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16:36 | 23.07.2010
Börse Frankfurt-News: Risiko rückt wieder in den Hintergrund (Anleihen)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 23. Juli 2010. Die Lage in der Eurozone hat
sich diese Woche weiter entspannt. Investoren sind bereit, ihre Risikoaversion
angesichts der niedrigen Erträge aus Bundesanleihen abzulegen.

Diese Woche standen wieder jede Menge Auktionen von Staatsanleihen an. Unter
anderem wollten sich mit Griechenland, Spanien, Portugal und Irland gerade die
europäischen Problemstaaten mit frischem Kapital versorgen, und das auch noch
vor dem Hintergrund, dass die Ratingagentur Moody’s am Montag die
Verbindlichkeiten Irlands um eine Stufe auf Aa2 zurückgestuft hatte. Allerdings
wurde der Ausblick von negativ auf stabil angehoben. “Griechenland konnte sich
1,95 Milliarden an dreimonatigem Kapital besorgen. Der Zinssatz lag bei 4,05
Prozent und die Anleihe war 3,85-fach überzeichnet”, berichtet Arthur Brunner
von ICF Kursmakler. Spanien hätte mit fast 6 Milliarden Euro an ein- und
eineinhalbjährigen Anleihen soviel platziert, wie maximal vorgesehen war.
“Portugal musste für 1,25 Milliarden in einjährigen Anleihen mit 2,45 Prozent
Verzinsung zwar tief in die Tasche greifen, hat aber dafür wieder Zeit für eine
weitere Konsolidierung gewonnen”, erzählt der Rentenexperte über die Auktionen.
Irland platzierte jeweils 750 Milliarden Euro an sechs- und zehnjährigen
Anleihen. “Die Nachfrage überstieg das Angebot etwa um das dreifache, trotz der
bereits erwähnten Herabstufung des Rating.” Jedoch vor allem spanische
Staatsanleihen konnten gegenüber Bundesanleihen diese Woche deutlich Boden
gutmachen und verringerten den Renditeabstand im zehnjährigen Bereich um 16
Basispunkte.

Probleme hatte dagegen die Bundesfinanzagentur, genügend Käufer für 4 Milliarden
Euro an 30-jährigen Bundesanleihen zu finden. Es gingen lediglich Gebote im
Volumen von 3,764 Milliarden Euro ein. Zugeteilt wurden 3,1947 Milliarden Euro
mit einer Durchschnittsrendite von 3,33 Prozent, 805,3 Millionen musste die
Bundesbank zur Marktpflege übernehmen. “Es zeigt sich, dass die Anleger nicht
mehr bereit sind, langfristig zu so einem extrem niedrigen Zinssatz zu
investieren und der Bundesregierung weiterhin Geschenke zu machen”, kommentiert
Brunner.

Auch der Euro hat sich weiter stablisiert. Die europäische Gemeinschaftswährung
erhielt vom US-Notenbankchef Ben Bernanke bei dessen Halbjahresbericht vor dem
Finanzausschuss des amerikanischen Senats zusätzlichen Rückenwind: Die Erholung
der US-Konjunktur sei noch deutlich in Frage gestellt und habe zumindest noch
einen schwierigen Weg vor sich.

ifo-Geschäftsklima-Index überrascht alle

Überraschend und zur Freude der Marktteilnehmer ist der Ifo- Geschäftsklimaindex
viel besser als erwartet ausgefallen. Der Index, der die Stimmung deutscher
Unternehmenslenker abbildet, kletterte von 101,8 auf 106,2 Punkte und macht
damit den größten Sprung seit der Wiedervereinigung, wie die Financial Times
Deutschland schreibt. Die Stimmung hat sich in allen Branchen verbessert.

Banken im Test

Vor diesem Konjunkturbild rückt das Ergebnis des Bankenstresstests, das heute
Abend um 18 Uhr veröffentlicht wird, etwas in den Hintergrund. Allerdings
erwartet auch niemand böse Überraschungen. “Man kann diesen Test als
Beruhigungspille für die Märkte ansehen. Er ist nicht dazu gedacht, Panik zu
schüren”, kommentiert Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter
Ludwig. “Zu eindeutig war durchgedrungen, dass eben nur einem Institut, dem
Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, die Versetzung verweigert würde”, sagt
Klaus Stopp von der Baader Bank dazu. Schließlich brauche man wenigstens einen
Durchfaller, damit der Rest umso glaubwürdiger versetzt werden könne. Und wenn
der wie die Hypo Real Estate bereits verstaatlicht sei, brauche man sich nicht
darum zu sorgen, dass noch andere Institute mitgerissen würden. “Die Stresstests
entpuppen sich als Spiegelfechterei.”

Der Euro-Bund-Future notiert heute zur Mittagszeit bei 128,29 Punkten. Eine
zehnjährige Bundesanleihe rentiert mit 2,67 Prozent.

Von hohen Renditen verführt

Die dünnen Renditen bei deutschen Anleihen lässt Investoren wieder zu
Unternehmensanleihen greifen. “Wobei der Sicherheitsaspekt gegenüber der Rendite
wieder etwas in den Hintergrund getreten ist”, meint Brunner. So treffen die
hochverzinslichen Anleihen von Continental (WKN A1AY2A) oder von Phoenix (WKN
A1AY4U) trotz einer Stückelung von 50.000 Euro auf eine hohe Nachfrage. Das
Papier von Continental rentiert bei einem Kurs von 103,49 nun knapp unter 8
Prozent. Auch die Anleihe des Pharmagroßhändlers Phoenix kletterte im Kurs
bereits auch über 100 Prozent und wirft eine Rendite von 8,72 Prozent ab.

Wenig Neuemissionen

Für die Anleger gab es diese Woche kaum interessante Neuemissionen in diesem
Segment. Auch die Umsätze bei Währungsanleihen gingen aufgrund des sich wieder
stabilisierenden Euros zurück.
Venezuela-Anleihen nachgefragt

Auffallend ist zurzeit die Nachfrage nach einer Venezuela-Anleihe, die noch bis
2015 läuft (WKN A0DZ45). Das Papier notiert mittlerweile bei 80 Prozent und wird
von institutionellen Investoren intensiv gekauft.

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© 23. Juli 2010 / Dorothee Liebing

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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