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16:02 | 22.10.2010
Börse Frankfurt-News: USA im Blick (Wochenbericht vom Anleihenhandel)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 22. Oktober 2010. FRANKFURT (Börse
Frankfurt). Das Anleihekaufprogramm der USA steht kurz vor dem Start. In der
Eurozone scheint sich die Lage zu beruhigen. Selektive Käufe prägen den Markt.

Die Rentenmärkte sind in dieser Woche unter Druck gekommen, nachdem die
Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2010 und 2011 nach oben korrigiert
hat. Die Regierung rechnet jetzt für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,4
Prozent, im nächsten Jahr werden 1,8 Prozent erwartet. Außerdem ist der
Ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag mit 107,6 Punkten deutlich besser als
erwartet ausgefallen.

Die Krise der Europeripheriestaaten gerät immer mehr in den Hintergrund. Es gibt
jedoch heftige Diskussionen, wie zukünftig Defizitsünder behandelt werden
sollen, nachdem sich die Bundeskanzlerin mit dem französischen Staatspräsidenten
Sarkozy gegen eine automatische Sanktionierung von Verstößen ausgesprochen hat.
“Hier scheinen diplomatische Zwänge eine sinnvolle Regelung zugunsten eines
dauerhaft stabilen Euroverbundes wieder aufzuweichen”, kommentiert Arthur
Brunner von ICF Kursmakler die Meinungsverschiedenheiten. Dementsprechend
verschnupft zeige sich die EZB, der schon die ursprünglich geplante Regelung zu
weich erschienen sei.

Rückkehr zur Normalität?

Die EBZ kaufte in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit Beginn des
Anleihekaufprogramms am 10. Mai keine Anleihen mehr im Markt auf. Man betont
aber, weiterhin für Käufe bereitzustehen, sollte die Marktlage dies erfordern.
Die Interbankensätze nähern sich dem Leitzins von einem Prozent an, was auch
als Indiz einer weiteren Normalisierung in diesem Bereich angesehen werden kann.
Die Banken leihen sich wieder gegenseitig Geld und werden zunehmend unabhängiger
von der EZB. Dass Griechenland das Staatsdefizit nur mit 15,4 Prozent höher
ansetzt als zunächst erwartet, lässt vor diesem Hintergrund Marktteilnehmer
kalt. “Alle Nachrichten, die derzeit aus Europa kommen, sind ein Non-Event. Die
Marktteilnehmer haben die USA im Fokus”, beobachtet Gregor Daniel von der
Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig.

US-Anleihekaufprogramm startet

In den USA stand diese Woche die Veröffentlichung des Beige Book an, das über
die wirtschaftliche Situation in den einzelnen Regionen der Fed Auskunft gibt
und als Vorlage für die nächste Notenbanksitzung Anfang November dient. “Hier
gab es wenig Neues, und so geht man davon aus, dass die Fed im November beginnen
wird, weitere US-Staatsanleihen zu kaufen. Lediglich über die Höhe der Käufe
wird noch spekuliert”, erzählt Brunner. “Ein Programm in einem Volumen von 500
Milliarden US-Dollar haben die Märkte bereits eingepreist”, fügt Daniel an. Die
Renditen von US-Staatsanleihen (Treasuries) bleiben daher diese Woche nahezu
unverändert. Spannend sei jedoch, ob weiter steigende Renditen im Euroraum den
US-Dollar unter Druck bringen, was der US-amerikanischen Regierung im Moment
nicht ungelegen komme, meint Brunner.

China hebt die Zinsen an

Überraschend kam für die Marktteilnehmer eine Zinserhöhung in China um 0,25
Prozent. Der Inflationsdruck habe den Schritt notwendig gemacht, wurde diese von
der chinesischen Zentralbank begründet.

Zurückhaltung der Investoren

In diesem Umfeld bleiben Anleger in den Rentenmärkten diese Woche eher passiv.
Nur vereinzelt sei es zu größeren Käufen gekommen, meldet Brunner. Weiterhin
gesucht ist eine Anleihe von Conti-Gummi (WKN A1A1P0). Risikobereite Käufer
kaufen eine “EMMA 102″ Anleihe der DZ Bank (WKN DZ6Z7E). “Hierbei handelt es
sich um eine Multikredit-Anleihe mit den Staaten Griechenland, Polen und Ungarn.
Bei einer Laufzeit bis 2015 beträgt die Rendite 8,634 Prozent, sollte bei keinem
der genannten Länder zu einem Kreditereignis kommen”, erklärt Brunner.

Daniel beobachtet Käufe in einer Anleihe der UBS (WKN UB3MH3), die noch bis
Oktober 2014 läuft und mit 3 Prozent verzinst ist. Das Papier rentiert mit 2,3
Prozent. Eine Wienerberger-Anleihe (WKN A0G4X3) steht ebenfalls auf der
Einkaufsliste der Investoren. Das endlos laufende, nachrangige Papier wird mit
6,5 Prozent verzinst.

Umschuldung bei der Anglo Irish Bank

Für die nun im irischen Staatsbesitz angeschlagene Anglo Irish Bank liegen nun
Umtauschangebote für nachrangige Anleihen auf dem Tisch. Die Financial Times
Deutschland titelt dazu: “Irland lässt Bürger und Gläubiger bluten. Anleger
sollen in der neuen Anleihe – es geht um ein Volumen von Nachranganleihen von
1,6 Milliarden Euro – für jeden Euro nur noch 20 Cent erhalten. “Das Angebot
muss von zwei Drittel der Investoren akzeptiert werden, damit es umgesetzt
werden kann”, weiß Daniel. Die betroffenen Papiere (WKNs A0NXBN, A0BDY8) handeln
derzeit etwas über 20 Prozent. Die FTD berichtet, dass Anleger, die die Offerte
nicht annehmen, nur 1 Cent pro 1.000 Euro erhalten werden.

Neu am Markt

Wie die Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank melden, stößt eine neue
Anleihe von Sixt (WKN A1E8V8) durchaus auf Interesse bei Privatanlegern. Das
Papier wird im Oktober 2016 fällig und ist mit einem Kupon von 4,125 Prozent
ausgestattet. Die Anleihe notiert bei 98,98 Prozent.

4 Prozent zahlt die RCI Banque (WKN A1A2TX) für eine im Januar 2016 fällige
Anleihe. Die Bank ist mit Baa2 bewertet. Die Anleihe notiert bei 99,65 Prozent.

© 22. Oktober 2010 / Dorothee Liebing

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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