AGENTURMELDUNGEN

16:02 | 28.07.2011
DJ Deutsche Banken rechnen nicht mit Zahlungsausfall der USA

DJ Deutsche Banken rechnen nicht mit Zahlungsausfall der USA

FRANKFURT (Dow Jones)–Angesichts der drängenden Schuldenkrise in den USA nimmt die deutsche Banken- und Versichererbranche eine abwartende Haltung ein. Mit einem Default, also einem echten Zahlungsausfall bei den US-Anleihen, rechnet niemand wirklich. Alle setzen darauf, dass sich die verfeindeten politischen Lager noch auf eine Lösung einigen werden – wenn auch sehr wahrscheinlich erst in allerletzter Minute.

Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass sich kaum jemand die Konsequenzen eines Defaults des größten Schuldners der Welt ausmalen mag. Dabei geht es nicht nur um die direkten Folgen etwa auf die Anleiheportfolios der Banken und Versicherer. Viel gravierender und schwer überschaubar wären die indirekten Folgen, wenn das wichtigste “Schmiermittel” der globalen Finanzmärkte ausfallen würde – angefangen bei den riesigen, zumeist in US-Treasuries gehaltenen Währungsreserven der Chinesen bis zu der notwendigen Absicherung der Finanzierungsgeschäfte unter den Banken bzw mit den Zentralbanken (Repogeschäfte). “Gegen einen Default der USA kann man sich nicht absichern”, sagte ein Banker, der damit die Haltung des Sektors auf den Punkt brachte.

Als wahrscheinlicher gilt dagegen eine Abstufung des bisher erstrangigen “AAA”-Bonitätsratings für die USA, die einige Ratingagenturen für den Fall einer ausbleibenden Lösung des Schuldenproblems bereits angedroht haben. Selbst wenn es in der nächsten Woche zu einer Einigung über die Anhebung der Schuldengrenze kommen sollte, gibt es bisher immer noch keinen Plan, wie die Schulden abgebaut werden sollen. Während die US-Demokraten neben Ausgabenkürzungen auch auf Steuererhöhungen setzen, verweigern sich insbesondere die der Tea Party nahestehenden Republikaner jeglicher Einnahmensteigerung. Kompromisse sind bisher kaum auszumachen.

Eine Abstufung etwa auf “AA” wird für die Banken und Versicherer aber vermutlich keine größeren direkten Auswirkungen haben. Für die Bilanzen der Banken spielt eine Abstufung auf diesem Niveau keine Rolle, weil Staatsanleihen mit Investmentgrade – und das werden US-Treasuries sein – ohnehin nicht zu den risikobehafteten Assets gezählt werden. Gleiches gilt für die Versicherer. Auch hier hätte eine Abstufung weder Einfluss auf die Verwendung der Assets für den Deckungsstock der Finanzmarktaufsicht (BaFin) noch für die Bewertung in der Bilanz.

In den USA sieht das etwas anders aus. Hier rechnet Stefan Kolek von der UniCredit mit mittelfristig höheren Kapitalkosten in der Wirtschaft- und Finanzwelt. Denn eine Herunterstufung der USA habe direkte Folgen auf dortige Unternehmen und Branchen, die eng an den Staat gebunden seien. So dürften etwa auch Banken, Versicherer und Government Sponsored Enterprises (GSE) wie die großen Hypothekenversicherer Fannie Mae und Freddy Mac heruntergestuft werden. Auch im Repo-Markt dürften aus seiner Sicht die Kosten steigen, da Staatspapiere einer der gebräuchlichsten Collaterals sind, die als Sicherheiten eingereicht werden.

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital, hält sogar eine Massenflucht von Investoren aus US-Staatsanleihen für möglich. Ein Herabstufen dürfte zu Verkaufsdruck auf dem Treasury-Markt führen, sagte er dem “Handelsblatt. Dies hätte wiederum Rückwirkungen auf die Bewertungen von Besicherungen von Finanzgeschäften. Denn viele Derivate-Transaktionen und ihre Preise stünden in Abhängigkeit von der Kreditqualität der Staatsanleihen.

Die Schuldenkrise in den USA wird aber vor allem an den Märkten das Hauptthema sein. Am Mittwoch hatten am Kreditmarkt die Ausfallversicherungen (CDS) auf kurzlaufende US-Staatspapiere ein neues Allzeithoch markiert und damit einen kleinen Ausverkauf an den US-Börsen ausgelöst. Der Druck von Wall Street auf Washington dürfte in den kommenden Tagen noch weiter zunehmen, sagte ein Händler.

 
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires, 
+49 (0)69 - 29725 115, joern.rehren@dowjones.com 
DJG/reh/jhe 

(END) Dow Jones Newswires

July 28, 2011 10:02 ET (14:02 GMT)

Copyright (c) 2011 Dow Jones & Company, Inc.


NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt unseren
aktuellen Newsletter

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

05:37 Uhr | 21.11.2017
Verdi droht Amazon im ...


05:35 Uhr | 21.11.2017
Pressestimme: 'Frankfurter ...


05:35 Uhr | 21.11.2017
Pressestimme: 'Die Welt' zum ...


05:35 Uhr | 21.11.2017
Pressestimme: 'Der Tagesspiegel' ...


05:35 Uhr | 21.11.2017
Pressestimme: 'Frankfurter ...