13:20 | 25.02.2008
CEBIT/HINTERGRUND/CeBIT 1998: Die Computermesse der großen Versprechen
HANNOVER (dpa-AFX) – Die Fahrt zur Computermesse CeBIT 1998 in Hannover
geriet vor zehn Jahren zu einer großen Geduldsprobe. Kilometerlange Staus auf
dem Messeschnellweg und völlig überfüllte Bahnen strapazierten knapp zwei Jahre
vor dem Beginn der Weltausstellung Expo 2000 die Nerven der Messebesucher. Wer
sich zum Ausstellungsgelände vorgekämpft hatte, bekam dann allerdings einen
spannenden Mix von Neuheiten und großen Versprechen geboten.
Drei Jahre vor dem spektakulären Platzen der Internet-Blase feierten die
CeBIT-Macher im März 1998 die bis dahin größte Computermesse. Helmut Kohl war
damals noch Bundeskanzler und lieferte den CeBIT-Fotografen beim Testen einer
3D-Brille auf dem Stand des Zentrums für Graphische Datenverarbeitung
(Darmstadt) ein dankbares Fotomotiv.
Damals waren Personal Computer nur bedingt massentauglich. Zur Erinnerung:
Wer im Jahr 1998 beispielsweise an einen PC ein Zusatzgerät anschließen wollte -
etwa einen Drucker oder eine externe Festplatte -, wurde von dem System
kryptisch nach Angaben zu “I/O-Adressen”, “Jumpern” oder “IRQ-Einstellungen”
gefragt. Für die geplagten Computer-Anwender wurde auf der CeBIT 1998 Linderung
durch den neu entwickelten Universal Serial Bus (USB) in Aussicht gestellt. Der
universelle serielle Stecker werde den Anschluss eines Scanners so einfach
machen wie das Anschalten des Rechners, hieß es.
Der erste PC mit USB-Anschluss für die Massen wurde jedoch nicht auf der
CeBIT 1998, sondern erst zwei Monate später in Kalifornien präsentiert.
Apple-Chef Steve Jobs startete mit dem ersten iMac die
Kehrtwende für den damals angeschlagenen Computerkonzern und setzte dabei voll
auf Innovationen wie USB. Ein Jahr später sah man dann auf der CeBIT auch die
ersten Windows-PCs mit den praktischen USB-Buchsen.
Die Leistung der PCs wurde damals quasi mit der Taktfrequenz der Hauptchips
gleichgesetzt. “Höhere Taktzahl = mehr Power”, lautete die einfache Formel der
Branche. Daher war es schon eine kleine Sensation, dass sich der Chipgigant
Intel das Messegelände in Hannover ausgesucht hatte, um
einen Weltrekord aufzustellen, der PC-Fans in Verzückung versetzte. Intels
Vizepräsident Albert Yu präsentierte mit Hilfe des Computerspiels “Underwater
World” ein Labormuster des Pentium-II-Chips, das während der Demo den bis dahin
unvorstellbaren Rekordtakt von 702 Megahertz erzielte. Ein schneller PC war
damals nicht schneller als 200 MHz.
Viele Computer-Händler trauern heute diesen Megahertz-Rennen hinterher. Die
Architektur der Chips für Personal Computer hat sich in den vergangenen Jahren
grundlegend geändert, so dass die Taktzahl eines Chips allein kaum noch
Aussagekraft mehr hat. In den Zeiten von komplexen Mehrkernprozessoren ist der
Stand der Technik einer breiten Öffentlichkeit nicht mehr so leicht zu
vermitteln wie vor zehn Jahren.
Ein Leistungssprung war auf der CeBIT 1998 auch für die schätzungsweise vier
Millionen Internet-Anwender in Sicht, die sich aus der Sicht von heute mit
quälend langsamen Modemleitungen ins Netz der Netze einwählten. Telekom-Vorstand
Gerd Tenzer kündigte damals an, im ganzen Bundesgebiet Breitbandzugänge in
ADSL-Technik (Asymmetrical Digital Subscriber Line) einzuführen. Ein kleiner
Pilotversuch startete dann im April 1998 in Nordrhein-Westfalen. Es dauerte
allerdings noch bis zum Juli 1999, bis die ersten schnellen Internet-Zugänge der
Telekom auch in anderen Städten geschaltet werden konnten. Ende 1999 zählte die
Telekom 2900 DSL-Kunden, heute betreuen die Telekom und ihre Partner rund 14
Millionen breitbandige
Internetanschlüsse.
Zum Abschluss der CeBIT 1998 feierte die Deutsche Messe AG ihre Computermesse
mit 670.000 Besuchern als “Meilenstein für die Informationsgesellschaft”. Angst
vor sinkenden Aussteller- oder Besucherzahlen mussten die Manager damals (noch)
nicht haben. Schließlich hatten viele Besucher von der CeBIT in Hannover zwei
Herkules-Aufgaben mit nach Hause gebracht: Die Umstellung auf den Euro und das
“Jahr 2000-Problem” sollten der IT-Branche etliche Monate lang gute Umsätze
bescheren./cd/DP/zb
— Von Christoph Dernbach, dpa —
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