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15:04 | 29.10.2008
DJ aktiencheck.de/Technischer Bericht: Verzerrtes technisches Bild

DJ aktiencheck.de/Technischer Bericht: Verzerrtes technisches Bild


29. Oktober 2008. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Unruhe im Markt hält
weiter an. Während Schnäppchenjäger und erwartete Zinssenkungen jenseits des
Atlantiks ein Kursfeuerwerk ausgelöst haben, ringt der deutsche Leitindex
DAX® weiter mit dem VW-Effekt. Nachdem der Wolfsburger Autobauer am
Wochenauftakt zwischenzeitlich zum wertvollsten Konzern der Welt
aufgestiegen war, stehen die Titel heute wieder stark unter Druck. Porsche
hatte zuvor bekannt gegeben, einen Teil der Volkswagen-Papiere wieder
verkaufen zu wollen, um den Freefloat zu erhöhen und den Spekulationen
entgegen zu wirken. Bis zum Mittag verbilligt sich VW um über 40 Prozent auf
rund 550 Euro. Der DAX kann sich von dem VW-bedingten Kurssturz am Morgen
unterdessen aber wieder erholen. Bis zum Mittag stabilisiert sich der
deutsche Leitindex bei 4.817 Zählern und steht damit gegen über dem Vortag
nur noch rund 0,12 Prozent im Minus. 

Die zumeist institutionellen Anleger im ETF-Handel setzen allerdings weiter
auf fallende Kurse und steigen heute aus den Indextrackern iShares DAX (DE)
(WKN 593393) und iShares DJ EURO STOXX 50 (DE) (WKN 593395) mehrheitlich
aus. Wie Händler berichten, verläuft der Handel mit Indexfonds nach der
außerordentlichen Indexneugewichtung des DAX durch die Deutsche Börse heute
allerdings etwas ungeordnet. 

Ungekannte Bewegungen 

"Ohne VW wäre der DAX jetzt eigentlich bei 3.700 Punkten", meint unterdessen
Harald Weygand von GodmodeTrader. Wie der technische Analyst erklärt, werde
die Entwicklung des deutschen Leitindex durch die Spekulationen mit der
Aktie des Wolfsburger Autobauers derzeit so stark verzerrt, dass eine
technische Analyse schwer falle. Dennoch geht der Experte davon aus, dass
der DAX noch weiter einbrechen wird und sieht die nächste Unterstützung im
Bereich von 3.500 bis 3.700 Zählern. Diese Prognose gelte trotz des extrem
bearishen Sentiments, welches sonst oft eine Trendumkehr andeute. "Bislang
gab es noch nie die Situation, dass sich die Volatilitätsindizes wie der
VDAX-NEW oder das amerikanische Pendant VIX trotz der bereits erreichten
hohen Niveaus immer weiter hoch schrauben. Normalerweise gibt es eine
Spitze, eine Art Adrenalinstoß, dann nehmen die Schwankungen aber wieder ab.
Dass die Volatilität nun aber auf einem derart hohen Niveau verharrt, ist
völlig ungewöhnlich", zeigt sich Weygand überrascht. 

Der VDAX-NEW drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite der
nächsten 30 Tage, also die implizite Volatilität, der DAX-Aktien in Prozent
aus. Hohe Werte deuten demnach auf einen unruhigen Markt mit entsprechend
hohem Risiko hin. Heute steht der VDAX-NEW bei gut 78 Prozent - einige
Prozentpunkte von seinem Allzeithoch - rund 85 Prozent - aus der Vorwoche
entfernt. 

Zwangssituation an den Märkten 

Für den DAX gelte unterdessen die umgekehrte Situation wie für VW. "Die
Zwangssituation, die man bei VW nach oben gesehen hat, zeigt sich derzeit in
den breiten Aktienmärkten nach unten. Vor allem Hedgefonds sind davon
betroffen und werden zwangsliquidiert." Dies liege einerseits daran, dass
Kundengelder abgezogen würden. Andererseits stünden die Hedgefonds gehebelt
im Markt und müssten diesen Hebel angesichts der fallenden Aktienkurse nun
abbauen, beschreibt der Techniker die Situation. 

Banken und Hedgefonds hatten sich in der Vergangenheit in der Hoffnung auf
fallende Kurse VW-Aktien geliehen und weiterverkauft. Durch den jüngsten
massiven Kursanstieg mussten diese Akteure VW-Aktien kaufen, um ihre
Verluste aus den Short-Positionen zu begrenzen. Der VW-Kurs schnellte weiter
in die Höhe. Schätzungen zufolge haben Hedgefonds durch die Spekulationen
rund 20 Milliarden Euro verloren. 

Gold auf Talfahrt 

Nachdem die Gold zuletzt noch mit seinem Ruf als sichere Krisenwährung
punkten konnte und einige Analysten dem Rohstoff neue Höchststände jenseits
der 1.000 Dollar-Marke zugetraut hatten, sieht Weygand ein Ende der Hausse
bei dem Edelmetall. Der Goldpreis werde kurzfristig auf bis zu 550 US-Dollar
je Feinunze korrigieren, lautet die Prognose des Spezialisten. 

Optimismus setzt sich durch 

Nach dem Ergebnis der aktuellen Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt bei
300 aktiven Investoren Gewinnt das Bullenlager in dieser Woche wieder die
Oberhand: Bei den deutschen Bluechips haben 8 Prozent Aktien gekauft, wobei
2 Prozent zuvor short positioniert und 6 Prozent gar nicht im Markt waren. 

Die vollständige Analyse lesen Sie nachbörslich auf
www.boerse.frankfurt.de/sentiment. 

© 29. Oktober 2008 / Karoline Koch 

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(END) Dow Jones Newswires

October 29, 2008 10:04 ET (14:04 GMT)


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