishe Lager gewechselt. Mit
einem Anteil von 48 Prozent ist nunmehr fast die Hälfte der Investoren
zuversichtlich, nur noch ein Drittel, nämlich 32 Prozent, pessimistisch. Der
Bull/Bear-Index für die DAX-Werte klettert von 50,6 auf 58,9 Prozent, für die
Technologiewerte sogar von 46,4 auf 63,6.
Dieser Index misst das Maß an Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten
ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten
gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der
Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment
lesen.
© 1. September 2010/Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)
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