- Finanzportal financial.de – Aktien – Börse – Kurse – Rohstoffe - http://www.financial.de -

Börse Frankfurt-News: Renten mit stabiler Entwicklung (Marktbericht)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 22. August 2008. Schwache Aktienkurse und
abnehmender Inflationsdruck unterstützen die konstante Aufwärtsentwicklung an
den Anleihemärkten. Die gehandelten Volumen sind allerdings saisonbedingt
niedrig. Banken und Versorger bieten gefragte Neuemissionen.

Die Krise um die schwer angeschlagenen US- Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und
Freddie Mac lässt die Nachfrage nach als stabil geltenden deutschen
Staatsanleihen steigen. US-Medien haben zu Beginn der Woche darüber berichtet,
dass staatliche Stellen eine Rettungsaktion für die beiden Unternehmen bereits
fest planen. “Das Vertrauen der Anleger in eine solide Entwicklung am
Aktienmarkt ist zurzeit gering. Weil auch die Krise am Geldmarkt, an dem sich
Banken untereinander Geld leihen, noch nicht vorüber ist, bieten staatliche
Anleihen momentan die einzige Alternative für Anleger, die die Sicherung ihrer
Investition ganz oben auf ihrer Prioritätenliste haben”, erklärt Aleksandar
Bakrac von Equinet.

Außerdem sei es nicht auszuschließen, dass es noch zu weiteren Bankeninsolvenzen
in den USA komme. “Selbst die US-Notenbank hat in der vergangenen Woche darauf
hingewiesen, dass die Verwerfungen am US-Hypothekenmarkt, die nun auch den
Kreditkartenmarkt negativ beeinflussten, viele mittelgroße Banken in
Schwierigkeiten brächten. Kommt es tatsächlich in den nächsten Wochen zu neuen
Insolvenzen größeren Ausmaßes bei den US-Banken, sind neue Schockwellen an den
Aktienmärkten fast sicher. Davon werden dann die Anleihemärkte profitieren”,
erwartet Bakrac.

Konjunkturabkühlung schafft Spielraum für die EZB

Volkswirte halten wegen der sich abzeichnenden Konjunkturabkühlung eine
Zinssenkung durch die EZB in den nächsten Monaten für wahrscheinlich. Die
Analysten der DZ-Bank glauben, dass die Phase der Wachstumsschwäche in Europa
nicht von kurzer Dauer sein werde. Neben Großbritannien drohe auch in Italien,
Frankreich und Spanien ein spürbarer Abschwung, der auch Deutschland als die
größte Volkswirtschaft Europa erreichen werde. Das Thema Inflation spiele wegen
der deutlich gesunkenen Rohstoffkosten nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die HSH Nordbank bemerkt in ihrem Marktkommentar, dass die Entwicklung am
US-Immobilienmarkt Dreh- und Angelpunkt für die Akteure im Rentenhandel bleibe.
Solange sich keine Stabilisierung am US-Häusermarkt abzeichne, sei auch nicht
von einer durchgreifenden Wende in der konjunkturellen Entwicklung auszugehen.
Die Bank rechnet deshalb in absehbarer Zeit mit einem stabilen niedrigen
Zinsniveau und einer Fortsetzung der moderaten Aufwärtsbewegung am Rentenmarkt.
Der Rentenmarkt präsentiert sich heute nahezu unverändert. Die Rendite einer
zehnjährigen Bundesanleihe steht nun aktuell bei 4,19 Prozent, der
Euro-Bund-Future, die Messlatte für die langfristige Zinsentwicklung in der
Eurozone, verliert 2 Stellen auf 114,08 Punkte. In den USA rentiert eine
zehnjährige Staatsanleihe bei 3,85 Prozent.

Kurzläufer werden bevorzugt

Ungebrochen, allerdings mit sinkenden Umsätzen im Vergleich zur Vorwoche, sei
die Vorliebe der Privatanleger zu kurz laufenden niedrigverzinslichen Anleihen
erstklassiger Bonität, berichtet Arthur Brunner von ICF Kursmakler AG.
“Steuerliche Anreize und Sicherheit stehen bei den Investoren weiterhin an
erster Stelle. Zudem finden die Privatanleger das lange Ende noch nicht
attraktiv genug für ein langfristiges Engagement. Bundesanleihen und Pfandbriefe
werden weiter bevorzugt”, ergänzt Brunner.

Bei Renten-ETFs erfreut sich der in der vergangenen Woche neu begebende iShares
eb.rexx Money Market (DE) (WKN A0Q4RZ) weiterhin hoher Nachfrage. “Die aktuelle
Marktlage ist für ein solches Produkt wie geschaffen. Die Möglichkeit auf
kurzfristige Marktveränderungen flexibel reagieren zu können, verstärkt das
Interesse für diesen ETF”, erklärt der zuständige Händler der HypoVereinsbank.
Wenig Bewegung bei Schwellenländeranleihen

Die wieder zunehmende Unsicherheit an den Aktienmärkten hat bisher nicht zu
einer Einschränkung der Emissionstätigkeit am Anleihemarkt geführt. “Emittenten
und Anleger bewerten die Risiken im Markt realistisch. Schwellenländeranleihen,
die sich durch eine erstklassige Bonität und attraktive Konditionen auszeichnen,
sind nach wie vor gefragt. Allerdings bleibt das Umsatzvolumen der Jahreszeit
angemessen dünn”, berichtet Daniel Förtsch von Walter Ludwig. Während Papiere
aus Südafrika und Brasilien gefragt sind, werden wegen des Georgien-Konflikts
Titel aus Russland und der Ukraine gemieden.

Neuemissionen von Rentenbank und Scottish & Southern Energy gesucht

Auf großes Interesse stoßen Neuemissionen von Emittenten, die mit attraktiven
Konditionen ausgestattet sind. “Besonders angetan hat es den Anlegern eine
zweijährige Anleihe der Rentenbank mit einem Volumen von 1 Milliarde US-Dollar
und einem Kupon von 3,125 Prozent (ISIN XS0384563424), deren Stückelung in
1.000-US-Dollar- Anteilen vor allem für Privatinvestoren interessant ist”,
erklärt Paul Hirt von Hellwig. Hohes Umsatzvolumen verzeichnet auch einer
dreißigjährigen Anleihe des britischen Energieversorgers Scottish & Southern
Energy (ISIN XS0383187720) in britischen Pfund. “Sowohl der Ausgabekurs von
99,139 Prozent als auch der Kupon von 6,25 Prozent können sich in diesem
Marktumfeld sehen lassen. Die lange Laufzeit trübt dieses Urteil nicht”,
schließt Hirt.

Möchten Sie unseren wöchentlichen Marktbericht zum Anleihenhandel kostenlos per
E-Mail, dann schreiben Sie uns einfach an redaktion@deutsche-boerse.com.
© 22. August 2008/Andreas Wolf

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)

Kontakt: financial.de AG Seitzstrasse 23 80538 München Telefon: 089 / 210298 -0 Telefax: 089 / 210298 -49 E-Mail: info@financial.de

Copyright © 2012 www.financial.de. Alle Rechte vorbehalten.