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14:38 | 29.10.2008
Börse Frankfurt-News: Verzerrtes technisches Bild (Technischer Marktbericht)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 29. Oktober 2008. Angesichts der
unverändert hohen Volatilität an den internationalen Börsen rechnen
Charttechniker mit einer Fortsetzung der Talfahrt. Am deutschen Aktienmarkt
sorgt das VW-Papier unterdessen weiter für turbulente Kursbewegungen und
erschwert Prognosen.

Die Unruhe im Markt hält weiter an. Während Schnäppchenjäger und erwartete
Zinssenkungen jenseits des Atlantiks ein Kursfeuerwerk ausgelöst haben, ringt
der deutsche Leitindex DAX® weiter mit dem VW-Effekt. Nachdem der Wolfsburger
Autobauer am Wochenauftakt zwischenzeitlich zum wertvollsten Konzern der Welt
aufgestiegen war, stehen die Titel heute wieder stark unter Druck. Porsche hatte
zuvor bekannt gegeben, einen Teil der Volkswagen-Papiere wieder verkaufen zu
wollen, um den Freefloat zu erhöhen und den Spekulationen entgegen zu wirken.
Bis zum Mittag verbilligt sich VW um über 40 Prozent auf rund 550 Euro. Der DAX
kann sich von dem VW-bedingten Kurssturz am Morgen unterdessen aber wieder
erholen. Bis zum Mittag stabilisiert sich der deutsche Leitindex bei 4.817
Zählern und steht damit gegen über dem Vortag nur noch rund 0,12 Prozent im
Minus.

Die zumeist institutionellen Anleger im ETF-Handel setzen allerdings weiter auf
fallende Kurse und steigen heute aus den Indextrackern iShares DAX (DE) (WKN
593393) und iShares DJ EURO STOXX 50 (DE) (WKN 593395) mehrheitlich aus. Wie
Händler berichten, verläuft der Handel mit Indexfonds nach der außerordentlichen
Indexneugewichtung des DAX durch die Deutsche Börse heute allerdings etwas
ungeordnet.

Ungekannte Bewegungen

“Ohne VW wäre der DAX jetzt eigentlich bei 3.700 Punkten”, meint unterdessen
Harald Weygand von GodmodeTrader. Wie der technische Analyst erklärt, werde die
Entwicklung des deutschen Leitindex durch die Spekulationen mit der Aktie des
Wolfsburger Autobauers derzeit so stark verzerrt, dass eine technische Analyse
schwer falle. Dennoch geht der Experte davon aus, dass der DAX noch weiter
einbrechen wird und sieht die nächste Unterstützung im Bereich von 3.500 bis
3.700 Zählern. Diese Prognose gelte trotz des extrem bearishen Sentiments,
welches sonst oft eine Trendumkehr andeute. “Bislang gab es noch nie die
Situation, dass sich die Volatilitätsindizes wie der VDAX-NEW oder das
amerikanische Pendant VIX trotz der bereits erreichten hohen Niveaus immer
weiter hoch schrauben. Normalerweise gibt es eine Spitze, eine Art
Adrenalinstoß, dann nehmen die Schwankungen aber wieder ab. Dass die Volatilität
nun aber auf einem derart hohen Niveau verharrt, ist völlig ungewöhnlich”, zeigt
sich Weygand überrascht.

Der VDAX-NEW drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite der nächsten
30 Tage, also die implizite Volatilität, der DAX-Aktien in Prozent aus. Hohe
Werte deuten demnach auf einen unruhigen Markt mit entsprechend hohem Risiko
hin. Heute steht der VDAX-NEW bei gut 78 Prozent – einige Prozentpunkte von
seinem Allzeithoch – rund 85 Prozent – aus der Vorwoche entfernt.

Zwangssituation an den Märkten

Für den DAX gelte unterdessen die umgekehrte Situation wie für VW. “Die
Zwangssituation, die man bei VW nach oben gesehen hat, zeigt sich derzeit in den
breiten Aktienmärkten nach unten. Vor allem Hedgefonds sind davon betroffen und
werden zwangsliquidiert.” Dies liege einerseits daran, dass Kundengelder
abgezogen würden. Andererseits stünden die Hedgefonds gehebelt im Markt und
müssten diesen Hebel angesichts der fallenden Aktienkurse nun abbauen,
beschreibt der Techniker die Situation.

Banken und Hedgefonds hatten sich in der Vergangenheit in der Hoffnung auf
fallende Kurse VW-Aktien geliehen und weiterverkauft. Durch den jüngsten
massiven Kursanstieg mussten diese Akteure VW-Aktien kaufen, um ihre Verluste
aus den Short-Positionen zu begrenzen. Der VW-Kurs schnellte weiter in die Höhe.
Schätzungen zufolge haben Hedgefonds durch die Spekulationen rund 20 Milliarden
Euro verloren.

Gold auf Talfahrt

Nachdem die Gold zuletzt noch mit seinem Ruf als sichere Krisenwährung punkten
konnte und einige Analysten dem Rohstoff neue Höchststände jenseits der 1.000
Dollar-Marke zugetraut hatten, sieht Weygand ein Ende der Hausse bei dem
Edelmetall. Der Goldpreis werde kurzfristig auf bis zu 550 US-Dollar je Feinunze
korrigieren, lautet die Prognose des Spezialisten.

Optimismus setzt sich durch

Nach dem Ergebnis der aktuellen Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt bei 300
aktiven Investoren Gewinnt das Bullenlager in dieser Woche wieder die Oberhand:
Bei den deutschen Bluechips haben 8 Prozent Aktien gekauft, wobei 2 Prozent
zuvor short positioniert und 6 Prozent gar nicht im Markt waren. Die
vollständige Analyse lesen Sie nachbörslich auf www.boerse.frankfurt.de
/sentiment.

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© 29. Oktober 2008 / Karoline Koch

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die
Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder
anderen Vermögenswerten.)


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