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16:21 | 08.08.2008
DJ FOKUS: Conti will Schaefflers Übernahmefinanzierung austrocknen

DJ FOKUS: Conti will Schaefflers Übernahmefinanzierung austrocknen

   Von Katharina Becker
   DOW JONES NEWSWIRES 

FRANKFURT (Dow Jones)–Im Kampf gegen die Avancen des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler versucht die Continental AG den Finanzmarkt leerzufegen und so die Finanzierung der Herzogenauracher auszutrocknen. Der Hannoveraner Automobilzulieferer hat inzwischen fast alle großen Adressen für sich verpflichtet: Goldman Sachs, JP Morgan, die Deutsche Bank, Citigroup, HSBC, Bank of America, BNP Paribas und seit Freitag auch die US-Investmentbank Morgan Stanley.

“Mehr große Namen sind nicht verfügbar, die Royal Bank of Scotland arbeitet ja für die andere Seite”, hieß es aus Finanzkreisen. Schaeffler sieht das zwar “ganz gelassen”. Doch Conti hat noch andere Pfeile im Köcher.

Der Wälzlagerhersteller hat sich bei dem Bankenkonsortium aus der Royal Bank of Scotland, HypoVereinsbank (HVB), Commerzbank, Dresdner Bank, der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der UBS einen Kredit über rund 16 Mrd EUR für die Übernahme gesichert. Um das Milliardenrisiko nicht alleine zu tragen, soll ein Teil der Kredite an andere Banken weitergereicht werden. Details wollte das Konsortium am Freitag bei einem Treffen in Frankfurt klären.

Doch genau diesen Weg will Conti Schaeffler abschneiden. Die von den Hannoveranern verpflichteten Geldhäuser fallen als Partner für Schaeffler aus, erklärte Merck Finck-Analyst Robert Heberger. “Dennoch sind wir zurückhaltend, ob die Strategie aufgeht und Continental damit eine Übernahme verhindern kann.” Allenfalls dürfte entweder Schaeffler oder ein anderer Interessent ein höheres Gebot vorlegen.

Auch Conti hofft, dass die namhaften Adressen der Finanzwelt mit ihren guten Verbindungen zu Investoren dem Automobilzulieferer bei der Suche nach einem weißen Ritter oder einem freundlichen Großaktionär als Gegengewicht zu Schaeffler helfen. Dabei dürften die Arbeitnehmervertreter einen hierzulande gerne als Heuschrecke titulierten Finanzinvestor oder ausländischen Staatsfonds wohl kaum akzeptieren.

Um mögliche Investoren zu überzeugen, braucht Conti jedoch mehr Zeit, die sie sich mit einer außerordentlichen Hauptversammlung erkaufen könnten. Mit der Einberufung würde sich die Angebotsfrist für das Schaeffler-Angebot um sechs auf zehn Wochen verlängern. Dabei muss nicht einmal Conti selbst tätig werden. Es genügt, wenn sich 5% der Aktionäre dafür aussprechen.

Doch eine Eigentümerversammlung birgt für Conti auch Risiken. Schließlich ist Schaeffler mit einem Anteilsbesitz von gut 8% in Hannover schon ein großer Aktionär. Der Stimmenanteil könnte sich angesichts der geringen Präsenzen auf Hauptversammlungen schnell vervielfachen. Die Herzogenauracher haben sich nach eigenen Angaben mit Hilfe verschiedener Banken über Tauschgeschäfte, so genannte Swaps, zudem Zugriff auf weitere 28% gesichert. Der Wälzlagerhersteller strebt einen Anteil von mehr als 30% an Conti an.

Ende Juli hatte das Unternehmen am Conti-Management vorbei ein Übernahmeangebot vorgelegt. Die Anteilseigner der Hannoveraner können den Herzogenaurachern ihre Aktien bis zum 27. August für je 70,12 EUR andienen. Der niedrige Kurs stößt jedoch auf wenig Begeisterung. Viele Anleger halten sich zurück und hoffen, dass Schaeffler sein Angebot nachbessert – oder jemand anderes.

In diesem Fall könnte sogar das vermeintlich sichere Aktiengeschäft der Herzogenauracher wackeln, betonte ein Händler, der nicht genannt werden wollte. Die koordinierende Investmentbank Merrill Lynch muss die Swap-Position laut Angebot in “wirtschaftlich sinnvoller Weise” auflösen. Schaeffler habe keine “Zugriffsmöglichkeiten auf die dem Swap-Geschäft zugrunde liegenden Continental-Aktien”, heißt es da. Ein höheres Gebot von anderer Seite könnte die Bank daher zwingen, an einen Dritten statt an Schaeffler zu verkaufen.

Der Conti-Aufsichtsrat will kommenden Mittwoch über das Angebot beraten. Aufsichtsrat und Vorstand müssen bis dahin eine Stellungnahme abgeben. Der weltweit fünftgrößte Automobilzulieferer steht der Offerte bislang ablehnend gegenüber, hat dem fränkischen Familienkonzern aber Gespräche angeboten, sollte sich Schaeffler mit einer strategischen Beteiligung von rund einem Fünftel zufrieden geben oder einen höheren Preis bieten. Sollte Schaeffler dies weiter zurückweisen, wonach es aussieht, dürfte die Führung von Conti das Angebot erneut ablehnen.

   Webseiten: http://www.conti-online.com
              http://www.schaeffler-gruppe.de 

   -Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112,
   katharina.becker@dowjones.com
   DJG/kat/cbr 

(END) Dow Jones Newswires

August 08, 2008 10:21 ET (14:21 GMT)

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