15:16 | 28.02.2010
CEBIT/ROUNDUP: Merkel warnt vor Internet-Gefahren – CeBIT 2010 startet
HANNOVER (dpa-AFX) – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur weltgrößten
IT-Messe CeBIT vor den Risiken des Internets gewarnt. Die Politik müsse sich
auch mit Gefährdungen aus dem Internet auseinandersetzen, sagte Merkel am
Wochenende in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. “Das bedeutet nicht, dass
wir die Freiheit des Internets unnötig einschränken wollen, aber es bedeutet
eben auch, dass umfassend Rechtssicherheit für die Menschen gewährleistet werden
muss.”
Daher werde die Bundesregierung auch weiter dafür sorgen, “dass – zum
Beispiel im Falle der Kinderpornografie – das Löschen von solchen Seiten möglich
sein wird, um Menschen vor Gefahren zu schützen”. Das Internet sei kein
rechtsfreier Raum. Sie ermahnte die Nutzer, vorsichtiger mit ihren persönlichen
Daten im Netz umzugehen. “Denn es ist ein Unterschied, ob die Freunde im
sozialen Netzwerk Zugang zu meinen persönlichen Angaben haben, oder aber ob
Suchmaschinen aller Art Zugriff auf diese Daten haben.”
MERKEL SCHALTET SICH IN STREIT UM “STREET VIEW’ EIN
Merkel schaltete sich auch in den aktuellen Streit um Googles
Straßenansicht-Dienst “Street View” ein, bei dem der Internet-Konzern
demnächst auch Straßenzüge deutscher Städte online zeigen will. “Diejenigen, die
finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist, können von ihrem
Widerspruchsrecht Gebrauch machen”, sagte Merkel. Das Verbraucherschutzministeri
um habe dafür auf seiner Internetseite einen Musterbrief vorbereitet.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte Google
in den vergangenen Wochen unter anderem wegen “Street View”
wiederholt in scharfen Worten vorgeworfen, die Privatsphäre der Bürger zu
verletzen. Sie forderte engere gesetzliche Grenzen für den Straßenbilder-Dienst.
BITKOM KRITISIERT INTERNETPOLITIK DER BUNDESREGIERUNG
Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, kritisierte in
diesem Zusammenhang die Internetpolitik der Bundesregierung. Auf der einen Seite
durchlöchre der Staat mit Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchungen die
Privatsphäre der Bürger. “Gleichzeitig drischt die Verbraucherschutzministerin
auf Google ein, weil es angeblich die Privatsphäre verletzt. Das passt nicht
zusammen”, monierte Scheer im Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”. Aigner agiere
als “Scharfmacherin gegen das Internet”. Deutschland bekomme dadurch “das Image
des bürokratischen Spielverderbers und ständigen Blockierers”.
Merkel wird am Montagabend zusammen mit dem spanischen Ministerpräsidenten
José Luis Rodríguez Zapatero die CeBIT (2.-6. März) offiziell eröffnen. Spanien
ist Partnerland der diesjährigen CeBIT.
‘CONNECTED WORLDS’
Bis Samstag stellen rund 4.150 Unternehmen aus 68 Ländern ihre Produkte und
Neuheiten aus. Damit verlor die CeBIT nach einem kräftigen Einbruch im
Wirtschaftskrisenjahr 2009 weitere Aussteller. Im vergangenen Jahr war die
Ausstellerzahl auf rund 4.300 gefallen – von mehr als 5.800 Unternehmen im Jahr
2008.
Für das Publikum öffnet die Messe am Dienstag. Der Schwerpunkt der CeBIT
2010 heißt “Connected Worlds” – mit Hilfe des Internet vernetzte Welten. Zu
weiteren große Themen zählen das schnelle mobile Internet, IT-Sicherheit,
Verkehrstelematik und umweltfreundlichere Informationstechnik. Daneben gibt es
zahlreiche Kongresse und Sonderschauen.
SAP: ‘DIESES JAHR IST EIN ENTSCHEIDENDES JAHR’
Mit der CeBIT Sounds! wird diesmal eine eigene Musikmesse veranstaltet, die
Unternehmen aus dem Musikgeschäft und der Technologiebranche zusammenführen
soll. Die CeBIT verliert schon seit Jahren Aussteller. Unter anderem hat das mit
dem Aufstieg spezialisierter Messen zu tun. So gehen Unternehmen der
Unterhaltungselektronik bevorzugt zur Funkausstellung IFA in Berlin oder der
Consumer Electronics Show in Las Vegas. Als wichtigster Treff der
Telekommunikationsbranche hat sich fest der Mobile World Congress in Barcelona
etabliert.
Wenn die CeBIT in diesem Jahr nicht gut läuft, muss sie um einige prominente
Ausssteller fürchten. “Dieses Jahr ist ein entscheidendes Jahr”, sagte Katja
Mehl, Marketingleiterin von SAP Deutschland, Schweiz und Österreich dem
Tagesspiegel (Montag). Die Messe müsse noch stärker in neue Medien investieren
und klare Kommunikationskonzepte entwickeln, forderte sie.
Im vergangenen Jahr schrumpfte die Ausstellungsfläche um ein Fünftel auf
etwa 200.000 Quadratmeter. Die Zahl der CeBIT-Besucher branch um ebenfalls knapp
20 Prozent auf etwa 400.000 ein./hoe/DP/he
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